Wissenschaftler beweisen erstmals: Menschen aus reichen Ländern sind häufig unzufrieden mit ihrem Leben.

Düsseldorf. Schlechte Nachricht für Dagobert und die anderen Vermögenden dieser Welt: Wer reicher wird, wird nicht glücklicher.

Seit 1974 steht der amerikanische Forscher Richard Easterlin zu seiner These, jetzt hat er sie wissenschaftlich bewiesen. Der Glücksökonom der University of Southern California hat in jahrzehntelanger Analyse Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung in 37 Ländern erhoben und die Menschen parallel zu ihrer Lebenszufriedenheit befragt.

Das Ergebnis: Mit wachsendem Wohlstand werden Menschen nur kurzfristig glücklicher. Langfristig geht die Zufriedenheit zurück, wie im boomenden China oder in Südkorea. Ein Grund: Mit dem Lebensstandard steigen bei den Befragten die Ansprüche. Wer viel hat, will noch mehr.

Dass Wirtschaftswachstum allein nicht der Schlüssel zu einer glücklichen Bevölkerung ist, erkennen auch Regierungen. In Großbritannien soll das Nationale Amt für Statistik ab April die Lebensqualität der Briten messen und daraus einen Glücksindikator errechnen.

Noch weiter geht die Frage, die sich die Parteien im deutschen Bundestag stellen. Sie haben – mit Ausnahme der Linken – im November eine Enquete-Kommission zum Thema Wohlstand gegründet.

Politik für Wohlstand und Wohlgefühl

Die Arbeitsgruppe soll untersuchen, welche Aspekte über die Lebensqualität in einer Gesellschaft entscheiden. Sie soll auch die Sinnfrage stellen: Ist Wachstum überhaupt noch gut? Schließlich fördere es soziale Ungleichheit, trage zum Ressourcenabbau bei und erzeuge das Gefühl eines ständigen Wettkampfes.

Am Ende soll ein Wohlstands- und Fortschrittsindikator ermittelt werden. Das Bruttoinlandsprodukt wäre dann erstmals nicht mehr die alleinige Messlatte für wirtschaftspolitischen Erfolg.

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