Je häufiger das Immunsystem Erreger in Schach halten muss, desto besser kommt es mit ihnen zurecht.

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Eine Erkältung ist lästig, für das Immunsystem aber enorm wichtig.

Eine Erkältung ist lästig, für das Immunsystem aber enorm wichtig.

dpa

Eine Erkältung ist lästig, für das Immunsystem aber enorm wichtig.

Düsseldorf. Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Abgeschlagenheit: Eine Erkältung ist lästig, meist aber harmlos und für das Immunsystem besonders wichtig. "Sie trainiert die Abwehr und schützt den Körper langfristig", sagt Prof. Werner Solbach, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck.

Mediziner unterscheiden zwischen dem angeborenen und dem erworbenen Immunsystem. Das angeborene bringt jeder Mensch bei der Geburt mit. "Es beinhaltet alle Bestandteile wie Zellen und Flüssigkeiten, die wir für das Leben brauchen", berichtet Solbach. Besonders wichtig sind die Fresszellen und die von der Mutter übertragenen, sozusagen "mitgelieferten", Antikörper.

Direkt nach der Geburt beginnt das Immunsystem zu arbeiten

Sobald ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickt, wird seine Abwehr gefordert: "Da Bakterien überall lauern, kommen Haut oder Darm des Babys sofort mit ihnen in Kontakt", sagt der Mediziner. In den meisten Fällen ist das jedoch harmlos. Die Fresszellen und Antikörper werden aber schon bei den Kleinsten vor allem dann aktiv, wenn Keime beispielsweise über Wunden oder die Nahrung den Körper erreichen.

Dann muss das Immunsystem Arbeit leisten, um die Erreger in Schach zu halten. Je häufiger das geschieht, desto mehr bildet sich ein immunologisches Gedächtnis heraus, das für unser Leben von enormer Bedeutung ist. Solbach: "Das immunologische Gedächtnis wird von Geburt an beansprucht. Um das erworbene Immunsystem zu entwickeln und eigene Antikörper gegen möglichst viele Erreger zu bilden, muss es regelmäßig angeregt werden." Entscheidend sind dafür die ersten fünf Lebensjahre. "Ein Kind sollte in dieser Zeit häufig mit verschiedenen Keimen in Kontakt kommen."

Von insgesamt 500 Viren begegnen uns im Alltag hundert

So kommt die Abwehr auch zu einem späteren Zeitpunkt leichter mit einem Erreger zurecht, wenn sie ihn bereits kennt. Der Mediziner nennt diesen Prozess auch gerne "Immunjogging". Eine Erkältung ist also sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen nicht per se schlecht, sondern eher eine Art Training für das Immunsystem.

Regelmäßiger Ausdauersport wie Joggen, Radfahren, Walken oder Schwimmen steigert die Funktionskraft der für die Abwehr wichtigen B- und T-Zellen.

Auch Saunagänge stärken das Immunsystem und schützen so vor Erkältungen. Sie sollten allerdings mindestens einmal in der Woche und über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden. Wer bereits erkältet ist, sollte die Sauna unbedingt meiden.

Die Lebensmittel sollten ausgewogen, saisonal und regional sein. Besonders wichtig ist Eiweiß, da viele Abwehrzellen aus Eiweißbausteinen gebildet werden.

Ausreichend Schlaf ist entscheidend, um dem Immunsystem die nötige Kraft zu geben. Da die Immunzellen über einen eigenen Schlafrhythmus verfügen, schwächen regelmäßige kurze Nächte deren Funktion.

Meiden Sie den Kontakt zu kranken Menschen. Das gilt für den Handschlag genauso wie für einen Wangenkuss oder eine Umarmung.

Insgesamt gibt es mehr als 500 Viren, von denen rund hundert im Alltag von Bedeutung sind. Bei dieser Anzahl ist das Immunsystem jeden Tag aufs Neue gefordert und kann sich nicht gegen jeden Erreger erfolgreich wehren. Deshalb ist es normal, wenn Erwachsene pro Jahr mindestens ein bis zwei Mal einen Infekt bekommen, Kinder in den ersten fünf Lebensjahren sogar bis zu zehn Mal im Jahr.

Wer sich erkältet, hat nicht unbedingt ein schwaches Immunsystem. Vielmehr ist es der bisher fehlende Kontakt mit diesem einen Erreger, der für die jetzige Erkältung verantwortlich ist. Erkennt der Körper den Keim wieder, weil er vielleicht bereits vor Jahren mit ihm konfrontiert wurde, wird die Erkrankung milder verlaufen als bei Menschen, deren Organismus den Erreger noch nicht kennt. "Es dauert zwei bis sieben Tage, bis die Abwehr die unbekannten Eindringlinge erkennt und die Verteidigung aufbaut. Kennt der Organismus das Virus, setzt die Abwehr schon früher ein", sagt Solbach.

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