Die Kopfbedeckung soll Radler schützen. Doch viele finden sie hässlich. Deshalb wird sie jetzt modisch aufgepeppt.

Die neuen Fahrradhelme erinnern an Baseball-Mützen.
Die neuen Fahrradhelme erinnern an Baseball-Mützen.

Die neuen Fahrradhelme erinnern an Baseball-Mützen.

dpa

Die neuen Fahrradhelme erinnern an Baseball-Mützen.

Münster. Grell glänzend und unförmig: Fahrradhelme schmeicheln nicht gerade dem Aussehen. Leuchten einige in aufdringlichen Neonfarben, sind andere mit verrückten Motiven bedruckt. Hinzu kommen eigenartige Formen, die an die Kopfbedeckung von Astronauten erinnern.

Obwohl Mediziner und Polizisten immer wieder dazu raten, lehnen viele Radler Fahrradhelme aus ästhetischen Gründen ab. Damit ist jetzt Schluss: Neuerdings gibt es spezielle Helme, die mit modernen Mützen und Hüten überzogen werden können. Ob lässiger Schlapphut, coole Schirmmütze oder ein Hut im Sherlock-Holmes-Stil: Der Modegag ist in vielen Varianten zu haben.

Die Überzüge werden einfach über den Helm gestülpt

"Der Vorteil ist, dass niemand auf den ersten Blick erkennt, dass der Träger einen Helm auf hat", sagt Nikola Rosenbaum. Sie ist Verkäuferin in einem Fahrradfachgeschäft in Münster, das die neuen Helme vertreibt. "Der Helm ist quasi als Hut verkleidet."

Mit ein paar Handgriffen lassen sich verschiedene Überzüge über den Helm stülpen. So wird der Kopfschutz zu einem echten Hingucker: "Es gibt ganz unterschiedliche Mützen-Modelle. Je nach Saison variieren Farbe, Design und Material", so Rosenbaum. "Damit kann der Helm an das jeweilige Outfit angepasst werden."

Sicherheitsexperten stehen den Helmen skeptisch gegenüber

Bei den Kunden komme der modische Kopfschutz gut an. "Die Leute finden die Helme super spannend", berichtet Rosenbaum. "Viele denken darüber nach, beim Fahrradfahren einen Helm zu tragen, entscheiden sich dann jedoch der Optik wegen dagegen." Jetzt sei das anders. Die neuen Helme böten beides: Schutz und gutes Aussehen.

Mit der Nase könnten Radler künftig Risse im Fahrradhelm aufspüren. Forscher aus Fraunhofer-Instituten in Oberhausen und Freiburg haben ein Verfahren entwickelt, das den Kopfschutz auffällig riechen lässt, wenn er beschädigt wird, berichtet das Fraunhofer-Magazin "Weiter vorn" (4/2010).

Dafür sorgen mit Duftölen gefüllte Mikrokapseln in der Helmoberfläche. Platzen sie auf, strömt ein starker Geruch aus.

Diese Technik lässt sich auch bei Motorrad- oder Bauhelmen einsetzen. zudem kann man es auch bei Druckschläuchen wie Waschmaschinen-Zuleitungen verwenden

Selbst mikroskopisch kleine Risse können einen Schutzhelm instabil machen und dazu führen, dass er bei einem harten Schlag zerbricht. Deshalb sollten Helme regelmäßig ausgetauscht werden, raten Experten.

Wann der Zeitpunkt gekommen ist, könnte in Zukunft das Kontrollverfahren der Fraunhofer-Institute für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen sowie für Werkstoffmechanik in Freiburg signalisieren.

Sicherheitsexperten stehen den neuen Fahrradhelmen indes skeptisch gegenüber. Sie seien zwar gut für Helm-Einsteiger und Helm-Muffel, sagt Geschäftsführerin Gertrud Wietholt von der Kinderneurologie-Hilfe in Münster.

"An der Sicherheit muss aber noch gearbeitet werden", lautet ihr Urteil. Technik-Referent André Gläser vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sieht das ähnlich: "Die Helme sind eher eine Art Mode-Accessoire. Grundsätzlich sind sie schon sicher, ihre Sicherheit wird jedoch durch den Überzug eingeschränkt."

So bemängeln Gläser und Wietholt etwa, dass der trendige Kopfschutz weder Reflektoren noch Licht habe, Lüftungsschlitze fehlten und auch die Riemen, mit denen der Helm am Kopf befestigt wird, verbesserungswürdig seien.

Die Fahrrad-Mütze passt sich nicht optimal an den Kopf an

Zudem könne der Helm nicht optimal an individuelle Kopfformen angepasst werden: er besteht aus einer festen Styroporschale. Generell, da sind sich beide einig, gelte aber: "Es ist besser, einen solchen Helm zu tragen als gar keinen".

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