Bewertungen von Kunden im Netz können hilfreich sein – aber Vorsicht: Wer sie tatsächlich verfasst, weiß niemand.

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Beratung gibt es beim Einkauf im Internet meist nicht. Kunden-Bewertungen können aber eine nützliche Hilfe bieten.

Beratung gibt es beim Einkauf im Internet meist nicht. Kunden-Bewertungen können aber eine nützliche Hilfe bieten.

dpa

Beratung gibt es beim Einkauf im Internet meist nicht. Kunden-Bewertungen können aber eine nützliche Hilfe bieten.

Düsseldorf. Nutzer "John" hält das Maritim Hotel in Düsseldorfer für einen "netten Kasten". Weil er öfter dort nächtigt, könne er sich ein Urteil erlauben, schreibt John im Reise- und Hotel-Portal "HolidayCheck". Einzig die Lifte seien ein Problem - es könne dauern, bis mal einer kommt.

"Mathias" hat sich bei "Amazon" eine neue Digital-Kamera zugelegt und schreibt, dass sie jeden Cent wert sei. Bloß das USB-Kabel ist zu kurz geraten. Und Nutzerin "Julchen" fällt bei "Libri" zur gerade erschienenen Robert-Enke-Biografie ein, dass sie ein "super Buch" sei.

Einfaches Prinzip: Es wird über eigene Erfahrungen berichtet

Drei Beispiele über einen Trend beim Kauf im Internet: Kunden bewerten Produkte oder Dienstleistungen von Anbietern - und geben anderen so eine Kaufempfehlung oder raten umgekehrt davon ab. Das Prinzip dahinter: Jemand hat eine gute oder schlechte Erfahrung gemacht und berichtet im Freundeskreis darüber. Bloß das dieser heutzutage die gesamte Internet-Gemeinde umfasst.

Was praktisch klingt, birgt Tücken. Denn niemand weiß, wer hinter den Bewertungen steckt. Die Autoren schreiben meist unter Pseudonym (Nickname) und haben mitunter nicht nur lautere Absichten. So sorgte jüngst der Fall eines Geschäftsführers für Furore. Seine Firma stellt einen Tablett-PC her, pünktlich zum Verkaufsstart erschienen Bewertungen, die das Gerät über den grünen Klee lobten. Verfasst hatte die Lobhudelei der Geschäftsführer - unter falschen Namen.

Auch zwei Reise-Portale sind aufgefallen: Stiftung Warentest platzierte zwei Bewertungen mit falschen Angaben über bestimmte Hotels - sie erschienen tatsächlich auf den Internetseiten. Eine Nutzer-Debatte auf einem Einkaufsportal stellte sich ebenfalls als falsch heraus. Eine Agentur hatte Produktbeschreibungen erstellt - unter erfundenen Nutzernamen.

"Das darf nicht, kann aber passieren", sagt Ulrich Cramer von Holiday Check. Nach seinen Angaben ist das Unternehmen Marktführer bei Reise-Bewertungen. 1,7 Millionen Meinungen über Hotels und Reisen sind abrufbar. "Jede Bewertung wird per Software auf Schmähkritik oder Schleichwerbung gefiltert", sagt Cramer.

Kontrolle: Viele Portale prüfen die Bewertungen der Kunden

Zudem überprüfe ein 40-köpfiges Redaktionsteam jede Bewertung. Ob ein Nutzer aber tatsächlich zwei Wochen im Hotel XY war, lässt sich nicht hundertprozentig überprüfen. Auf Kontrolle setzt auch die Redaktion des Düsseldorfer Restaurantführers Marcellino. "Gäste sagen, wie es wirklich is(s)t" - aber nicht jede Gäste-Meinung schafft es in den Führer. Die Redaktion überprüft vorher die Angaben auf Plausibilität.

Zehnmal derselbe Schreibfehler in zehn Kommentaren - verdächtig. Auch mittelmäßige Lokale, die von Gästen in die Gourmet-Liga gejubelt werden stehen unter Verdacht. Marcellino-Redakteure kennen die Gastro-Szene, ihnen fällt auf, wenn es nicht mit rechten Dingen zugeht.

Wie wichtig Kunden-Meinungen sind, haben Marketing-Experten längst entdeckt. Sie gelten als nachhaltig und effektiv. Wer sich auf Empfehlung für ein Produkt interessiert, ist weniger kritisch und kauffreudig. Gefälschte Bewertungen erreichen aber das Gegenteil.

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