Mit Originalität aus der Masse hervortreten: Chancen der „Guerilla-Taktik.“

Bewerbung
Selbst ein Haartrockner diente als Hilfsmittel für die Bewerbung.

Selbst ein Haartrockner diente als Hilfsmittel für die Bewerbung.

Bewerbungsschreiben auf der Klopapierrolle oder dem Pizzakarton – das trifft nicht jeden Geschmack. (dpa)

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Selbst ein Haartrockner diente als Hilfsmittel für die Bewerbung.

Berlin. Bewerber schreiben ihren Lebenslauf auf Klopapierrollen und verteilen sie auf öffentlichen Toiletten. Männer zwängen sich für ihr Bewerbungsfoto in einen Pamela-Anderson-Badeanzug und ziehen eine blonde Perücke auf. Solche „Guerilla-Bewerbungen“  können eine Chance sein, um aus der Masse der Kandidaten hervorzustechen.

Wer aus der Reihe tanzt, kann damit auf sich aufmerksam machen. Der Karriere-coach Jürgen Hesse aus Berlin hat dafür einige kuriose Beispiele: Eine 19-Jährige hat auf YouTube alle Nutzer aufgefordert, einem Radiosender zu schreiben, dass sie die Richtige für ein Praktikum sei. Der Sender erhielt so viel Fanpost, dass die junge Frau den Job bekam.

Schoko-Osterhase und Bratpfanne als Beigabe

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Selbst ein Haartrockner diente als Hilfsmittel für die Bewerbung.

Selbst ein Haartrockner diente als Hilfsmittel für die Bewerbung.

Bewerbungsschreiben auf der Klopapierrolle oder dem Pizzakarton – das trifft nicht jeden Geschmack. (dpa)

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Bewerbungsschreiben auf der Klopapierrolle oder dem Pizzakarton – das trifft nicht jeden Geschmack. (dpa)

Ein Koch verschickte seine Bewerbung in einer Bratpfanne – und erhielt prompt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Eine Grafikerin schickte ihrem Wunsch-Arbeitgeber an Weihnachten einen Schoko-Osterhasen – mit dem Kommentar, sie sei ihrer Zeit voraus. Gerade für Leute bis Mitte 20, die einen kreativen Job suchen, seien Guerilla-Bewerbungen durchaus eine Chance, sagt Hesse. Mit der Bewerbung nach Schema F in einer dunklen DIN-A4-Mappe gehe man auf dem Schreibtisch der Personalchefs einfach unter.

Das ging nach hinten los: Heiße Luft statt frischem Wind

Allerdings können solche kreativen Einfälle auch nach hinten losgehen, wie das Beispiel einer Marketing-Frau aus Hessen zeigt. Sie fügte ihrer Bewerbung einige kulinarische Spezialitäten bei – dumm nur, dass die Adressatin gerade Urlaub hatte und das Paket nach einigen Wochen im Warmen ekelerregend stank. Eine andere Frau bewarb sich bei einer Werbeagentur mit einem Fön und dem Slogan: „Ich bringe frischen Wind in Ihr Unternehmen.“ Die Antwort kam prompt: „Heiße Luft können wir selbst produzieren.“

Eine Kreativ-Bewerbung sei auf jeden Fall eine Gratwanderung, sagt Karriere-Coach Hesse. Wer den Geschmack des Arbeitgebers nicht trifft, hat alle Chancen verspielt. Und zum Clown sollte man sich erst recht nicht machen. „Kommt ein 50-jähriger gestandener Betriebswirt, der seit Jahren Bereichsleiter in einer Firma war, mit einer völlig schrägen Bewerbung daher – da hat er sehr schlechte Karten.“ Auf keinen Fall sollte man versuchen, einen kreativen Einfall zu erzwingen, warnt Hesse. „Wem die zündende Idee fehlt, der sollte sich auf seine Kompetenz, Leistungsbereitschaft und seine charakterlichen Stärken zu besinnen.“

Den Begriff Guerilla (Kleinkrieg) hat Marketing-Experte Jay C. Levinson in das Wirtschaftsleben eingebracht. Seine Idee war vor allem für kleine Unternehmen ohne großes Werbe-Budget gedacht: Sie sollten mit ausgefallenen Ideen provozieren und so eine möglichst große Öffentlichkeit auf ihr Produkt aufmerksam machen.

Eine Guerilla-Bewerbung braucht ein gutes Konzept, betont Christoph Weissenböck vom Online-Jobportal Karriere.at. Man sollte sich über das Unternehmen schlaumachen, bei dem man sich bewerben will. Die entscheidende Frage sei, wie viel Frechheit der potenzielle Arbeitgeber verträgt.

Eine Guerilla-Bewerbung soll zwar aus dem Rahmen fallen – trotzdem muss sie inhaltlich zur Wunsch-Stelle passen. Zu verspielt sollte man seine Bewerbung trotz aller Ausgefallenheit nicht gestalten. Firmen erhalten oft Hunderte Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung. Da bleibt keine Zeit, um lange mit einer einzigen Bewerbung herumzuspielen.

Auch dann muss man nicht gleich langweilig daherkommen. Zum Beispiel könne man mit dem Format spielen, rät Hesse: Wer ein A4-Blatt quer legt oder einen kleinen Rand abschneidet, steche sofort aus der Masse hervor. „Das ist schon ein Hingucker. Und man läuft nicht Gefahr, den Adressaten geschmacklich total vor den Kopf zu stoßen.“

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