Erstmals wurde ein Bundesligaspiel in dreidimensionalen Bildern übertragen.

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Auch Franz Beckenbauer setzte sich die 3D-Brille auf.

Auch Franz Beckenbauer setzte sich die 3D-Brille auf.

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Auch Franz Beckenbauer setzte sich die 3D-Brille auf.

München. Der Ball ist nicht nur rund, sondern eine Kugel. Und die 3D-Technik könnte Bundesligafußball künftig auch in deutschen Wohnzimmern in die dritte Dimension befördern. Der Zuschauer steht gefühlt mit auf dem Platz. Dichter als mit dem dreidimensionalen Fernsehbild kommt der Fan kaum ans Spielgeschehen - vom Besuch im Stadion abgesehen.

Zu Hause und doch ganz dicht am Spielfeld

Was im Kino ein Riesenerfolg ist, könnte bald das Fernsehen revolutionieren, auch wenn die Zuschauer hierzulande auf 3D-Liveübertragungen aus den Stadien zwar noch eine Weile warten müssen. Aber: "Wir stehen am Startpunkt", sagt der künftige Chef des Bezahlsenders Sky Deutschland, Brian Sullivan.

Nach einer ersten Testvorführung in neun britischen Pubs im Januar hat Sky nun in München eine Kostprobe der neuen Technik geliefert. Der Sender zeigte vor rund 120 Gästen mit der Partie Leverkusen gegen den Hamburger SV die erste deutsche Liveübertragung eines Fußballspiels in 3D. Ein neues Kapitel Fernsehgeschichte werde aufgeschlagen, erklärt Sullivan.

Der Amerikaner soll vom 1. April an den tief in der Krise steckenden Pay-TV-Sender endlich in die Erfolgsspur führen. Auch der Siegeszug der 3D-Technik im Kino, der zuletzt mit "Avatar" den finanziell erfolgreichsten Film aller Zeiten hervorbrachte, könnte dabei helfen, hofft man bei Sky, das als Premiere in den vergangenen 20 Jahren nie wirklich auf die Füße kam.

"Es ist wirklich beeindruckend", sagt Franz Beckenbauer, der wie die übrigen Gäste gebannt durch seine Spezialbrille auf die Bildschirme geguckt hat. Vor allem die Schärfe, die Tiefe und der Eindruck, ganz dicht dabei zu sein, seien erstaunlich. Auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ist begeistert.

Amerikanische und britische Wissenschaftler warnen vor den gesundheitlichen Folgen bei der Nutzung von 3D-TV-Geräten und 3D-Monitoren. Nach einem Bericht der Apotheken-Umschau haben sie nachgewiesen, dass das Betrachten von 3D-Inhalten zu Kopfschmerzen und erhöhter Augenbelastung führen könne.

Schuld dafür sei der Konvergenz-Anpassungs-Konflikt. In der Natur blicken die Augen in einen dreidimensionalen Raum. Bei der 3D-Technik hingegen kommen die Informationen von einer flachen Quelle, was das Auge überlasten, zu Kopfschmerzen führen kann.

Aufwändig produzierte Filme wie "Avatar" hätten diesen Effekt zwar mit Erfolg minimieren können, sagte Martin Banks, Professor von der Universität in Berkeley. Billigere Produktionen könnten jedoch zu verstärkten Problemen führen. Zudem würden sich die Schwierigkeiten mit sinkendem Betrachtungsabstand schnell überproportional verstärken.

Die ungewohnte Perspektive verdankt das Seherlebnis einer aufwändigen Produktion: Spezialkameras nehmen zwei Bilder auf, die - leicht versetzt gezeigt - vom Gehirn des Zuschauers dank Spezialfernseher und Spezialbrille in ein räumliches Bild verwandelt werden.

In diesen Tagen bringen die ersten Hersteller 3D-fähige Fernseher auch in Deutschland auf den Markt. Trotz aller Euphorie geben sich die Verantwortlichen bei Sky noch zögerlich. Man wisse, dass viele Zuschauer sich erst einen neuen Flachbildfernseher zugelegt haben. Viele werden sich so rasch nicht mit der neuen und nicht eben billigen Technik ausstatten. Zudem ist die doppelte Produktion von herkömmlichen zweidimensionalen Übertragungen und 3D aufwändig und vor allem teuer.

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