Eine Verordnung sorgt dafür, dass weniger Pestizide auf den Feldern verwendet werden. Was heißt das für den Verbraucher?

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Bei Obst hat man in Bananen und Weintrauben extrem viele Rückstände nachgewiesen, beim Gemüse war die Paprika sehr belastet.

Bei Obst hat man in Bananen und Weintrauben extrem viele Rückstände nachgewiesen, beim Gemüse war die Paprika sehr belastet.

dpa

Bei Obst hat man in Bananen und Weintrauben extrem viele Rückstände nachgewiesen, beim Gemüse war die Paprika sehr belastet.

Brüssel. In der EU werden erstmals besonders gefährliche Pestizide verboten. Einer entsprechenden Verordnung stimmte das Europaparlament am Dienstag in abschließender Lesung zu. Sie sieht vor, dass die Substanzen bis 2018 nach und nach vom Markt genommen werden. Hier werden die wichtigsten Fragen zu dem Gesetz für den Verbraucher beantwortet.

Was darf künftig nicht mehr gespritzt werden?

Die neuen Regeln verbieten Pflanzenschutzmittel, die einige besonders gefährliche Wirkstoffe enthalten. Dabei geht es um Substanzen, die bei hoher Dosis Krebs erregen, die Fortpflanzung schädigen oder das Erbgut verändern. Darüber hinaus müssen einige problematische Stoffe, die das Nervensystem beeinträchtigen können, ersetzt werden, wenn es angemessene Alternativen gibt.

Warum sind diese Wirkstoffe bisher überhaupt erlaubt?

Bislang folgen die Regeln dem Prinzip der Risikogewichtung. Zugelassen wurden auch Gifte - aber nur, wenn sie wegen ihrer Verdünnung um ein Vielfaches unter der Gefahrenschwelle für Menschen liegen. Getreu dem Motto: Es kommt immer auf die Dosis an.

Reichen die bisherigen Regeln nicht aus?

Genau darüber wurde Jahre gestritten. Die Industrie sagt: Sogar normales Salz ist lebensgefährlich, wenn man es in riesiger Dosis einnimmt. Trotzdem würde es niemand verbieten. Die Kritiker kontern: Ständig werden überhöhte Rückstände giftiger Stoffe in gespritztem Obst entdeckt, weil Bauern mehr Pestizide einsetzen als empfohlen - aber das kann niemand überwachen. Deshalb müsse man die giftigsten Stoffe verbieten.

Sind die neuen Regeln beschlossene Sache?

Fast. Das EU-Parlament hat zugestimmt. Nun müssen noch die Minister die Verordnung billigen. Aber das gilt als Formsache, denn es gab Vorverhandlungen.

Wann wirken die neuen Vorgaben?

Der Ministerrat wird sie wohl im Frühjahr absegnen. Dann dürfen keine Pestizide mit den verbotenen Wirkstoffen mehr neu zugelassen werden. Bei alten Produkten läuft die Zulassung innerhalb der nächsten zehn Jahre aus - je nach dem, wann sie genehmigt wurden.

Wird Obst und Gemüse in Zukunft knapp?

Nein. Zwar warnt die Pestizid-Industrie vor "einigen schmerzhaften Lücken im Pflanzenschutz", etwa gegen Schadpilze im Getreide. Aber selbst sie sagt keine dramatischen Einbußen im Angebot von Obst und Gemüse in Westeuropa voraus. Der Kunde werde weiter beliefert.

Steigen dafür aber die Preise der Produkte?

Das lässt sich noch nicht absehen. Vieles hängt davon ab, ob Bauern und Pestizidhersteller andere Mittel und Wege finden, Agrarerzeugnisse vor Schadinsekten, Unkräutern oder Pilzen zu schützen. Studien, nach denen angeblich jedes Brot elf Cent und der Liter Milch vier Cent teurer werden, sind Spekulation.

Was ist mit Obst aus Übersee?

Jenseits der EU-Grenzen werden auch in Zukunft Substanzen zugelassen sein, die in Europa verboten sind. Allerdings darf damit behandeltes Obst nicht in die EU importiert werden.

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