Seit 2011 ist der Einstieg in die private Versicherung einfacher geworden. Ein Wechsel sollte gut überlegt sein.

Gesundheit
Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung sollte gut überlegt sein.

Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung sollte gut überlegt sein.

dpa

Ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung sollte gut überlegt sein.

Berlin. Gesetzlich Versicherte träumen oft davon: Keine Warteschlangen beim Arzt, die Kasse zahlt alle Naturheilverfahren, und der Zahnersatz wird auch übernommen. Dieser Traum könnte sich für viele Kunden jetzt erfüllen. Seit diesem Jahr ist der Wechsel von einer gesetzlichen in eine private Krankenkasse einfacher geworden.

Die Schwerpunkte können individuell gestaltet werden

„Sie können sich in der privaten Kasse so absichern, wie Sie wollen“, erklärt Oliver Stenzel vom Verband der privaten Krankenversicherungen in Berlin. „Jeder kann seine eigenen Schwerpunkte setzen. Damit können Sie Ihren Beitrag optimieren.“ Wer etwa in seiner gesetzlichen Krankenkasse den Höchstbeitrag gezahlt hat, komme dann in der privaten Krankenversicherung deutlich billiger weg.

Für Besserverdiener kann der Wechsel verlockend sein

Für viele Gutverdiener könnte die Privatversicherung damit eine verlockende Alternative darstellen. Zumal die Hürden für den Wechsel seit Anfang des Jahres nicht mehr so hoch sind (siehe Kasten).

„Der Anreiz, in die private Krankenversicherung zu wechseln, ist jetzt größer“, sagt Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Von einer schnellen Entscheidung rät er allerdings ab. Ein Beitrag erscheine in der privaten Kasse zwar auf den ersten Blick günstiger. Doch später könne es ein böses Erwachen geben: „Im Alter steigen die Beiträge meist schnell an.“

Nicht alle Leistungen sind automatisch abgedeckt

Außerdem seien viele Leistungen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung selbstverständlich sind, bei den privaten Kassen nicht abgedeckt, etwa eine Reha oder eine Haushaltshilfe. Ähnlich sieht das Michaela Gottfried vom Verband der Ersatzkassen in Berlin.

Einstieg Die Hürden für den Wechsel in die private Krankenversicherung sind seit Beginn 2011 nicht mehr so hoch. Wer im Jahr mindestens 49 500 Euro brutto verdient, darf künftig nach einem Jahr Wartezeit in die private Krankenversicherung wechseln. Bisher mussten Arbeitnehmer 49 950 Euro brutto im Jahr verdienen und konnten dann erst nach einer Wartezeit von drei Jahren wechseln.

Ausstieg Wer sich einmal für eine private Krankenversicherung entschieden hat, kann nach wie vor nur schwer wieder zurück in die gesetzliche. Der Weg zurück ist nur möglich, wenn der Verdienst wieder unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze sinkt. Wer das 55. Lebensjahr vollendet hat, kann überhaupt nicht wieder zurück – auch nicht als Arbeitsloser mit Anspruch auf Arbeitslosengeld oder als Rentner.

„In der privaten Krankenversicherung zahlt man für viele Leistungen drauf“, sagt sie. Viele ältere Versicherte könnten zudem ihre Beiträge nicht mehr bezahlen, weil sie inzwischen zu hoch sind. Aber auch jüngere Versicherte seien vor stetig steigenden Prämien nicht gefeit.

Jedes Familienmitglied muss einzeln abgesichert werden

Außerdem seien etwa Kinder in der privaten Krankenversicherung nicht abgesichert, so Gottfried. „Hier braucht jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag.“ Anders in der gesetzlichen Krankenversicherung: Hier sind Ehepartner wie auch Kinder bis zur Vollendung ihres 25. Lebensjahres beitragsfrei mitversichert, wenn sie kein eigenes Einkommen haben.

Oliver Stenzel sieht diese Probleme zwar auch. Für ihn steht aber fest: „Eine Familienversicherung ist eine sozialpolitische Leistung.“ Und die würden von den privaten Versicherern nun mal nicht abgedeckt. Hohe Beiträge im Alter würden zudem durch entsprechende Altersrückstellungen gemindert. Und die jährlichen Beitragssteigerungen beträfen längst nicht alle Tarife. Außerdem könnten Versicherte in einen anderen, billigeren Tarif wechseln.

Doch so ein Tarifwechsel kann auch Nachteile mit sich bringen, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Mit den Tarifen änderten sich meist auch die Leistungen.

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