Viele wissen nicht, wie sie mit Angehörigen eines Verstorbenen umgehen sollen.

Bei einer Trauer feier sollten die Gäste die Wünsche – beispielsweise nicht zu kondolieren – respektieren.
Bei einer Trauer feier sollten die Gäste die Wünsche – beispielsweise nicht zu kondolieren – respektieren.

Bei einer Trauer feier sollten die Gäste die Wünsche – beispielsweise nicht zu kondolieren – respektieren.

dpa

Bei einer Trauer feier sollten die Gäste die Wünsche – beispielsweise nicht zu kondolieren – respektieren.

Freiburg. Es sind schwierige Tage: Stirbt ein Mensch, sind Angehörige und gute Freunde häufig vom Schmerz wie betäubt. Erfahren Bekannte oder Kollegen von dem Todesfall, wissen sie oft nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Einfach nichts tun ist in jedem Fall der falsche Weg. "Wenn sich keiner traut, zu ihnen hinzugehen, fühlen sich die Angehörigen schnell wie Aussätzige", sagt Georg Schwikart, Religionswissenschaftler und Buchautor aus Sankt Augustin bei Bonn.

Ob es bei einer Kondolenzkarte bleibt oder ein Kranz geschickt wird, hängt von der Nähe zum Verstorbenen ab.

Erfahren Nachbarn oder Vereinskollegen über eine Zeitungsanzeige von einem Todesfall, sind sie mit einer Trauerkarte auf der sicheren Seite. "Je weiter man von dem Verstorbenen weg ist, desto abstrakter wird es. Dann kann ich eine vorgedruckte Karte kaufen und nur unterschreiben", sagt Schwikart.

Tabu sind Papier und Umschläge mit schwarzem Rand - mit ihnen wird ein Trauerfall bekanntgegeben, erklärt Elisabeth Bonneau, Stilexpertin aus Freiburg.

Der persönliche Brief hat einen höheren Wert

Wer sich schwertut, in einem Beileidsbrief die richtigen Worte zu finden, kann sich an ein paar Regeln orientieren. Nach der Anrede folgt ein Ausdruck des Gefühls wie "Es tut mir sehr leid", sagt die Stilexpertin Elisabeth Bonneau. Im nächsten Satz könne dann stehen, wie man den Verstorbenen in Erinnerung behält. Dann folgt ein Wunsch: "Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die kommenden Wochen" etwa.

Mit dem Angebot "Wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann, lassen Sie es mich wissen" und einem "Mit stillem Gruß" kann der Brief enden.

Der persönliche Brief hat laut Bonneau einen höheren Wert. "Der Trauernde kann noch einmal in ihn hineinlesen. Das macht er bei einer Standardkarte ja nicht." Wer lieber spricht als schreibt, kann einen Kondolenzbesuch machen. "Mehr als eine halbe Stunde sollte der aber nicht dauern." Von einem Anruf rät die Stilexpertin dagegen ab.

Der Trauerkarte kann Geld beigelegt werden. Gut ist dann ein Verweis, dass der Betrag für Blumen verwendet werden soll. "Sonst sieht es so aus, als ob Sie den Angehörigen unterstellten, sie könnten die Beerdigung nicht bezahlen", sagt Bonneau. Wie viel dem Umschlag beigelegt wird, hängt von der Nähe zum Verstorbenen und dem eigenen Budget ab. "Unter zehn Euro würde ich aber nicht gehen."

Wer Blumen schenken möchte, hat freie Wahl - nur rote Rosen sollten es nicht sein, findet Schwikart. Da Kränze und Gestecke teuer sind, bietet es sich an, wenn Nachbarn oder Kollegen gemeinsam dafür sammeln.

Darf man einen "Guten Tag" wünschen, wenn man die Angehörigen trifft? Klaus Dirschauer bejaht dies: "Die vertraute Begrüßung beizubehalten stabilisiert emotional die ungewöhnliche Lebenssituation", sagt der Autor, der lange als Ausbilder der Evangelischen Kirche in Bremen gearbeitet hat. Er rät bei der Beileidsbekundung zu einer formalen Sprache wie "Ich möchte meine Anteilnahme ausdrücken".

Zur Trauerfeier kann jeder kommen. Die Gäste erscheinen Dirschauer zufolge am besten rund 15 Minuten vor Beginn. Dann haben sie Zeit, sich - falls vorhanden - in ein Kondolenzbuch einzutragen, noch einmal am Sarg zu gedenken und sich einen Sitzplatz zu suchen.

Über den entscheidet wiederum die Nähe zum Verstorbenen: Die nahen Angehörigen sitzen in der ersten Reihe, entfernte Bekannte weit hinten. "Aber man sollte schon aufrücken, damit keine großen Lücken entstehen", rät Schwikart.

Verhalten nach den Angehörigen richten

Die Kirche und der Weg zum Grab sind keine Orte für Gespräche. "Natürlich kann man Bekannte freundlich grüßen, aber man erzählt sich nicht die letzten 20 Jahre", sagt Elisabeth Bonneau. Baten die Angehörigen, am Grab von Beileidsbekundungen abzusehen, wird ihnen dort nicht kondoliert.

Fehlte ein entsprechender Hinweis, richten Gäste sich am besten nach dem Verhalten der Angehörigen. Gehen sie weg, wollen sie in diesem Moment alleingelassen werden. "Dann läuft man ihnen natürlich nicht hinterher", sagt Schwikart. Bleiben Angehörige am Grab stehen, reicht es, ihnen die Hand zu geben. "Man muss dann nichts sagen."

Zum anschließenden Traueressen gehen nur die Eingeladenen. Normalerweise liegt dem Trauerschreiben ein entsprechendes Kärtchen bei. Alternativ kann der Pfarrer die Trauergesellschaft einladen. "Es tut sehr gut, hinterher noch einmal zusammenzukommen und sich zu stärken", sagt Schwikart.

Der Leichenschmaus ist die passende Gelegenheit, über den Verstorbenen zu sprechen, Anekdoten zu erzählen und vielleicht auch wieder miteinander zu lachen. "Die Trauergäste sollten aber so viel Umsicht habenzu beobachten, wie viel Fröhlichkeit der Hinterbliebene in diesem Moment aushält", sagt Bonneau. Nach ein bis zwei Stunden ist es Zeit, wieder aufzubrechen. Und dann verabschiedet man sich auf jeden Fall persönlich von den Angehörigen.

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