Die Regierung will mehr Wettbewerb im Fernverkehr. Preiswerte Tickets könnten nicht nur Autofahrer anlocken.

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Ab 2012 ist der innerdeutsche Linienverkehr per Bus freigegeben. (dpa)

Ab 2012 ist der innerdeutsche Linienverkehr per Bus freigegeben. (dpa)

Robert Schlesinger

Ab 2012 ist der innerdeutsche Linienverkehr per Bus freigegeben. (dpa)

Berlin. Mit den Billigfliegern stehen die ICE und Intercity der Bahn längst im Wettbewerb. Zu Lande haben Reisende aber fast keine Alternative zu den Fernzügen, wenn es für längere Distanzen im Inland nicht das Auto sein soll. Jetzt macht das Kabinett den Weg für neue Konkurrenz frei: Fernbusse sollen ab 2012 bundesweit von Stadt zu Stadt rollen können – Kunden winken billigere Tickets.

Warum fahren Busse bisher kaum auf Fernlinien in Deutschland?

Busfirmen dürfen nicht einfach losfahren, sondern brauchen dafür nach dem Personenbeförderungsgesetz grünes Licht der Behörden. Die Genehmigung für Fernlinien ist bisher aber zu untersagen, wenn es parallel schon eine Zugverbindung gibt. Diese Beschränkung aus den 1930er Jahren sollte einst den Aufbau der Eisenbahn schützen. Später mit der Ausnahme Berlins, dessen eingemauerter Westteil einst per Bus erreichbar sein sollte. Auch ins Ausland gibt es Reisebusfahrten bereits länger.

Was genau ändert die Regierung am Gesetz?

Das Bundeskabinett beschloss, die K.O.-Klausel zum Schutz paralleler Zugangebote abzuschaffen. Auch künftig müssen Busunternehmer aber Fernlinien mit den vorgesehenen Haltepunkten bei den Landesbehörden beantragen. Diese sollen fortan „grundsätzlich genehmigungsfähig“ sein. Allerdings müssen zwischen zwei Haltestellen mindestens 50 Kilometer liegen. Das soll verhindern, dass Fernbusse lukrative Strecken im Nahverkehr ins Visier nehmen, der mit Steuergeld mitfinanziert wird.

Wer will Fernbuslinien anbieten?

50 bis 100 mittelständische Firmen interessieren sich für den neuen Markt. Dafür sind jedoch Investitionen in Marketing oder Werkstätten nötig. Der größte private Bahn-Konkurrent, Veolia Verkehr, beantragte bereits Anfang 2010 drei Linien von Mönchengladbach nach München sowie von Essen nach Hamburg und München.

Was bringen Fernbusse den Kunden?

Schon jetzt sind Busse für Schnäppchenjäger eine Alternative zum Bahntarif. So kostet eine dreieinhalb Stunden lange ICE-Reise von Berlin nach Bochum 95 Euro, eine knapp acht Stunden lange Busfahrt ist für 36 Euro zu haben. Geschäftsleute aus Erste-Klasse-Waggons dürften kaum umsteigen.

Wie verhält sich die Bahn?

Als größter Anbieter (13 400 Busse, davon 4800 eigene) wollte die Bahn bei einer Marktöffnung eigentlich selbst in die Offensive gehen. Schon jetzt betreibt sie Fernbuslinien von und nach Berlin. Im Frühjahr entschied sich der Vorstand aber erst einmal fürs Abwarten, um sich auf das Kerngeschäft mit Zügen zu konzentrieren. In der Busbranche gilt es aber nicht als ausgemacht, dass der Verkehrsriese wirklich auf Dauer stillhält.

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