Was bei der Partnersuche wichtig ist: Paare mit Gemeinsamkeiten bleiben eher länger zusammen.

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Im Urlaub zeigt sich, ob man zueinander passt.

Im Urlaub zeigt sich, ob man zueinander passt.

dpa

Im Urlaub zeigt sich, ob man zueinander passt.

Düsseldorf. WZ: Herr Hassebrauck, ist Liebe wissenschaftlich fassbar?

Hassebrauck: Natürlich ist Liebe beziehungsweise die Analyse von Liebe eine Wissenschaft. Liebe ist ja im Prinzip eine Emotion. Und diese können wir erforschen.

WZ: Aber es heißt doch, in der Liebe gibt es keine Regeln. Kann man dann überhaupt universelle Aussagen machen?

Hassebrauck: Das ist eine Frage der Perspektive. In der Psychologie suchen wir nach Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Menschen. Was nicht heißt, dass alle Menschen gleich sind. Dennoch gibt es Grundmuster, die bei allen Menschen ähnlich sind.

WZ: Welche?

Manfred Hassebrauck (57) ist Professor Sozialpsychologie an der Universität Wuppertal. In seinen Forschungen beschäftigt er sichhauptsächlich mit den Themen Liebe, Partnerwahl und Beziehung.

In seinem neuesten Buch "Alles über die Liebe" (mvg Verlag, 14, 90 Euro) verrät er wissenschaftlich fundiert alles, was man über die Liebe wissen muss.

Hassebrauck: Etwa in dem, was Menschen in Partnerschaften wichtig ist. Eine gute Beziehung lässt sich im wesentlichen durch vier Säulen beschreiben: emotionale Nähe, Unabhängigkeit, Gemeinsamkeiten und Sex. Das ist ein Muster, das ich bei den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten feststelle.

WZ: Welche Erkenntnisse aus Ihren Forschungen haben Sie am meisten überrascht?

Hassebrauck: Dass es bei der Partnerwahl gar nicht darum geht, die oder den Schönsten zu bekommen, sondern darum, Hässlichkeit zu vermeiden. Das hat einen evolutionären Hintergrund. Hässlichkeit ist oft ein Zeichen dafür, dass jemand nicht gesund und damit für die Fortpflanzung nicht geeignet ist.

WZ: Das heißt, schöne Menschen haben es bei der Partnerwahl gar nicht einfacher?

Hassebrauck: Nein, eigentlich nicht. Wir sehen das auch daran, dass die Leute viel besser darin übereinstimmen, wer hässlich ist. Bei der Schönheit gehen die Meinungen viel stärker auseinander.

"Gegensätze können anfangs zwar attraktiv sein, sind aber auch der Grund, warum sich die Menschen trennen."

WZ: Was heißt das für Menschen, die meinen, sie seien nicht attraktiv genug?

Hassebrauck: Es müssten sich vor allem die Menschen um ihr Aussehen kümmern, die meinen es lohnt sich nicht. Wenn man wenig attraktiv ist, und mit ein wenig Aufwand mittelmäßig attraktiv wird, ist der Effekt riesig groß.

WZ: Gleich und gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an. Was stimmt?

Hassebrauck: Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Volksmund nicht trauen kann. Für eine positive Wirkung von Gegensätzen gibt es keinen Hinweis. Mit Ausnahme des Geschlechts: Dass Männer Frauen gut finden und umgekehrt - wenn sie heterosexuell veranlagt sind.

WZ: Gemeinsamkeiten sind die Basis einer guten Beziehung?

Hassebrauck: Ja. Gemeinsamkeiten reduzieren das Konfliktpotential. Das fängt ja schon beim Urlaub an: Der eine will Faulenzen, der andere aktiv sein. Gegensätze können anfangs zwar attraktiv sein, aber sie sind auch der Grund, warum sich die Menschen wieder trennen.

WZ: Was können ältere Menschen machen, die sich einen Partner wünschen?

Hassebrauck: Online-Plattformen sind eine tolle Sache, einfach weil das Feld möglicher Partner vergrößert wird. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, der wirklich zu einem passt. In vielen dieser Portale sind auch Menschen über 60.

WZ: Worauf sollte man achten?

Hassebrauck: Man sollte die eignen Wünsche klar formulieren, aber auf der anderen Seite nicht zu rigide bei der Auswahl sein. Denn je enger das Raster ist, desto weniger kommen in Frage. Bei jedem Ausschlusskriterium sollte man überlegen, ist diese Eigenschaft wirklich so wichtig. Das gilt besonders für Ältere, weil deren Pool sowieso schon kleiner ist als bei Jüngeren.

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