Arbeitnehmer bekommen kein Gehalt für die Fehltage. Zusätzliche Kosten für Übernachtung und Rückreise.

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Unsere Grafikerin Ilka Jaroch sitzt am Bamburi-Beach in der Nähe von Mombasa auf gepackten Sachen. Seit zwei Tagen wartet sie auf den Rückflug von Kenia nach Deutschland. „Die Touristen hier sind aber ganz entspannt“, erzählt Jaroch, „man kann ja doch nichts tun.“

Unsere Grafikerin Ilka Jaroch sitzt am Bamburi-Beach in der Nähe von Mombasa auf gepackten Sachen. Seit zwei Tagen wartet sie auf den Rückflug von Kenia nach Deutschland. „Die Touristen hier sind aber ganz entspannt“, erzählt Jaroch, „man kann ja doch nichts tun.“

Marrach

Unsere Grafikerin Ilka Jaroch sitzt am Bamburi-Beach in der Nähe von Mombasa auf gepackten Sachen. Seit zwei Tagen wartet sie auf den Rückflug von Kenia nach Deutschland. „Die Touristen hier sind aber ganz entspannt“, erzählt Jaroch, „man kann ja doch nichts tun.“

Berlin. Von dem Flugverbot über Deutschland waren am Wochenende allein rund 150.000 deutsche Pauschalurlauber betroffen. Für Zehntausende von ihren, die wegen der europaweiten Aschewolke aus dem isländischen Vulkan nicht nach Hause kommen, dürfte der Zwangsurlaub allmählich immer teurer werden: Ihnen wird nicht nur das Gehalt für die Fehltage gekürzt oder mit noch offenem Urlaub verrechnet.

Viele von ihnen müssen auch noch für Hotelübernachtungen zahlen und zusätzliche Kosten für die Rückreise befürchten. Der Grund: Immer mehr Veranstalter kündigen nun die Reiseverträge mit ihren Gästen. Genaue Zahlen, wie viele ihrer Kunden weltweit gestrandet sind, nennen die Veranstalter nicht. Wichtig: Der Arbeitnehmer muss sich noch aus dem Urlaubsort beim Arbeitgeber melden und das Problem schildern.

Die meisten Urlauber sitzen auf Mallorca oder in Antalya fest

Deutschlands größter Reisekonzern Tui hat seinem Sprecher zufolge Gäste in einem deutlichen fünfstelligen Bereich, deren Übernachtungskosten der Konzern noch bis Montag übernimmt. Andere Veranstalter zahlten nur bis Sonntagabend.

Der größte Teil der Urlauber steckt nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in den klassischen Frühjahrszielen fest, beispielsweise auf der Ferieninsel Mallorca und im türkischen Badeort Antalya. Tui, das weltweit rund 100 Reiseziele anbietet, nennt zudem noch die Kanaren und Ägypten.

Pauschalreisende müssen für Zusatzkosten selbst aufkommen

Alle Pauschalreisende, deren Verträge von den Veranstaltern gekündigt werden, haben zwar weiterhin Anspruch auf einen Rückflug in die Heimat. Doch für die zusätzlichen Kosten, die dabei etwa für Umbuchungen oder Fahrten zu entfernten Flughäfen entstehen, müssen die Urlauber laut Gesetz zur Hälfte selbst aufkommen.

Glück im Unglück haben bislang Tui-Kunden, die der Konzern in einer einzigartigen europaweiten Aktion seit Sonntag kostenlos nach Hause holt. Wo immer möglich werden dazu Urlauber mit Flugzeugen oder Fähren zunächst aufs südeuropäische Festland geholt. Von dort geht es dann mit Bussen nonstop weiter nach Deutschland. Möglich wird dies durch den Einsatz mehrerer Fahrer pro Bus, die sich unterwegs abwechseln.

Schwerpunkt der Aktion war zunächst Mallorca, wo am Wochenende 2800 Tui-Gäste festsaßen. Von dort wurden 540 Urlauber nach Barcelona geflogen und am Sonntag in einen Buskonvoi gesetzt, der Montag Früh in Frankfurt ankommen sollte. Alle Reisende sollen dort ein Erste-Klasse-Ticket für die Heimreise mit der Bahn in die Hand gedrückt bekommen.

Die Herbergen in der Inselhauptstadt und an der Playa de Palma sind rappelvoll - mit Gästen, die ihren Inselaufenthalt zwangsweise wegen der gigantischen Vulkanaschewolke verlängern müssen. Findige Hoteliers teilen in der Abfertigungshalle von Palmas Flughafen fleißig Visitenkarten und Flugblätter aus. "Übernachtung für 20 Euro inklusive Frühstück", lautete das Dumpingangebot.

"Wir sitzen in der Mausefalle", berichtet entnervt ein deutscher Rentner, braungebrannt, mit seiner Frau im Schlepptau. Sie sollten eigentlich auch von Palma nach Barcelona, aufs spanische Festland ausgeflogen werden, um von dort mit dem Bus in die Heimat zu fahren. Doch das geht nach der Vollsperrung des Mallorca-Flughafens auch nicht mehr. Nur per Fähre konnte die spanische Küste noch erreicht werden, die Schiffe sind ausgebucht.

Deutsche Individualreisende, die irgendwo auf der Welt festsitzen, müssen sich nicht völlig alleine durchschlagen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wies am Sonntag alle deutschen Vertretungen an, Reisenden in einer Notlage konsularische Hilfe zu leisten und dieser Betreuung "höchste Priorität einzuräumen".

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