Ästuarenseepferchen
Seepferdchen, hier ein Ästuarenseepferchen (Hippocampus kuda), sind beim Futter sehr anspruchsvoll: Sie fressen am liebsten kleine Krebse und Garnelen. Foto: FLH/Heiko Blessin

Seepferdchen, hier ein Ästuarenseepferchen (Hippocampus kuda), sind beim Futter sehr anspruchsvoll: Sie fressen am liebsten kleine Krebse und Garnelen. Foto: FLH/Heiko Blessin

Seepferdchen wie diese Langschnauzen-Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) haben gerne viel Abwechslung im Aquarium: Am besten statten es Halter mit Korallen und lebenden Steinen aus. Foto: FLH/Heiko Blessin

Langschnauzen-Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) sind ein Hingucker im Aquarium. Anspuchslos sind die Tiere jedoch nicht. Foto: FLH/Heiko Blessin

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Seepferdchen, hier ein Ästuarenseepferchen (Hippocampus kuda), sind beim Futter sehr anspruchsvoll: Sie fressen am liebsten kleine Krebse und Garnelen. Foto: FLH/Heiko Blessin

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Seepferdchen im Aquarium sind hübsch anzusehen. Doch um die zarten Tiere zufriedenzustellen, müssen Halter einiges wissen. Starke Strömungen im Wasser mögen sie genauso wenig wie raumgreifende Pflanzen.

Sie sind farbenfroh und mit ihrem kleinen, pferdeähnlichen Kopf ein Hingucker: Etwa 100 verschiedene Arten gibt es von Seepferdchen. Weil die zu den Fischen gehörenden Tiere besonders hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellen und eigene Fressgewohnheiten haben, sollten sie aber nur von erfahrenen Aquarianern gehalten werden.

Denn ihre Haltung ist oft sehr aufwendig, sagt Bernd Silbermann von der Fördergemeinschaft Leben mit Heimtieren in Overath. «Zwergseepferdchen sollten in einem Becken gehalten werden, das mindestens 100 Liter fasst. Größere Arten brauchen dagegen Becken mit bis zu 250 Liter Volumen.» Nach oben gebe es keine Grenzen.

Auf die Ausstattung des Aquariums sollten Halter besonders großen Wert legen, rät Silbermann. Am besten bestücken sie es abwechslungsreich mit Korallen und lebenden Steinen. Spezielle Algenarten bieten sich an, damit die Tiere etwas zum Festhalten haben. Stark wurzelnde Pflanzen gehören dagegen nicht ins Becken, weil sich die Tiere daran verletzen könnten. Gleiches gilt für spitze Steine.

Für eine gute Wasserqualität braucht es hochwertige Filtergeräte, erklärt Jan Wolter vom Bundesverband praktizierender Tierärzte in Frankfurt am Main. Seepferdchen seien sensible Tiere, die auf jede Veränderung empfindlich reagieren. Deshalb rät Wolter von zu kräftigen Pumpen ab, weil sie eine starke Wasserströmung produzieren. «Für Seepferdchen, die in der Natur in strömungsarmen Gewässern leben, wären das keine guten Lebensbedingungen.»

Die Pumpe muss deshalb so eingerichtet werden, dass sie für möglichst wenig Strömung sorgt. Ein Eiweißabschäumer hilt dabei, dass sich die Wasserqualität durch Futterreste und Ausscheidungen nicht verschlechtert. Da Seepferdchen fast nichts vom Boden fressen, wird das Aquarium am besten mit Restevertilgern wie Einsiedlerkrebsen, kleinen bodenlebenden Grundeln und Schlangenseesternen bestückt, sagt Silbermann. Trotzdem müssten die Wasserwerte täglich kontrolliert werden, rät Wolter.

Auch beim Futter sind Seepferdchen anspruchsvoll, sagt Martin Hansel, biologischer Leiter des Sealife Aquariums in Berlin. So ernähren sie sich bevorzugt von lebenden Tieren wie kleinen Krebsen, Fischlarven und Garnelen. Auch Zooplankton macht sich gut auf dem Speiseplan.

«Die Tiere sind im Wasser sehr langsam unterwegs. Deshalb glauben viele, dass ihnen andere Fische das Futter wegfressen», sagt Silbermann. Das stimme allerdings nicht ganz. «Seepferdchen sind zwar sehr langsame Schwimmer, aber wenn es ums Futter geht, können sie schnell zuschnappen.» Trotzdem sollten Halter gerade bei kleineren Arten darauf achten, dass sie ausreichend Futter bekommen. «Wenn die Tiere bis zu anderthalb Stunden am Tag fressen können, sind sie satt - auch wenn sie mit anderen Fischen gemeinsam gehalten werden.»

Prinzipiell sollten Halter bei der Vergesellschaftung mit anderen Tieren die jeweiligen Fressgewohnheiten kennen und berücksichtigen, sagt Hansel.

Damit sich Seepferdchen fortpflanzen können, muss man mindestens ein Männchen und ein Weibchen gemeinsam halten. Die Fortpflanzung selbst sei spannend zu beobachten, sagt Silbermann. «Die Weibchen legen die Eier in der Brusttasche am Bauch des Männchens ab. Dort werden sie vom Männchen besamt», erklärt er den Ablauf.

Danach beginnt das Ausbrüten der Eier. Je nach Art dauert es zwischen 10 und 14 Tagen. Zum Gebären zieht sich das Männchen zurück und entlässt den geschlüpften Nachwuchs aus der Brusttasche. Weil die Kleinen besonderes Futter brauchen, müssen Halter auf die Ankunft der Babyseepferdchen vorbereitet sein, sagt Hansel. Am liebsten fressen sie speziell dafür gezüchtetes Zooplankton.

Weil Seepferdchen unter Artenschutz stehen, ist die Zucht und Haltung aller Arten meldepflichtig. Halter kommen deshalb nicht darum herum, ihren Bestand der zuständigen Naturschutzbehörde zu melden.

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