Wenn ein Mensch stirbt, sind nicht nur Angehörige betroffen. Auch Hunde leiden. Sie können aber auch Halt geben.

Wenn ein Mensch stirbt, sind nicht nur Angehörige betroffen. Auch Hunde leiden. Sie können aber auch Halt geben.
Hundetrainer Sebastian Schwerdt hilft Menschen dabei, das Verhalten ihrer Vierbeiner richtig zu interpretieren. Zusammen mit „Niu“ (Bluthund, links) bringt er anderen auch das „Mantrailing“ bei – die Suche nach vermissten Personen.

Hundetrainer Sebastian Schwerdt hilft Menschen dabei, das Verhalten ihrer Vierbeiner richtig zu interpretieren. Zusammen mit „Niu“ (Bluthund, links) bringt er anderen auch das „Mantrailing“ bei – die Suche nach vermissten Personen.

Dirk Jochmann

Hundetrainer Sebastian Schwerdt hilft Menschen dabei, das Verhalten ihrer Vierbeiner richtig zu interpretieren. Zusammen mit „Niu“ (Bluthund, links) bringt er anderen auch das „Mantrailing“ bei – die Suche nach vermissten Personen.

Düsseldorf. „Durch die Hunde war ich gezwungen weiterzumachen“, sagt Renate Leijnse. Die Tiere haben der 61-Jährigen geholfen, mit dem Tod ihres Mannes umzugehen. Im September 2013 bekam Eric Leijnse die Diagnose Krebs. Im darauffolgenden Mai verstarb er. „Ich komme gut alleine zurecht, aber auch nach deieinhalb Jahren gibt es natürlich Momente, in denen es immer noch schwer ist“, sagt Leijnse. Dann würden vor allem gute Freunde helfen. Und ein Vierbeiner, den sie nach dem Tod ihres Mannes fast abgegeben hätte.

„Boogy“ ist ein Hovawart (alte deutsche Gebrauchshunderasse) und wird im November sechs Jahre alt. „Der Hund war von der Geburt an sein Augenstern, sie hatten eine sehr enge Beziehung“, erzählt Leijnse.

Nachdem ihr Mann gestorben war, habe sie überlegt, den Rüden wegen dem Aufwand abzugeben. „Ich habe es dann aber nicht über das Herz gebracht, weil mein Mann den Hund so geliebt hat“, sagt die 61-Jährige. „Wie Menschen gehen auch Hunde sehr unterschiedlich mit dem Tod eines Menschen um“, erklärt Hundetrainer und Verhaltensberater Sebastian Schwerdt: „Es hängt vom Hundetyp, von der Rasse und von der Beziehung zum Herrchen ab“, sagt Schwerdt. Letzteres konnte auch Renate Leijnse beobachten. „Boogy hat noch drei Monate nach dem Tod meines Mannes wie immer auf ihn gewartet.“ Einer anderen Hündin aus ihrer Zucht, die schon immer eine engere Beziehung zu der 61-Jährigen hatte, habe sie fast gar nichts angemerkt.

Bei einem Hund, der in einer großen Familie lebt und viele verschiedene Bezugspersonen hat, könne es anders aussehen. Wenn dort jemand stirbt, sei der Verlust für das Tier im Vergleich nicht so schlimm, weil sein gewohntes soziales Umfeld noch intakt ist, erklärt Hundetrainer Sebastian Schwerdt.

Jeder Hund reagiert anders auf einen Todesfall

Der Hundetrainer betont, dass es sehr unterschiedliche Hundetypen gibt. Daher sei es schwer bestimmten Rassen, bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Generell gebe es Tiere, die eher „offen“ sind und sich schneller auf neue Bezugspersonen einlassen können. Im Fall einer großen Familie würde ein solcher Hund die Nähe anderer Bezugspersonen suchen. Andere Hunde neigen dagegen eher zur Zurückhaltung. Sie suchen sich beispielsweise auch in einer großen Familie eine feste Bezugsperson. Wenn diese versterben würde, würde sich der Hund tendenziell eher zurückziehen und habe größere Schwierigkeiten mit der neuen Situation.

Renate Leijnse und „Boogy“ mussten sich „zusammenraufen“, was nicht immer einfach gewesen sei. Es habe Momente gegeben, in denen die 61-Jährige regelrecht sauer auf die Hunde gewesen sei. Denn egal wie überfordert Leijnse zwischenzeitlich gewesen ist, „die Hunde fordern ihr Rechte ein, schließlich wird ihr täglicher Ablauf durch den Tod nicht verändert.“ Neben Gassi gehen und Fressen geben hatte ihr Mann mit „Boogy“ beispielsweise auch regelmäßig wild getobt. „Das war ein Ritual, das ich bei einem 44-Kilo-Rüden nicht ersetzen konnte“, sagt Leijnse. Besonders am Anfang habe Renate Leijnse gemerkt, dass „Boogy“ sich noch umgewöhnen muss. In verschiedenen Alltagssituationen habe sie der Rüde angeschaut, als würde er fragen: „Was hast du mir denn zu sagen?“ Renate Leijnse ist froh, dass sie „Boogy“ nicht abgegeben hat. Im Rückblick war der Hund auch eine Art Halt für sie. Er habe sie davor bewahrt, in schwierigen Zeiten „in ein Loch“ zu fallen. Schließlich haben die Tiere ihre täglichen Bedürfnisse.

„Man muss dann funktionieren, die Hunde können schließlich nichts dafür. „Hunde sind emphatisch und leiden, wenn zum Beispiel eine enge Bezugsperson stirbt. Aber sie leben viel mehr im Hier und Jetzt als wir.“ Den Tieren könne es helfen, „so schnell wie möglich weiterzumachen wie bisher. Das kann auch den Menschen helfen“, so Sebastian Schwerdt. Das heiße nicht, dass Hunde ihre Herrchen vergessen würden.

Wenn Renate Leijnse einen Koffer ihres Mannes hervorholt, wedelt „Boogy“ wie wild mit dem Schwanz. „So ein Hund bringt nach dem Tod des Partners auch viele positive Erinnerungen zurück. Die ganze Situation hat uns zusammengeschweißt“, sagt sie.

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