Die traditionelle Erdbestattung ist nicht mehr die einzige Möglichkeit. Wer etwas anderes will, findet heute auch alternative Angebote.

Die traditionelle Erdbestattung ist nicht mehr die einzige Möglichkeit. Wer etwas anderes will, findet heute auch alternative Angebote.
In Deutschland ist eine Bestattung in Binnengewässern nicht erlaubt, auf der Schweizer Seite des Bodensees zum Beispiel schon.

In Deutschland ist eine Bestattung in Binnengewässern nicht erlaubt, auf der Schweizer Seite des Bodensees zum Beispiel schon.

Felix Kästle/dpa

In Deutschland ist eine Bestattung in Binnengewässern nicht erlaubt, auf der Schweizer Seite des Bodensees zum Beispiel schon.

Wer im Leben jede freie Minute auf seinem Segelboot verbracht hat, will vielleicht auch nach dem Tod dem Meer verbunden bleiben. Naturverbundene Menschen wünschen sich ein Grab unter einem Baum. Neben der traditionellen Beerdigung auf einem Friedhof entwickeln sich inzwischen neue Formen der Bestattung.

Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, nennt das einen „Wandlungsschub“. Bestattungen werden individueller. Möglich wird das durch die immer größere Verbreitung der Feuerbestattung, die mehr Möglichkeiten für den Umgang mit den sterblichen Überresten eröffnet. Immer beliebter werden Baum- oder Waldbestattungen.

Dabei wird die Urne im Wurzelbereich eines Baums vergraben, die Natur übernimmt die Grabpflege. Hans-Werner Möller vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen in Wuppertal kennt Menschen, die sich zu viert einen gemeinsamen Baum ausgesucht haben. Es gibt neue Friedhofswälder, aber auch bestehende Friedhöfe bieten inzwischen Baumbestattungen an. Auf einigen Friedhöfen besteht auch die Möglichkeit, die Asche auf einer dafür bestimmten Wiese zu verstreuen. Bei Seebestattungen wird die wasserlösliche Urne mit einer kleinen Zeremonie im Meer versenkt.

Das kann anonym geschehen oder mit Begleitung von Angehörigen und Freunden, mit denen dann eine Trauerfeier auf dem Boot stattfindet. Eine Bestattung in Binnengewässern ist in Deutschland nicht möglich, aber zum Beispiel in den Niederlanden. Das Wuppertaler Unternehmen „Flussbestattungen“ bietet Bestattungen in der Maas an. Im Nachbarland sind auch noch andere Formen möglich.

Christian Deimel vom Wuppertaler Institut Kirschbaum Bestattungen hat viele Kunden mit ungewöhnlichen Wünschen. „Die Niederlande sind ein Land ohne Bestattungszwang“, erklärt er. „Ich hatte schon Bestattungen, bei denen die Asche am Lieblingsstrand des Verstorbenen verstreut wurde.“ Auch das Verstreuen in den Schweizer Alpen oder von einem Ballon aus werde angeboten, berichtet Hans-Werner Möller.

Das Erbrecht ist im fünften Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches geregelt. Das BGB wurde 1896 ausgearbeitet und trat 1900 in Kraft. Das Erbrecht wurde im Vergleich zu anderen Gesetzen deutlich weniger geändert. Deshalb finden sich auch Begriffe wie „versilbern“ darin.

Das Erbrecht ist ein Familienerbrecht, das heißt, ohne abweichende Verfügung des Verstorbenen geht sein Vermögen auf seine Familie über, nämlich seinen Ehegatten und seine nächsten Verwandten, eingeteilt in verschiedene Ordnungen. Falls das Testament den Ehepartner, die Kinder oder die Eltern vom Erbe ausschließt, steht diesen ein Pflichtteil zu. Diese Ansprüche sind häufig Grund für Streit.

Ganz exotisch sind das Pressen eines Diamanten aus der Asche oder das Transportieren der Asche in den Weltraum. Das kostet jeweils viel Geld. Nach dem Verstreuen der Asche, aber auch nach dem Versenken der Urne im Fluss oder Meer gibt keinen Ort, der als Grab erkennbar ist. Das entspricht einem weiteren Trend - dem zur anonymen Bestattung, für die es auch auf Friedhöfen eigene Bereiche gibt. Manche Menschen wollen nicht, dass Angehörige mit der Grabpflege belastet werden.

Anderen bleibt nichts anderes übrig, weil sie sich nichts anderes leisten können. Doch Hans-Werner Möller rät den Kunden oft davon ab. Denn er hat häufig erlebt, dass Angehörige nach einer Weile nachfragen, ob sich nicht doch feststellen lasse, wo ihr Verstorbener liegt. Auch Christian Deimel weiß, dass viele Menschen einen „Anlaufpunkt“ für ihre Trauer brauchen. Er findet zudem, dass ein anonymes Grab den Verstorbenen ihre Wertigkeit nimmt.

In Zeiten von großer Mobilität ist die Grabpflege jedoch tatsächlich für viele ein Problem. Mit neuen Grabformen wollen Friedhöfe helfen: Pflegefreie Gemeinschaftsgrabanlagen werden zum Bespiel als Anlage gestaltet und gepflegt. Auch Urnen, die in sogenannten Kolumbarien im Fach einer Urnenwand stehen, brauchen keine weitere Pflege.

Auch Trauerfeiern verändern sich. „Mein Großvater ist noch in Gehrock und Zylinder auf den Friedhof gegangen“, so Möller. Inzwischen habe er schon Todesanzeigen gesehen, in denen um lockere Kleidung am Grab gebeten wurde. „Für meinen Großvater wäre es auch undenkbar gewesen, Musik von Frank Sinatra oder Helene Fischer bei einer Beerdigung zu hören.“

Auch Christian Deimel erlebt viele individuelle Feiern: „Da redet nicht ein Priester, sondern jemand aus der Familie oder ein freier Redner.“ Dazu gebe es eigene Musik und selbst gewählte Rituale wie das Anzünden von Kerzen. Und auch im Vorfeld könnten Angehörige individuelle Wege gehen und zum Beispiel Sarg oder Urne selbst gestalten.

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