Wenn im Freundes- oder Bekanntenkreis ein Angehöriger stirbt, wollen viele ihr Beileid ausdrücken. Das geht auf mehreren Wegen.

Wenn im Freundes- oder Bekanntenkreis ein Angehöriger stirbt, wollen viele ihr Beileid ausdrücken. Das geht auf mehreren Wegen.
Pfarrer Rainer Kemberg hat schon vielen Angehörigen in der Phase nach dem Tod ihrer Liebsten geholfen. Er ist Sprecher des Trauernetzwerkes von „Evangelisch in Düsseldorf“.

Pfarrer Rainer Kemberg hat schon vielen Angehörigen in der Phase nach dem Tod ihrer Liebsten geholfen. Er ist Sprecher des Trauernetzwerkes von „Evangelisch in Düsseldorf“.

Judith Michaelis

Pfarrer Rainer Kemberg hat schon vielen Angehörigen in der Phase nach dem Tod ihrer Liebsten geholfen. Er ist Sprecher des Trauernetzwerkes von „Evangelisch in Düsseldorf“.

Düsseldorf. Einen geliebten Angehörigen zu verlieren ist für viele Menschen ein harter Schlag – egal, ob man damit gerechnet hat oder nicht. Doch auch, wenn man jemanden kennt, der gerade einen Freund oder ein Familienmitglied verloren hat, kann das betroffen machen. Viele haben dann das Bedürfnis, ihr Beileid auszudrücken und mitzuteilen, dass man in dieser schweren Zeit der Trauer in Gedanken bei den Angehörigen ist. Doch wie verhält man sich am besten in solchen Situationen?

Der Düsseldorfer Pfarrer Rainer Kemberg hat Erfahrung mit Trauernden. Er ist Sprecher des Trauernetzwerkes von „Evangelisch in Düsseldorf“ und hat schon viele Menschen in dieser schwierigen Phase begleitet. Sein Eindruck ist: Den Trauernden ist die Anteilnahme ihres Umfelds wichtig. Man kann diese auf ganz verschiedenen Wegen ausdrücken.

„Eine Möglichkeit ist natürlich, direkt bei der Bestattung auf die Angehörigen zuzugehen“, sagt er. Dabei gehe es oftmals nicht um die Worte, die man wählt. Eine Geste, eine Umarmung oder ein Handschlag reichten oft aus. Kemberg beobachtet häufig, dass es bei so einer Geste bleibt.

Es kommt aber auch immer wieder vor, dass sich die Trauergäste bei den Hinterbliebenen erkundigten – auch danach, was passiert ist. „Vielen hilft es, diese Geschichte noch einmal zu erzählen“, sagt der Pfarrer. Grundsätzlich solle man sich auch die Frage stellen, aus welchem Grund man zu einem Begräbnis geht. Hatte man etwa eine Verbindung zum Verstorbenen? Oder vielleicht eher zu den Angehörigen und möchte bei der Beerdigung Trost spenden?

Aber auch, wenn man nicht an der Bestattung teilnimmt, gibt es Gelegenheiten, seine Anteilnahme mitzuteilen – persönlich oder schriftlich. „Mittlerweile sieht man auch in den sozialen Medien oft, dass Leute ihr Beileid auf den Profilen Verstorbener ausdrücken“, sagt Kemberg. Auch einen Brief oder eine Kondolenzkarte nutzten viele, um deutlich zu machen: Ich bin mit dir traurig. „Je nachdem, welche Art auf die Trauernden zuzugehen einem im speziellen Fall passend erscheint.“ Je nachdem, wie intensiv die Beziehung ist oder war.

Der Umgang mit Hinterbliebenen nach dem Tod eines Angehörigen unterscheidet sich zwischen den Religionen kaum. „Im Muslimischen ist es eher unüblich, eine Traueranzeige zu schalten“, sagt Rachid Allaoui. Er leitet ein muslimisches Bestattungshaus in Düsseldorf. So bekommen die weiter entfernten Bekannten einen Todesfall nicht immer mit. Den Angehörigen sein Beileid auszudrücken, ist aber auch unter Muslimen üblich.

Pfarrer Rainer Kemberg

Ähnlich sieht es bei jüdischen Familien aus. „Hier läuft es aber umgekehrt“, sagt Michael Gilad, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Krefeld. Während es bei Christen oft üblich ist, nach der Bestattung gemeinsam in ein Restaurant oder Café zum „Leichenschmaus“ zu gehen, kehrt die Familie eines jüdischen Verstorbenen nach Hause zurück und empfängt dort die Bekannten und Verwandten, die Anteil nehmen wollen. Tradition ist hier das „Schiwa sitzen“. Schiwa bedeutet sieben. Die Familie eines Verstorbenen bleibt sieben Tage zu Hause, um angemessen zu trauern. „Nachbarn, Freunde, Verwandte oder Kollegen können dann zu Besuch kommen, bringen normalerweise etwas zu Essen mit und können so ihr Mitgefühl ausdrücken“, sagt Gilad. Auch Menschen, die der Verstorbene oder die Familie schon länger nicht gesehen hat, seien hierzu eingeladen.

Das sieht auch Pfarrer Rainer Kemberg so. Auch wenn man vielleicht Scheu empfindet, man sich fragt, ob man Angehörigen oder Verstorbenen nah genug stand, um nun Kontakt aufzunehmen oder es Konflikte in der Vergangenheit gab, empfiehlt er in vielen Fällen, dies zu tun. „Der Tod kann auch verbinden“, sagt er. Über so einen Verlust zu sprechen kann ein erster Schritt sein, wieder aufeinander zu zu gehen.

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