Fonds oder Festgeld? Wie Erspartes am besten vermehrt wird, hängt von der Lebenssituation des Sparers ab.

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Jeder Anleger sollte stets eine Liquiditätsreserve von drei Nettogehältern halten.

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Düsseldorf. Viele Deutsche haben derzeit ein Luxus-Problem: Was tun mit dem Ersparten, der fälligen Lebensversicherung, dem geerbten Geld?

In Zeiten von Superniedrigzinsen ist die Frage nicht so leicht zu beantworten – und hängt wesentlich mit Alter, Lebenssituation, Zielen und Risikobereitschaft zusammen.

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Jeder Anleger sollte stets eine Liquiditätsreserve von drei Nettogehältern halten.

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Jeder Anleger sollte stets eine Liquiditätsreserve von drei Nettogehältern halten.

„Hilfe! Ich habe 50 000 Euro geerbt.“ Solche Anrufe erreichen Geldanlage-Ratgeber in den vergangenen Monaten häufig.

Viele Menschen können vom unerwarteten Geldsegen nur träumen. Doch wer plötzlich eine stattliche Summe so anlegen möchte, dass daraus auch nach Abzug der Inflationsrate noch etwas herauskommt, der kann dabei ins Schwitzen kommen.

 Wenn die Zukunft noch ungewiss ist

Vor allem dann, wenn der Neuanleger sich über seine Lebenssituation und die Ziele in den kommenden Jahren nicht so recht im Klaren ist.

Ausgangsbasis der folgenden Musterrechnung sind drei typische Lebenssituationen – in drei typischen Altersgruppen. Da sind: Simona, 23: Sie lebt noch allein, ist Marketing-Assistentin in der Niederlassung eines Autoherstellers – und gespannt auf das, was das Leben noch bringt – und ein bisschen ängstlich. Manchmal ist am Ende des Gehaltes noch zu viel Monat übrig.

 Erst an die Reserve denken

Wolfgang, 41: Der Ingenieur lebt mit Frau und einem Kind in einem Reihenhaus am Rand einer Großstadt. Eine Lebensversicherung hat er und schon 30 000 Euro seiner 150 000-Euro-Baufinanzierung abbezahlt.

Sieglinde, 59: Sie arbeitet als Fachverkäuferin in einem Kaufhaus, Ehemann Dieter ist schon in Rente, die Mietwohnung in Wuppertal ist ein Schnäppchen. Die Kinder stehen auf eigenen Beinen. Drei Menschen, drei Lebensphasen – und dreimal Geldsegen. Ausgestattet werden die drei Muster-Sparer mit 10 000, 50 000 und 100 000 Euro.

Auch wenn Simona, Wolfgang und Sieglinde über die gleiche Summe verfügen, eignen sich nicht für alle die gleichen Anlage-Möglichkeiten. Warum ist das so? Ganz einfach: Weil die Lebensphasen sehr unterschiedlich sind.

Wer wie Simona am Anfang des Berufslebens steht, der hat in der Regel kaum Erspartes. Die alte Faustregel: drei Monatsgehälter in ständig verfügbarer Reserve halten. Das kann sich Simona erst einmal mit einem Teil des Geldsegens erfüllen.

Auf einem guten Tagesgeld-Konto verzinst sich der Notgroschen zumindest höher als die Inflationsrate. Ihr Vorteil: Sie kann noch einige Jahrzehnte bis zur Rente sparen. Denn wenn sie jetzt schon in Festgeld anlegt, macht der Zinseszins-Effekt sie über die Jahrzehnte automatisch reicher.

Noch deutlicher schlägt sich die Rendite auf das bereits Ersparte bei einer Investition in solide Fonds nieder. Im Schnitt über die vergangenen 20 Jahre waren dabei etwa bei einer Investition in einen Fonds auf den Deutschen Aktienindex (Dax) Jahr für Jahr mehr als fünf Prozent Rendite drin – Verlustjahre mit eingerechnet.

Auch für Familienvater Wolfgang lohnt sich deswegen bei den höheren Summen die Investition in so ein Papier als Beimischung. Er kann aber in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase besonders effektiv sparen, indem er seine Immobilie entschuldet. Durch Sondertilgungen. Die bringen Jahr für Jahr geringere Zinslasten und eine schnellere Abzahlung. So ist seine Familie schon vor dem Ruhestand schuldenfrei.

Sieglinde schließlich legt ebenfalls Geld für den Notgroschen zurück – oder unerwartete größere Ausgaben, etwa eine neue Waschmaschine. Mit Blick auf den Ruhestand spart Sieglinde bei größerem Geldsegen solide mit Festgeld, das ihr vielleicht sogar den vorgezogenen Ruhestand ermöglicht.

Und bei einer ganz hohen Summe, etwa nach einer Erbschaft, kann ein Viertel der Summe durchaus auch in ein Aktien-Investment gehen. Ein solides, versteht sich. Sieglinde beispielsweise hat sich vorher über Fonds informiert, die in deutsche Werte mit hohen Dividenden anlegen – und im Schnitt der vergangenen zehn Jahre mehr als sechs Prozent Rendite eingefahren haben.

 Vermögen aus kleinen Summen

Das sollten Anleger berücksichtigen: Sie sollten wissen, für welche Lebenssituation sie vorsorgen wollen – und wie lange. Zweitens: Mit einem kleineren Teil des Geldes kann auch ein überschaubares Risiko eingegangen werden – und so mehr Rendite erzielt werden.

Drittens: Schulden abzubauen ist gegenwärtig eine sehr effiziente Geldanlage. Und schließlich: Wer keine hohen Einmalzahlungen zu erwarten hat, kann auch mit regelmäßigen kleineren Summen, die in Geldanlagen mit guter Rendite gesteckt werden, nach längerer Zeit ein großes Vermögen ansparen.

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