Die Ringelblume sät man einmal und entdeckt sie an den verschiedenen Stellen im Garten später wieder. Foto: Andrea Warnecke
Die Ringelblume sät man einmal und entdeckt sie an den verschiedenen Stellen im Garten später wieder. Foto: Andrea Warnecke

Die Ringelblume sät man einmal und entdeckt sie an den verschiedenen Stellen im Garten später wieder. Foto: Andrea Warnecke

Der Frauenmantel breitet sich gerne aus - aber bleibt gleichzeitig auch an seinem Standort. Foto: Andrea Warnecke

Auch kurzlebige Stauden wie die Akelei gehören zu den Vagabunden, die sich selbst aussäen. Foto: Andrea Warnecke

Der Fingerhut breitet sich im Schatten rasch aus. Foto: Hilke Segbers

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Die Ringelblume sät man einmal und entdeckt sie an den verschiedenen Stellen im Garten später wieder. Foto: Andrea Warnecke

Wuppertal (dpa/tmn) - Der Wind, spielende Hunde und Schuhsohlen haben in den vergangenen Monaten Samen verbreitet - und jetzt finden Hobbygärtner überall dort kleine Sämlinge, wo sie nicht sein sollten.

Ist der Garten im Winter kahl, findet der Hobbygärtner einige Überraschungen: In mancher Lücke im Beet haben sich Sämlinge prächtig entwickelt. Das können Wildkräuter sein. Vielleicht haben sich aber auch Vagabunden aus den Blumenbeeten breitgemacht - also solche Pflanzen, die sich immer wieder durch Aussaat weitervermehren.

«Es sind vor allem ein- und zweijährige Gartenblumen, die überreiche Mengen an Samen in die Umwelt schicken», sagt Anja Maubach, Diplomingenieurin der Landespflege aus Wuppertal. Jungfer im Grünen, Ringelblumen, Spanisches Gänseblümchen und Purpur-Leinkraut sind Beispiele. Hin und wieder säen sich auch kurzlebige Stauden wie Akeleien, Königskerzen und Fingerhut so aus.

«Für mich sind diese Blumen Füllpflanzen», sagt Prof. Cassian Schmidt, Gartenleiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim. «Ich bezeichne sie gerne als Blender.» Damit meint er, dass sich diese Pflanzen am Anfang sehr schnell entwickeln und daher auch optisch im Vordergrund stehen. Sie verfolgen die ruderale Strategie: Sie passen sich leicht an die Standorte an. Später verschwinden sie, werden verdrängt und tauchen an einer anderen Stelle wieder auf.

Hobbygärtner können dieses Schauspiel initiieren: «Man kann diese Dynamiker im Staudenbeet einfach in die Lücken säen», erläutert Schmidt. Maubach empfiehlt, ein bis zwei Pflanzen quasi als Einladung zu pflanzen und sich dann überraschen zu lassen, was passiert. Aber sie betont: «Man kann die Vagabunden nicht fest einplanen.»

Sie verbreiten sich auf unterschiedliche Art: «Sie können mit dem Wind im Garten verteilt werden oder lassen sich tatsächlich wie ein Vagabund huckepack von Wasser, Tieren, Schuhsohlen oder dem Besen an eine andere Stelle im Garten bringen», erläutert Maubach. Das hohe Eisenkraut ist besonders gewitzt: Es taucht erst im zweiten Jahr nach der Pflanzung irgendwo auf.

«Zum Keimen benötigen die Pflanzen offenen Boden und Licht», erläutert Cassian Schmidt. Meist bilden die Pflanzen Pfahlwurzeln, also senkrecht nach unten wachsende Wurzeln. Damit können sie nur im Jugendstadium umgepflanzt werden.

«Wenn ich mir für ein Beet eine Ordnung überlegt habe, dann setze ich die Vagabunden ganz gezielt dafür ein, dass sie die Ordnung wieder durcheinanderbringen», erläutert Maubach. Und wird es zu viel des Guten, dann sieht sie sich als Regisseurin: «Ich kann Sämlinge ausziehen und umpflanzen, oder die Samenbildung unterbinden», führt sie aus. Schmidt verwendet die Gartenblumen vor allem unter zwei Gesichtspunkten: «Zum einen sind es Lückenfüller, wenn ein Staudenbeet frisch gepflanzt ist, sagt der Gartenleiter. «Und zum anderen verdrängen sie Unkräuter.»

Außerdem rät er Besitzern von Neubauten, die Vagabunden gezielt auf der Brachfläche zu säen, wenn man noch keine Entscheidung über eine endgültige Gestaltung des Gartens gefällt hat. Sie geben die Samen einfach locker über die ganze Fläche, so dass ein wiesenartiger Eindruck entsteht.

Für sonnige Staudenbeete empfiehlt Schmidt das rotblühende Prachtlein, das Rundblättrige Hasenohr, Marokkanisches Leinkraut, die Jungfer im Grünen, Königskerzen und Muskatellersalbei. Im Hochsommer machen sich kleinblumige Zinnien, der Oktober-Sonnenhut und das Mädchenauge gut. Im Halbschatten breiten sich rasch Fingerhut und Akelei aus. «Und wenn es richtig schattig ist, dann kann man sicher sein, dass der Wald-Scheinmohn sich stets ein geeignetes Plätzchen sucht», sagt Schmidt.

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