Nürnberg (dpa) - Aufreißen und ab in den Müll - Verpackungen, vor allem wenn sie übertrieben aufwendig ausfallen, erscheinen vielen Verbrauchern als Ärgernis. Die Branche betont, inzwischen gehe der Trend zu weniger Material.

Hauchdünne Schutzfolien, federleichte Joghurtbecher und Mineralwasserflaschen, die dank Direktaufdruck ohne Papieretikett auskommen - die wachsende Umwelt-Sensibilität der Verbraucher bringt auch die deutsche Verpackungsindustrie unter Druck und lässt sie über umweltfreundlichere Verpackungen nachdenken. «Sparsamer Materialeinsatz» ist dabei das Motto, mit dem die Branche die Kritik von Umweltschützern an den wachsenden Müllbergen zu kontern versucht.

Dabei fühlt sich die Branche zu Unrecht als großer Müllverursacher gebrandmarkt. Schließlich sei Verpackungsmaterial an dem im Jahr 2011 in Deutschland angefallenen Abfall von 387 Millionen Tonnen nur zu vier Prozent beteiligt, rechnen die Veranstalter der internationalen Verpackungsmesse FachPack vor. Der meiste Müll falle bei Bau- und Abbrucharbeiten an - nämlich 52 Prozent.

Für den Geschäftsführer des Deutschen Verpackungsinstituts (DVI), Winfried Batzke, zahlt sich inzwischen aus, dass - so seine Einschätzung - immer mehr Unternehmen bei Verpackungen auf sparsamen Materialeinsatz setzten. Das spare nicht nur Material, sondern dank geringeren Gewichts auch Transportkosten und Energie. Getränkedosen seien inzwischen dünnwandiger, PET-Flaschen für Wasser und Limonaden leichter, neuartige Folien nur noch halb so dick. «Dadurch haben wir heutzutage weniger Verpackung pro Produkte als früher», betont Batzke.

Als Beispiel für diesen Trend nennt Batzke die Wiederkehr des bereits totgeglaubten Plastik-Milchbeutels. Vorreiter sei die niedersächsische Hofmolkerei Hemme-Milch, berichtet der Chef des Verpackungsinstituts, das sich unter anderem um eine Verbesserung von Verpackungen bemüht. Die Molkerei bietet seit einiger Zeit einen standfesten Milchbeutel mit Griff an - die Milch kann so ohne zusätzliches Gefäß serviert werden. Das Abfallvolumen sei trotzdem um 66 Prozent geringer als bei Milchkartons, berichtet die Molkerei auf ihrer Internetseite.

Dass die Verpackungsmenge - auch bei Lebensmitteln - dennoch zugenommen hat, bestreitet Batzke nicht. Die Gründe dafür seien vielfältig. «Das liegt auch daran, dass Verpackungen immer mehr Funktionen erfüllen müssen. Eine Verpackung enthält heute Angaben über die Inhaltsstoffe eines Lebensmittels, Hinweise zur Entsorgung und meist auch auf eine Hersteller-Hotline, bei der sich der Verbraucher näher informieren kann. Da kann es schon passieren, dass ein Joghurt-Hersteller um seinen Sechserpack noch eine Banderole drumlegt, nur um Platz für diese Informationen zu schaffen», erläutert der Institutschef.

Manche Produkte würden nach Einschätzung des Branchenvertreters in der Fülle der Produkte aufgrund ihrer Form oder geringen Größe untergehen. «Denken Sie an eine Zahnbürste. Die würden sie gar nicht finden, wenn der Hersteller die Bürste nicht in eine auffällige Plastikverpackung steckt», gibt Batzke zu bedenken. Überhaupt, so räumt man in der Verpackungsbranche eher hinter vorgehaltener Hand ein, sei es oft der Handel, der Hersteller und damit auch die Verpackungsproduzenten zu aufwendigeren Verpackungen ermuntere. Der Handel wolle schließlich verkaufen - und dabei setze er auf Produkte, die schon wegen ihrer Verpackung Begehrlichkeiten schafften.

Batzke sieht den Verbraucher in einer gewissen Mitverantwortung, wenn es um das Thema «überflüssige Verpackung» gehe. Für die meisten Konsumenten sei die Verpackung kaufentscheidend. Und schließlich könne sich auch die Verpackungsindustrie gewissen gesellschaftlichen Trends nicht verschließen. «Da ist zum einen der To-Go-Trend - der Trend, Produkte überall und bei jeder Gelegenheit verzehren zu können» erläutert DVI-Vorstandsmitglied Burkhard Lingenberg. Dann gebe es noch die wachsende Zahl von Single-Haushalten. Kleinere Produkteinheiten bedeuteten in der Summe mehr Verpackung.

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