Die Christrose
Die Christrose steht am liebsten draußen - auch im tiefsten Winter.

Die Christrose steht am liebsten draußen - auch im tiefsten Winter.

GMH/dpa/tmn

Die Christrose steht am liebsten draußen - auch im tiefsten Winter.

Stuttgart (dpa/tmn) - Weil die Christrose um die Weihnachtszeit blüht, wurde sie lange Zeit als Orakel benutzt. Dabei hilft ihr ein simpler biochemischer Vorgang nicht zu Erfrieren. Und so blüht sie konkurrenzlos um die Weihnachtszeit.

Die Christrose umgibt eine geheimnisvolle Aura, weil sie inmitten von Eis und Schnee erblüht, wenn andere Pflanzen in winterliche Ruhe fallen. «Schön bist du, Kind des Mondes....» dichtete Eduard Mörike über die Christrose, die uns zur winterlichen Jahreszeit mit ihren reinweißen Blüten und immergrünen handförmig geteilten Blättern erfreut. Die Staudenpflanze ist auch unter dem Namen Schneerose bekannt.

Die Eigenschaft, im Winter zu blühen, «hat die Christrose aus der Eiszeit», erläutert Manfred Geywitz vom Württembergischen Gärtnereiverband in Stuttgart. Sie könne den Druck in ihren Zellen absenken. Dadurch nehme die Pflanze einen Teil des Wassers aus Blatt und Blüte auf osmotischem Wege in die Wurzel zurück - und kann so nicht erfrieren. Die robuste winterharte Staudenpflanze hält deshalb Temperaturen von minus 20 Grad stand und blüht bis in den März hinein.

Durch die ungewöhnliche Blütezeit gelangte die Christrose zum Ruf einer Orakelblume - besonders auf dem Land. Bauern stellten früher an den zwölf Tagen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag zwölf Blütenknospen der Christrose (Helleborus niger) in ein Wasserglas. Jede einzelne Blüte stand für einen Monat, das dazugehörige Wetter des kommenden Jahres und für Glück oder Unglück. Offene Blüten versprachen gutes Wetter, geschlossene Blüten schlechtes Wetter beziehungsweise Glück oder Unglück, was mit einer guten oder schlechten Ernte einhergehen sollte.

Allerdings kann dieses Orakel nach Angaben des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) in Bonn auch beeinflusst werden: Sind die Christrosen-Stängel nicht sorgfältig abgeschnitten, verstopfen die Leitungsbahnen und die Knospen öffnen sich nicht. Nach dem Anschneiden empfiehlt es sich daher, die Stängel rundum mit einer Nadel anzustechen. «Ein zwei Zentimeter langer Schlitz am Stängelende und alle fünf Tage frisches Wasser lässt Schnittchristrosen bis zu drei Wochen in der warmen Wohnung halten», ergänzt Geywitz.

Beim Kauf eines Christrosen-Topfes sollte Folgendes beachtet werden: «Eine gesunde Pflanze hat kräftiges grünes Laub und man sollte auch schon einige Knospen sehen», sagt Michael Legrand vom ZVG. Sie sei als Zimmerpflanze nicht unbedingt geeignet, könne aber ohne Probleme eine begrenzte Zeit in der Wohnung stehen.

«Stellt man eine Christrosenpflanze bei über 20 Grad ins Wohnzimmer quittieren das die meisten Sorten nach zwei Wochen mit gelben Blättern», sagt Geywitz. «Im Freiland kann sie bei idealen Verhältnissen mit Wintersonne und Sommerschatten unter einem laubabwerfenden Gehölz sogar bis zu 30 Jahre alt werden und 50 bis 60 Blüten treiben.»

Der Boden muss humusreich und kalkhaltig sein. Regelmäßig den Boden aufzulockern, schadet der Pflanze aber eher, weil das oberflächige Wurzelsystem zerstört werden kann. Besser ist es, dass herabfallende Laub als Mulchschicht um die Pflanze zu belassen, die den Boden gleichzeitig vor zu starker Austrocknung schützt.

Trotz des reinweißen Blütenkleides lautet der deutsche Name der klassischen Christrose «Schwarze Nieswurz». Er basiert auf der Tatsache, dass die zerriebenen Teile des getrockneten schwarzen Wurzelstockes zum Niesen reizt. «So wie man aus der Hagebutte Juckpulver herstellt, steht die Christrose für ein leichtes Niespulver», sagt Geywitz.

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