Messcontainer für Feinstaub
So sieht ein Messgerät für Feinstaub (vorn) und Stickstoffdioxid aus.

So sieht ein Messgerät für Feinstaub (vorn) und Stickstoffdioxid aus.

dpa

So sieht ein Messgerät für Feinstaub (vorn) und Stickstoffdioxid aus.

Dessau-Roßlau (dpa) - Dicke Luft in Deutschland: An mehr als der Hälfte der straßennahen Messstationen in Städten wurde 2010 der erlaubte Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid überschritten. Das geht aus einer ersten Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) hervor.

«Gerade beim Stickstoffdioxid besteht Handlungsbedarf», erklärte UBA-Präsident Jochen Flasbarth am Dienstag in Dessau-Roßlau. Der Grenzwert beim Stickstoffdioxid werde vor allem in Städten und Ballungsräumen nicht eingehalten - also dort, wo auch ein Großteil der Bevölkerung lebt.

Stickstoffoxide entstehen vor allem aus den Emissionen des Verkehrs sowie aus Verbrennungsprozessen in Industrie und Haushalten. 56 Prozent der straßennahen Stationen in Städten verzeichneten im Jahresmittel mehr als die erlaubten 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft.

Die Stickstoffdioxidbelastung in Deutschland sei 2010 ähnlich hoch gewesen wie im vergangenen Jahrzehnt. Auch Feinstaub sei weiter ein Problem für die Umwelt. Flasbarth forderte daher, die Umweltzonen - darin dürfen keine besonders umweltschädigenden Fahrzeuge fahren - konsequenter anzuwenden. Zudem forderte Flasbarth, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) noch mehr zu unterstützen. «Wer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV unterwegs ist, sorgt nicht nur für eine bessere Luftqualität, sondern sorgt auch für weniger Lärm», sagte Flasbarth.

Dem widerspricht Umweltmediziner Prof. David Groneberg. Umweltzonen in deutschen Städten hätten nicht den erhofften Erfolg, sagt er. Durchschnittlich sinke der Feinstaubgehalt in der Luft nach Einführung einer Umweltzone nur um drei Prozent, sagte der Umweltmediziner am Dienstag (1.2.) in Frankfurt. Er hatte die Feinstaubbelastung an verschiedenen Stellen von Berlin untersucht. Der Experte seit 2010 Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin an der Frankfurter Universität und erforscht schwerpunktmäßig die Feinstaubbelastung.

Frankfurt hatte 2008 das Stadtgebiet zur Umweltzone erklärt, seit einiger Zeit wird über eine Ausweitung auf das gesamte Rhein-Main-Gebiet diskutiert. Eine regional vergrößerte Umweltzone wirke sich aber nicht auf die Feinstaubbelastung im Stadtgebiet aus, sagte Groneberg. «Das hat keinen Effekt für die Kinder, die in Frankfurt wohnen.»

Der Feinstaubgehalt sei in unmittelbarer Nähe der Schadstoffquelle, zum Beispiel eines Autos, viel höher als wenige Meter weiter. «Geringe Entfernungen machen sehr viel aus», erläuterte Groneberg. Es könne schon helfen, wenn Anwohner einer stark befahrenen Straße ihr Schlafzimmer nach hinten legen. «Schon zehn oder 20 Meter können sehr viel ausmachen», rät Groneberg. Auch das Wetter spiele eine große Rolle: «Je größer die Windgeschwindigkeit, umso geringer die Feinstaubbelastung.»

Viel schädlicher als die Feinstaubbelastung im Freien ist laut Groneberg allerdings die Feinstaubbelastung in geschlossenen Räumen - vor allem durch Zigaretten. «Das Fenster zu einer stark befahrenen Straße zu öffnen, ist nicht so schädlich wie in der Wohnung zu rauchen», sagte Groneberg. Die Schadstoffwerte in verrauchten Zimmern seien wesentlich höher als an vielbefahrenen Hauptstraßen.

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