Schnell noch eine Solaranlage aufs Dach?
Schnell noch eine Solaranlage aufs Dach? Ob das lohnt, ist fraglich: Die Förderung wird gekürzt. Foto: Bernd Thissen

Schnell noch eine Solaranlage aufs Dach? Ob das lohnt, ist fraglich: Die Förderung wird gekürzt. Foto: Bernd Thissen

dpa

Schnell noch eine Solaranlage aufs Dach? Ob das lohnt, ist fraglich: Die Förderung wird gekürzt. Foto: Bernd Thissen

Berlin (dpa/tmn) - Das Bundeskabinett hat sich auf eine deutliche Kürzung der Solarförderung verständigt, die aber doch erst ab 1. April gelten soll. Viele Hausbesitzer fragen sich: Lohnt es sich noch, eine neue Anlage aufs Dach zu stellen? Hier die wichtigsten Antworten.

Die Reform bei der Solarförderung sieht je nach Anlagenart Kürzungen von 20 bis knapp 30 Prozent vor. Zunächst sollten die neuen Fördersätze bereits ab 9. März gelten, jetzt ist aus Gründen des Vertrauensschutzes der 1. April als Stichtag geplant. Die Details hängen von dem Gesetzentwurf ab, den Union und FDP diese Woche in den Bundestag einbringen werden. Viele Hausbesitzer fragen sich, ob es sich immer noch lohnt, eine neue Anlage auf das Dach zu stellen. Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was sind die Pläne der Politik?

Die Reform bei der Solarförderung sieht je nach Anlagenart Kürzungen von 20 bis knapp 30 Prozent vor. Die neuen Fördersätze sollen ab 1. April gelten. Für Verbraucher wohl am wichtigsten: Die Förderung von Strom aus kleinen Dachanlagen bis 10 Kilowatt sinkt von 24,43 auf nur noch 19,5 Cent je Kilowattstunde. Angesichts der massiv fallenden Modulpreise und zur Vermeidung von «Schlussverkäufen» vor Kürzungsstichtagen soll es ab 1. Mai zudem monatliche Kürzungen von 0,15 Cent je Kilowattstunde geben. Bei kleinen Dachanlagen werden von Januar 2013 an nur noch 85 Prozent des erzeugten Stroms vergütet; der Rest kann zum Eigenverbrauch genutzt werden. Der bisherige Eigenverbrauchsbonus entfällt.

Ist die Einspeisevergütung bald zu niedrig?

Es lohnt sich trotzdem noch - «auf jeden Fall», sagt Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Denn man spare grundsätzlich Energiekosten, wenn man hausgemachten Strom erst einmal selbst verbraucht. Krawinkel rät daher, nur die Überschüsse in das Netz einzuspeisen (was beim Eigenverbrauch zu beachten ist, hat der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) in einer Broschüre zusammengefasst). Außerdem sind die Preise für Photovoltaikanlagen seit einiger Zeit «dramatisch» gesunken, so Georg Kruhl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Dortmund. Der BSW hat ermittelt, dass fertig installierte Aufdach-Solarstromanlagen mit bis zu 100 Kilowatt-Peakleistung im vergangenen Jahr mehr als 58 Prozent billiger waren als fünf Jahre zuvor - das zeigt eine Grafik des BSW. Die Modulpreise liegen laut Krawinkel durchschnittlich derzeit bei 70 bis 80 Cent pro Kilowatt.

Lohnt es sich, noch schnell eine Anlage zu installieren?

Kommt der erste Einschnitt wie von der Bundesregierung beschlossen zum 1. April, bleibt für schnelle Aktionen wenig Zeit. Damit will die Bundesregierung «Schlussverkäufen» vorbeugen. Holger Krawinkel erwartet auch einen Preisanstieg bei den Anlagen in diesem kurzen Übergangszeitraum, in dem Verbraucher unbedingt noch zuschlagen möchten. Er rät Interessierten daher, mehr denn je die Preise einzelner Hersteller zu vergleichen und zu handeln. «Aber dabei immer auf gute Materialien und eine gute Beratung achten.»

Welche Faktoren sind ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit?

Ob sich eine Solarstromanlage auf dem Dach lohnt, hängt nicht allein von der Einspeisevergütung und dem Anlagenpreis, sondern vor allem von den örtlichen Bedingungen ab. Denn diese bestimmen, wie viel Strom am Standort überhaupt produziert werden kann und wie viel Vergütung in der Summe man bekommt.

An welchem Standort lohnt sich die Stromproduktion besonders?

Die Sonneneinstrahlung auf die Anlage variiert in Deutschland von Standort zu Standort stark. Das ist nicht grundsätzlich ein Nord-Südgefälle. Laut BSW erreichen Bremen und Hamburg, aber auch Orte in Rheinland-Pfalz im Jahr nur bis zu 950 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Hingegen können Anlagen in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns über 1050 erzielen, in Bayern sind stellenweise bis zu 1200 möglich. Die Werte für ganz Deutschland findet man auf der Website Solartechnikberater.de.

Wie sieht das optimale Dach aus?

«Es sollte möglichst nach Süden ausgerichtet sein», sagt Kruhl. «Bis 45 Grad Abweichung von der Südrichtung hat man nur geringe Einbußen.» Zeigt hingegen die Fläche nach Osten oder Westen, müsste mit Leistungseinbußen von bis zu 20 Prozent gerechnet werden. Der Neigungswinkel des Daches betrage optimalerweise 30 bis 50 Grad. Auf Flachdächern kommen die Anlagen auf entsprechend ausgerichtete Ständer. Daneben schränken Schatten durch Satellitenschüsseln, Schornsteine und Bäume die Stromproduktion stark ein. Auch sollte man für die Zukunft Baulücken auf Nachbargrundstücken in Blick haben.

Wie sicher ist meine Einspeisevergütung?

Wer eine Photovoltaikanlage installiert, bekommt die zum Zeitpunkt des Einstiegs festgeschriebene Vergütungshöhe garantiert für einen Zeitraum von 20 Jahren. Das sichert der Staat zu. Wer also bereits eine Anlage in Betrieb hat, muss keine Kürzungen befürchten. Wer seit Januar 2012 ans Netz gegangen ist, erhält 24,43 Cent je Kilowattstunde. Ab 1. April könnten es für Dachanlagen nur 19,5 Cent sein - über den genauen Zeitpunkt muss aber der Bundestag noch entscheiden. Ab 1. Mai soll diese Summe jeden Monat um 0,15 Cent weiter gekürzt werden. Wie viel man erwarten kann für seine Anlage, berechnet der BSW-Vergütungsrechner. Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage zu bestimmten Finanzierungskonditionen gibt ein Rechner des Umweltinstituts München.

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