Dieses Plusenergiehaus in Darmstadt produziert jährlich einen Energieüberschuss, der einer Pkw-Jahreslaufleistung von rund 20 000 Kilometern entspricht. Foto: Die Photodesigner
Dieses Plusenergiehaus in Darmstadt produziert jährlich einen Energieüberschuss, der einer Pkw-Jahreslaufleistung von rund 20 000 Kilometern entspricht. Foto: Die Photodesigner

Dieses Plusenergiehaus in Darmstadt produziert jährlich einen Energieüberschuss, der einer Pkw-Jahreslaufleistung von rund 20 000 Kilometern entspricht. Foto: Die Photodesigner

Dieses Gutshaus in Beelitz-Zauchwitz bekommt eine Außendämmung, eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer Lüftungsanlage, eine Flächenheizung und eine Photovoltaik-Anlage. Foto: dena/BAKA

In Darmstadt wurde 2012 zum ersten Mal ein Wohnhaus aus den 70er Jahren zum Plusenergiehaus umgebaut. Foto: Die Photodesigner

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Dieses Plusenergiehaus in Darmstadt produziert jährlich einen Energieüberschuss, der einer Pkw-Jahreslaufleistung von rund 20 000 Kilometern entspricht. Foto: Die Photodesigner

Darmstadt (dpa/tmn) - Ein Haus kostet viel Geld - auch im Unterhalt. Einen großen Anteil haben die Heiz- und Stromkosten. Alte Häuser können aber so umgebaut werden, dass sie mehr Energie erzeugen, als sie benötigen. Damit könnte etwa das Elektroauto betrieben werden.

Das Nullenergiehaus benötigt nicht mehr Energie, als es selber erzeugt. Das soll nach den Zielen der EU bei Neubauten zum Standard werden. Um hierzulande die Energiewende voranzutreiben, reicht das allerdings nicht aus. Der größte Teil des Energieverbrauchs entfällt nicht auf neue Gebäude, sondern auf den Bestand. Eine Lösung ist, diese zu Plusenergiehäusern zu sanieren. Diese erzeugen in der Jahresbilanz mehr Energie, als sie verbrauchen.

In Darmstadt wurde 2012 zum ersten Mal ein Wohnhaus aus den 70er Jahren zum Plusenergiehaus umgebaut. Ein Team um Karsten Ulrich Tichelmann, Professor für Tragwerksentwicklung und Bauphysik an der TU Darmstadt, entwickelte auf der Basis des über 40 Jahre alten Bestandsgebäudes das «Energie+Haus».

«Ein Plusenergie-Standard von Wohnhäusern im Bestand wird im Wesentlichen durch die Verbesserung der Wärmedämmung der Außenbauteile und die Umstellung auf ein regeneratives Energiekonzept erreicht», erklärt Prof. Tichelmann. Wärmeverluste werden verringert durch zusätzliche Dämmungen und Fenster mit hochwertiger Dreischeibenverglasung. Durch größere Scheiben und Flächenfenster im Dach kann mehr Sonnenlicht das Haus aufwärmen.

«Bei der Energieerzeugung hat sich für Wohnhäuser im Bestand die Wärmepumpentechnologie in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach bewährt», erläutert Tichelmann. Die Wärmepumpe wird mit Strom betrieben, den das Gebäude erzeugt. Flächenheizungen sorgen für warme Zimmer. «Für den Altbaubestand gibt es sehr gute Systeme mit einer niedrigen Aufbauhöhe, die auf bestehende Fußböden und Wände aufgebracht werden können», sagt der Professor.

Diese Sanierung macht ein Gebäude unabhängig von fossilen Brennstoffen wie Gas oder Erdöl. Es kann den Haushaltsstrom selbst erzeugen. «Die durchschnittlichen Kosten für Wärmeerzeugung, Wassererwärmung und Haushaltsstrom belaufen sich bei einem Wohnhaus für vier Personen auf etwa 2500 Euro im Jahr», rechnet Tichelmann vor. Legt man diesen Wert zugrunde, amortisieren sich die Kosten für die Sanierung eines Gebäudes mit dem Standard der heutigen Energieeinsparverordnung zum Plusenergiehaus nach zehn bis zwölf Jahren. Bei steigenden Energiepreisen sogar schneller. Der selbst erzeugte Strom kann dem öffentlichen Netz zur Verfügung gestellt werden. Oder Bewohner betreiben damit zum Beispiel ein Elektroauto.

«Wer den richtigen Fahrplan und das strategische Konzept hat, wird ohne erhebliche Mehrkosten im Vergleich zur regulären Altbausanierung auskommen», sagt Ulrich Zink, Architekt und Vorstandsvorsitzender des Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung (BAKA) in Berlin. Die Herausforderung ist laut Tichelmann eine architektonische: Die Sanierung zum Plusenergiestandard sei nur sinnvoll, wenn das Gebäude auch noch in den nächsten Jahrzehnten als attraktiver Wohnraum angenommen wird. Das kann etwa bei Nachkriegsbauten schwierig werden.

Und die Technik ist nicht alles. Die Bewohner müssen den Verbrauch von Elektrogeräten, Licht und Heizung genau kontrollieren. «Eine Plusenergiebilanz wird nur dann dauerhaft erreicht, wenn auch die Nutzer des Gebäudes beim effizienten Umgang mit der Energie mitwirken», sagt Viktor Grinewitschus, Professor für Technische Gebäudeausrüstung an der Hochschule Ruhr West. Er betreut ein derartiges Projekt in Neu-Ulm. Eine vorgebaute Fassade dämmt das Haus aus den 50er Jahren und bietet der Haustechnik Raum. «Eines ist sicher: Zukünftig werden noch ein Menge solcher Bestandsgebäude mit Plusenergiebilanz entstehen», prognostiziert Ulrich Zink.

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