Der Strompreis klettert auf Rekordhöhen - und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.
Der Strompreis klettert auf Rekordhöhen - und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

Der Strompreis klettert auf Rekordhöhen - und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

dpa

Der Strompreis klettert auf Rekordhöhen - und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht.

Berlin (dpa) - 200 Milliarden will die EU in die Stromnetze investieren - zahlen sollen die Verbraucher. Der Strompreis steigt und steigt, das bekommen Millionen Haushalte dieser Tage Schwarz auf Weiß. Der Ökoenergieausbau kostet, doch die Branche beschwört die Vorteile.

In diesen Tagen bekommen es mehr als 30 Millionen Haushalte in Deutschland Schwarz auf Weiß: Der Strompreis steigt auf Rekordhöhen. 722 Energieversorger erhöhen im ersten Quartal nach neuen Angaben des Verbraucherportals Verivox ihre Strompreise um durchschnittlich 7,2 Prozent, das bedeutet für einen Musterhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden Mehrkosten von rund 70 Euro im Jahr. Das Ende der Preisspirale ist das nicht.

Ist die Ökostromförderung Schuld an der Kostenexplosion?

Ja, aber unbeachtet bleibt oft der langfristige Nutzen - so schafft die Branche mit bereits 340 000 Jobs eine hohe Wertschöpfung. Nach neuen Zahlen des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) wurden 2010 durch mehr Ökostrom Importe fossiler Rohstoffe in Höhe von 7,4 Milliarden Euro vermieden. Und der BEE kritisiert, dass Kosten für Klima-, Umwelt-, und Gesundheitsschäden bei Kohle- und Atomstrom nicht eingepreist werden. Kosten für Atommülltransporte oder Klimaschäden sind über andere Wege meist vom Steuerzahler zu bezahlen. Zudem werden durch mehr Ökostrom gesunkene Einkaufspreise oft nicht 1:1 weitergegeben. Und durch mehr grüne Energie müssen weniger die für den Strompreis maßgeblichen teuren Kraftwerke ans Netz genommen werden. Derzeit kostet eine Kilowattstunde Strom mit Ökoumlage und Steuern, die 40 Prozent des Preises ausmachen, 26 Cent. Mit einer Kilowattstunde lässt sich eine Maschine Wäsche waschen.

Die Photovoltaik ist derzeit der Prügelknabe, warum?

Weil der Zubau viel zu schnell geht und der Nutzen fraglich ist. Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, Holger Krawinkel, betont, dass die Solarförderung bereits über 50 Prozent der Fördergelder ausmacht, bei recht wenig Stromertrag. «Bei mehr Windenergie wäre die Erhöhung der EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)-Umlage deutlich geringer ausgefallen.» Denn Windenergie erzielt fast Marktpreise und erhält geringere Einspeisevergütungen. Aber es ist dennoch ein Mythos, dass die Photovoltaik alleiniger Preistreiber ist. Die in ihrer Produktion bis auf Wasserkraft und Biomasse nicht planbare Ökoenergie erzielt an der Strombörse oft nur Ramschpreise, so wächst die Differenz zwischen an der Börse erzielten Preisen und Einspeisevergütung. Diese zahlen die Verbraucher mit der Ökoumlage, 2011 geschätzte 13,5 Milliarden Euro. Ein Mythos ist auch, es könne in naher Zukunft schon ohne den sehr billigen Atom- und Kohlestrom gehen - dann würden die Preise vollkommen aus dem Ruder laufen.

Wo kann die Reise bei den Preisen hingehen?

Krawinkel sagt, wenn man den Photovoltaik-Boom nicht in den Griff bekommt und zusätzlich Windanlagen auf See ans Netz gehen, könnte die EEG-Umlage bis 2015 auf 4,5 bis 6,5 Cent pro Kilowattstunde steigen. Das wären weitere Mehrkosten von über 50 Euro pro Jahr und Haushalt. Derzeit sind es 3,5 Cent pro Kilowattstunde, die zu berappen sind. Krawinkel rechnet aber auch wegen der Solarkürzungen um bis zu 24 Prozent bis 2012 eher mit einem Verharren auf dem jetzigen Niveau. Allerdings dürfte auch der anstehende Netzausbau in der EU - allein Deutschland soll bis 2020 rund 40 Milliarden Euro investieren - mit etwa 0,5 Cent pro Kilowattstunde für die Verbraucher zu Buche schlagen. Wenn der Netzausbau geschafft wird, dürften die Preise aber durch den europäischen Binnenmarkt mit mehr Wettbewerb wieder fallen.

Die Regierung will den Ökoanteil weiter steigern, ist dadurch nicht zwangsläufig mit immer höheren Strompreisen zu rechnen?

Nicht unbedingt. Im Erneuerbaren-Energien-Gesetz ist eine Art Kostenbremse verankert, zudem wird es bis 2012 reformiert. Und Strom aus Sonne und Wind wird mit jedem Jahr wirtschaftlicher, während Uran und Kohle wegen knapperer Ressourcen langfristig teurer werden. Verbraucherschützer Krawinkel betont mit Blick auf die Photovoltaik, die Hausbesitzern mit Solaranlagen schöne Renditen bringt, dass das Geld besser hätte eingesetzt werden können. Hätte man die sieben Milliarden, die die Solarförderung derzeit pro Jahr kostet, in mehr Energieeffizienz gesteckt, wäre der Klimaeffekt und die Einsparung fossiler Energierohstoffe wesentlich größer. Er denke da etwa an ein Prämienprogramm zum Austausch alter, stromfressender Kühlschränke.

Was kann der Verbraucher tun?

Das beste Rezept bleibt neben Energiesparen ein Anbieterwechsel. Wer sich noch nie um einen preiswerteren Tarif gekümmert hat, kann laut Verivox-Sprecher Jürgen Scheurer durch den Wechsel vom Grundversorgungstarif zum günstigsten verfügbaren Angebot mit vergleichbaren Konditionen im Durchschnitt 229 Euro pro Jahr sparen.

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