München (dpa/tmn) - Kleine Schimmelflecken können Bewohner selbst von den Wänden entfernen. Aber sobald mehr als ein halber Quadratmeter schwarz ist, sollte sich ein Fachmann den Schaden anschauen. Die Pilze kommen immer wieder, wenn die Ursache nicht beseitigt wird.

Zum Winterende findet sie quasi jeder Hausbesitzer in einem Winkel seines Gebäudes: Schwarze Schimmelflecken. Besonders an Außenecken oder an Eckfenstern siedeln sich die Pilze gern an. Aber auch kühle Außenwände sind gefährdet - vor allem Stellen, an denen wenig Luft zirkuliert, etwa hinter Schränken und Regalen. Betroffen sind nicht nur unsanierte Altbauten, sondern auch Neubauten und frisch gedämmte Häuser.

Kleinere oberflächliche Schäden können mit Schimmelmittel bekämpft werden. Aber meist reicht das nicht aus. Denn: «Ist der Schimmel erst einmal im Haus, lässt er sich mit einfachen Mitteln kaum beseitigen», sagt Alexander Lyssoudis von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Denn die Pilze setzen sich in die Oberschicht des Wandputzes. Und meist muss daher der Putz an den betroffenen Stellen entfernt werden. «Es reicht nicht, die Symptome zu behandeln, man muss an die Ursache des Schimmels heran», erläutert Lyssoudis. «Wenn diese beseitigt ist und keine Nässe mehr an den befallenen Stellen auftritt, können auch handelsübliche Schimmelbeseitigungsmittel eingesetzt werden.»

Die Stiftung Warentest hat in einem Test von Mitteln zur Beseitigung von Schimmel (Zeitschrift «test», Ausgabe Januar 2014) herausgefunden, dass Verbraucher dann sogar auf die chemische Keule verzichten können. «Wenn die Ursachen bekannt und beseitigt sind, lässt sich der Schimmel gut mit Hausmitteln entfernen», sagt Michael Koswig von der Stiftung Warentest. Anders als Fungizide, die nach der Behandlung der Flecken längere Zeit in den Räumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohner gefährden können, verflüchtige sich zum Beispiel Alkohol nach dem Lüften schnell. «Brennspiritus und Isopropylalkohol wirken direkt und sofort», erklärt Koswig. «Sie sollten am besten mehrmals aufgetragen werden.»

Wird die Ursache des Schimmelbefalls nicht beseitigt, müssen notgedrungen schwerere Geschütze aufgefahren werden. Wo neuer Befall droht, zum Beispiel wegen Baumängeln wie Wärmebrücken, können Anti-Schimmel-Farben oder -Farbzusätze helfen. «Die wirksamsten Mittel arbeiten mit der Substanz Octylisothiazolinon, zum Teil kombiniert mit anderen Bioziden», erläutert Koswig. Bei der Arbeit muss der Raum gut belüftet werden. Gummihandschuhe und Atemschutzmaske sind Pflicht.

«Soll zum Beispiel eine befallene Tapete entfernt werden, müssen zuerst die Pilze mit den Anti-Schimmelmitteln abgetötet werden», erklärt Koswig. Ausdrücklich warnt er vor hypochlorithaltigen Mitteln. Sie belasten die Atemwege. Auch Essig sei, anders als vielfach angenommen, ungeeignet zur Bekämpfung. Befallene Materialien müssen gründlich gereinigt werden. Ist das nicht möglich, zum Beispiel wenn die Sporen in Polstermöbel eingedrungen sind, sollten die Möbel sicherheitshalber entsorgt werden, sagt Koswig.

Wer schwarze Flecken entdeckt, sollte gewarnt sein. Aber oft ist der Schimmel in der Wohnung gar nicht zu sehen. Er kann sich hinter Wandverkleidungen und Tapeten, unter dem Laminat oder in Dämmstoffen verbergen. Ein modriger Geruch, klamme Wäsche in den Schränken oder auch gesundheitliche Probleme der Bewohner sind Indizien. Ein Alarmsignal ist auch Kondenswasser an den Fensterrahmen.

«80 Prozent der Schimmelschäden sind versteckt», schätzt Christian Tegeder, Sachverständiger für Schimmelschäden aus Horhausen im Westerwald. Ursachen können alte Wasserschäden sein oder anhaltende Neubaufeuchte. Beim Hausbau wird etwa für Beton Wasser verwendet, und die Feuchtigkeit muss sich über Monate aus dem Gemäuer verflüchtigen. Geht diese nicht weg, kann sich Schimmel bilden. Ursache können auch Baustoffe sein, die schon vor dem Bau von den Pilzen befallen waren.

Mit Schimmelmitteln ist solchen verdeckten Schäden nicht beizukommen. Tegeder sagt daher: «Schimmelflächen ab einem halben Quadratmeter sind nichts mehr für Heimwerker. Hier müssen Fachleute ran.»

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