Benjamin Hubert hat Lampenschirme aus Marmor entworfen. Das Material ist bis zu einer Dicke von sieben Millimetern lichtdurchlässig (ab ca. 1450 Euro). Foto: Benjamin Hubert
Benjamin Hubert hat Lampenschirme aus Marmor entworfen. Das Material ist bis zu einer Dicke von sieben Millimetern lichtdurchlässig (ab ca. 1450 Euro). Foto: Benjamin Hubert

Benjamin Hubert hat Lampenschirme aus Marmor entworfen. Das Material ist bis zu einer Dicke von sieben Millimetern lichtdurchlässig (ab ca. 1450 Euro). Foto: Benjamin Hubert

Der «Tobi Ishi» für B&B Italia aus weißem Carrara-Marmor wiegt 460 Kilogramm (23 024 Euro). Foto: B&B Italia

Bjoern Berger hat für Supergrau unter anderem die Lampe «Furore» mit Marmorsockel (625 Euro) designt. Foto: Supergrau

Schwere Materialien waren im Design lange Zeit verpönt. Jetzt sind aber Marmortische wieder gefragt, wie das Modell «Ninety» von Ox Design (80x80cm für 715 Euro, 60x60cm für 515 Euro). Foto: Ox Design

Tische aus Marmor sind im Trend - das Modell «Railway» von De Padova aus Italien hat eine Marmorplatte, die auf einem Stahlrahmen aufliegt (ab 3528 Euro). Foto: De Padova

Einen Kontrast zwischen zerbrechlichem Glas und hartem Stein setzen die Lampen von Studio Vit aus Schweden (ab 300 Euro). Foto: Studio Vit/Annabel Elston

dpa, Bild 1 von 6

Benjamin Hubert hat Lampenschirme aus Marmor entworfen. Das Material ist bis zu einer Dicke von sieben Millimetern lichtdurchlässig (ab ca. 1450 Euro). Foto: Benjamin Hubert

Berlin (dpa/tmn) - Schwer, mächtig, unverrückbar: Marmor ist ein massiver Werkstoff. Und doch fasziniert er seit jeher Designer. Eine Zeitlang war er aber nicht gefragt - wegen seiner Masse. Das ändert sich nun wieder.

Marmor brachte man lange Zeit ausschließlich mit Grabsteinen und teuren Edelaschenbechern in Verbindung. Nun erleben Natursteine im Möbeldesign eine Renaissance - häufig in eindrucksvoller Gestalt. Der «Tobi Ishi» für B&B Italia ist so ein Möbelstück, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt. In der Ausführung aus weißem Carrara-Marmor wiegt der kreisrunde Esstisch 460 Kilogramm.

Edward Barber und Jay Osgerby haben das Luxusmöbel gestaltet. Die Designer aus London wollten mit ihrem Entwurf etwas Unverrückbares schaffen und sich gleichzeitig mit freischwebenden Konstruktionen befassen. «Tobi Ishi» sind in Japan die «fliegenden Steine», mit Wege in Gärten oder im Wasser angelegt werden. Mit zwei asymmetrischen Fußelementen ist der Tisch tatsächlich sehr luftig konstruiert. Die Leichtfüßigkeit steht im Kontrast zur Materialität.

Schwere, opulente Materialien waren im Design lange Zeit verpönt. Leicht sollten die Werkstoffe sein, ebenso neu und innovativ. Barber und Osgerby halten sich nicht mehr an dieses Diktat des Modernismus und verwenden mit dem Marmor ein Material, das bis zu 600 Millionen Jahre alt ist. Im Gegensatz zu vielen modernen Werkstoffen ist der Marmor ein Material mit einem unkontrollierbaren Eigenleben. Der Stein kann aufgrund seiner kristallinen Struktur wild und unruhig wirken, ebenso fein und sanft.

Wegen seiner Massigkeit war Marmor eine Zeitlang im Design nicht sonderlich gefragt. Protzig geflieste Bankfoyers und angeschmuddelte, steinerne Edel-Aschenbecher haben dessen Image ebenfalls nicht gerade befördert. Nun kommen aber wieder verstärkt Marmormöbel auf den Markt. e15 aus Deutschland, De Padova aus Italien oder Ox Design aus Dänemark haben Tische mit Marmorplatten aktuell neu aufgelegt.

Bjoern Berger von Supergrau beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit hochwertigen Natursteinen. Der Designer arbeitet mit Marmor und der jüngeren Gesteinsart Travertin. «Bei uns liegt der Fokus darauf, mit Werkstoffen zu arbeiten, die an sich schon Wert mitbringen.»

Am Naturstein interessiert Berger nicht nur dessen Wertigkeit. «Vielleicht ist einer unserer Hauptansätze, in der schnelllebigen Zeit statische, alte und romantische Materialien verarbeiten zu wollen», sagt der Supergrau-Designer. «Auf der formalen Ebene setzen wir das Material allerdings sehr sachlich ein. Die Opulenz beim Material steht in Kontrast zum Minimalismus bei der Gestaltung.»

Während die Verarbeitung früher recht mühsam war, profitieren die modernen Gestalter von der Technologie. «Man versucht mit allem Möglichen dem Stein zu Leibe zu rücken», sagt Wolfgang Thust, Inhaber eines 190 Jahre alten Steinmetzbetriebs. «Es gibt kaum eine Technik, die nicht auch beim Marmor versucht worden ist.» Heute wird Naturstein im hohen Maße maschinell verarbeitet. Gleichzeitig bleibt aber der Faktor Mensch gefragt. «Heute kann man zwar viele Dinge automatisieren, die Feinheiten macht der Fachmann aber oft lieber per Hand», sagt Wolfgang Thust. «Er spürt die Stärke des Drucks und verhindert so Zerstörungen.»

Es lässt sich nun jede Art von Designobjekt aus Marmor fertigen. Benjamin Hubert aus London hat Lampenschirme aus Marmor entworfen. Er macht sich dabei den Effekt zunutze, dass das Material bis zu einer Dicke von sieben Millimetern lichtdurchlässig ist. Studio Vit aus Schweden gestalten Lampenfassungen. Der britische Designer James Irvine hat eine Serie von Design-Editionen kuratiert, die der Hersteller Marsotto aus weißem Carrara-Marmor fertigt. Dazu gehören Sitzmöbel, Tische und Leuchten, gestaltet von Branchengrößen wie Konstantin Grcic, Jasper Morrison oder Naoto Fukasawa.

Die Objekte bilden wegen ihrer Schwere und Robustheit einen Kontrast zu den Produkten einer Industrie, die jedes Jahr unzählige Neuheiten auf den Markt bringt. Marmor erfüllt die Sehnsucht der Menschen nach dem festem Stand im Leben. Den Tisch «Tobi Ishi» verrückt so leicht niemand.

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