Defekte elektrische Anlagen sind brandgefährlich. (Foto: Andrea Warnecke)
Defekte elektrische Anlagen sind brandgefährlich. (Foto: Andrea Warnecke)

Defekte elektrische Anlagen sind brandgefährlich. (Foto: Andrea Warnecke)

Mieter haben kein Anrecht auf eine Modernisierung ihrer Elektroinstallation, aber sicher muss diese sein. (Foto: Andrea Warnecke)

Wer alte Leitungen erneuert, muss mitdenken: Es sollten genug Steckdosen für heute, aber auch für die Zukunft vorhanden sein. (Foto: DSH)

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Defekte elektrische Anlagen sind brandgefährlich. (Foto: Andrea Warnecke)

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Strom kann gefährlich sein: Ein Schlag reicht schon aus. Der Gefahrenherd kann eine unzureichende Hausinstallation sein - und dann wird aus einem unbemerkten Schwelbrand durch überlastete Elektroleitungen schnell ein verheerendes Feuer.

Im Haushalt kommt es immer wieder zu Stromunfällen und Bränden. Schuld ist neben Fahrlässigkeit oft eine defekte oder veraltete Elektrik. Gerade in älteren Wohngebäuden sei oft noch die ursprüngliche Elektroinstallation in Betrieb, sagt Klaus Jung, Geschäftsführer des Fachverbands Installationsgeräte und -systeme beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie in Frankfurt. Diese Installationen entsprechen häufig nur den Anforderungen der Entstehungszeit - und diese ist lange her.

Jahrzehnte alte Leitungen sind etwa nicht für den gleichzeitigen Betrieb mehrerer moderner Haushaltsgeräte ausgelegt. Für den heute üblichen gleichzeitigen Gebrauch von Computer, Wasserkocher, DVD-Player, Fernseher, Kühlschrank oder Gefriertruhe fehle es neben Steckdosen auch an leistungsfähigen Leitungen, erklärt Susanne Woelk von der Aktion Das sichere Haus in Hamburg. Die Bewohner behelfen sich dann vielfach mit Mehrfachsteckdosen - und diese überlasten leicht, warnt Jung.

Die Folge ist ein ständiges Herausspringen der Sicherung. Oder schlimmer: Unter Umständen springe selbst bei dauerhafter, leichter Überlastung diese nicht heraus, wodurch sich das Isolationsmaterial der Leitungen immer wieder erhitzt, bis es schließlich brüchig werde, erläutert Jung. Dies verursache im schlimmsten Fall einen Schwelbrand und in der Folge einen Wohnungsbrand.

Ein weiteres Manko solcher Provisorien: «Viele Steckdosenleisten sind nicht sicher», hat Stiftung Warentest in einer Untersuchung festgestellt. 11 der 19 geprüften Steckdosenleisten seien in der elektrischen Sicherheit mangelhaft. Bei hohem Stromfluss bestehe die Gefahr, dass sie sich stark erhitzen. Aber die Untersuchung offenbarte auch: Die Nutzer selbst könnten zur Sicherheit beitragen, indem sie die auf der Leiste aufgedruckte Belastungsgrenze einhalten und niemals mehrere Steckdosenleisten hintereinander stöpseln.

«Steckdosenleisten sollten kein Dauerzustand sein und bei Bedarf durch fest installierte neue Steckdosen nachgerüstet werden», rät Woelk. Doch Wohnungsbesitzer könnten die Gefahren durch einen nicht ordnungsgemäßen Zustand oftmals nicht selbst erkennen. Daher sollte ein Fachmann die Anlagen von Zeit zu Zeit prüfen. Bei Mängeln dürfe der Hausbesitzer zudem auf keinen Fall selbst Hand anlegen.

Wer alte Leitungen erneuert, muss mitdenken: Bauherren und Modernisierer sollten die elektrische Anlage und Ausstattung mit Steckdosen so großzügig planen, dass sie nicht nur für die heute benötigten Geräte ausreicht, sondern auch für die Anforderungen in der Zukunft. Neben ausreichend vielen Steckdosen und Schaltern empfiehlt Jung für alle Räume einen Antennen- und Telefonanschluss.

Wer zur Miete wohnt, sollte die Übernahme der Kosten für den Handwerker vorher klären. «Mieter haben kein Anrecht auf eine Modernisierung ihrer Elektroinstallation auf den neuesten Stand», sagt Hermann-Josef Wüstefeld vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Aber auch in einer nicht modernisierten Altbauwohnung müssten die elektrischen Anlagen zumindest technisch sicher sein.

In einer nicht modernisierten Altbauwohnung muss die Installation einem Mindeststandard genügen, der ein zeitgemäßes Wohnen ermöglicht und alle damit üblicherweise verbundenen Tätigkeiten mit technischen Geräten erlaubt. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden (Aktenzeichen: VIII ZR 281/03). Konkret heißt das: Es müssen zumindest ein größeres Haushaltsgerät wie die Waschmaschine und weitere übliche Elektrogeräte wie Staubsauger zugleich laufen können, ohne dass der Mieter Angst vor einer Leitungsüberlastung und möglichen schlimmeren Folgen haben muss.

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