Familie Allstadt aus Wuppertal will die Telefonkosten senken. Expertin Caroline Benzel hilft ihr durch den Tarifdschungel.

Wuppertal. Wie findet man den Tarif für die alten Prepaid-Handys der beiden Töchter heraus? Kerstin Allstadt kramt den Karton vom Handykauf mit allen Broschüren heraus - nichts. Handyexpertin Caroline Benzel ruft mit dem Handy der Tochter die dort eingespeicherte "Kundenhotline" an - kein Anschluss unter dieser Nummer.

Die allgemeine Hotline des Anbieters kennt zwar den Tarif der Prepaid-Karte, will ihn aber nicht verraten ohne Kennwort. Da zuckt die Mutter mit den Schultern: "Wir haben doch kein Kennwort festgelegt damals, oder?"

Eine symptomatische Szene, die viele Handynutzer kennen. Oft schon hat man mit dem Gedanken gespielt, seinen Tarif unter die Lupe zu nehmen. Doch schnell vergeht einem die Lust: Undurchschaubare Tarife, langes und teures Ausharren in Kunden-Warteschleifen.

Doch Handy-Expertin Caroline Benzel von den Verbraucherportalen Geldsparen.de und Biallo.de lässt nicht locker. Unter einer anderen Hotline bekommt sie den Tarif-Namen für das Handy automatisch angesagt. Anrufe in alle deutschen Netze kosten für Tochter Maike 29 Cent pro Minute.

Auch der Tarif der zweiten Tochter Saskia (11) wird per Kundenhotline und Online-Recherche ermittelt: 19 Cent pro Minute für Gespräche ins Festnetz und andere Handy-netze, 19 Cent pro SMS in andere Handy-Netze. Innerhalb des T-Mobile-Netzes kosten Kurzmitteilungen und die innerdeutsche Gesprächsminute dagegen nur fünf Cent. "Das geht günstiger", sagt die Expertin.

Die beiden Töchter können jeweils 40 Euro jährlich sparen

Wer als Vieltelefonierer (ab sechs Gesprächsstunden pro Monat) sofort die passende Flatrate für sich heraussucht, spart nicht unbedingt Geld. Denn die meisten Flatrates sind keine echten Pauschaltarife, sondern gelten entweder nur am Wochenende oder für bestimmte Netze. Gespräche, die nicht über die Flatrate abgerechnet werden, gehen dann richtig ins Geld. Eine echte Flatrate für alle Netze kostet monatlich zwischen 60 (Base) und 79,95 Euro (Vodafone). Zum Vergleich: Wer bei einem günstigen Discounter ohne Vertragslaufzeit und Grundgebühr telefoniert, müsste bei der Base-Flat-rate auf mindestens zwölf Gesprächsstunden pro Monat kommen, damit diese günstiger ist. Wer vor allem ins Festnetz telefoniert, sollte sich monatlich kündbare Flatrates anschauen, wie zum Beispiel Schlecker (Smobil, 9,99 Euro im Monat) und Tchibo oder Simply (beide 12,95 Euro). Einen besonderen Tarif hat O2 im Programm: Ab 60 Euro Monatsumsatz (für deutschlandweite Gespräche oder SMS) steigt die Monatsrechnung nicht weiter. O2 nennt das "Kostenairbag". Eine Mindestvertragslaufzeit gibt es nicht, wird weniger telefoniert, fallen nur die tatsächlich angefallenen Gebühren an. Allerdings ist der Minutenpreis mit 15 Cent teuer.

Wer vor allem per Handy erreichbar sein will, sollte Fixkosten vermeiden. Am besten sind also so genannte Prepaid-Tarife, bei denen eine Karte mit einem Guthaben ins Handy eingelegt und das Guthaben abtelefoniert wird. Am günstigsten sind hier zurzeit die Angebote von Maxxim, Igge & Ko und Solomo. Anrufe in Fremdnetze und ins Festnetz kosten 8 Cent pro Minute, für interne Gespräche ins eigene Mobilnetz werden bei Solomo und Igge & Ko sogar nur 5 Cent berechnet, Maxxim nimmt hier 8 Cent. Dabei gilt es immer zu bedenken: Das Handy dazu muss selbst besorgt werden, wenn man für einen schnellen Anbieterwechsel flexibel bleiben will.

Am günstigsten telefoniert der Allesnutzer (drei Gesprächsstunden im Monat in alle Netze, 50 SMS, 20 Minuten Mailbox) mit dem Tarif 085 des Discounters Solomo. Hier ist aber zu bedenken, dass Solomo im E-Plus-Netz ist und dies das am wenigsten ausgebaute und langsamste Datennetz in Deutschland ist. Wichtig auch: Interne Gesprächspreise gelten nicht für das ganze E-Plus-Netz, sondern nur Solomo-intern.

Auch hier sind Discounter wie Maxxim, Solomo und Igge & Ko mit 8 Cent in deutsche Handynetze am günstigsten. Es gibt auch immer wieder Vertragsangebote mit Inklusiv-SMS-Tarifen, doch dann muss man sich zwei Jahre an alle anderen Vertragsbestandteile binden, und das SMS-Verhalten kann sich in dieser Zeit ändern. Sparer sollten generell überlegen, ob eine SMS gerade sinnvoll ist. Je nach Minutenpreis kann es sinnvoller sein, die Information in einem Telefonat auszutauschen.

Prepaid-Karten sind Guthaben-Karten, die mit einem Geldbetrag aufgeladen werden, der dann abtelefoniert wird. Es gibt keine Vertragsbindung und damit keine Grundgebühr. Der Discount-Anbieter Maxxim nutzt das T-Mobile-Netz und bietet eine Prepaid-Karte mit 8 Cent pro Gesprächsminute und SMS in alle deutschen Netze.

Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht. Gespräche ins eigene Netz (intern) sind bei Maxxim 3 Cent teurer als beim jetzigen Tarif. Da muss Familie Allstadt jetzt abwägen: Wie viel telefoniert Tochter Saskia ins T-Mobile-Netz und wie viel in andere Netze?

Wechseln kann Tochter Saskia sofort. Das Handy ist simlockfrei - das heißt, dass es mit jeder beliebigen SIM-Karte genutzt werden kann. Viele Anbieter locken Kunden auch mit dem Angebot, eine Karte zu kaufen und ein Handy dazuzubekommen. Meistens ist das Handy dann an die Karte gebunden, wie bei der anderen Tochter Maike. Gegen eine Gebühr lassen sich diese so genannten Simlock-Sperren aber aufheben.

Caroline Benzel sieht sich die aktuellen Discount-Tarife an und ist sicher: "Ihre beiden Töchter verbrauchen zurzeit je 15 Euro in drei Monaten. Das kann man mit den neuen Tarifen auf 4 bis 5 Euro in drei Monaten reduzieren." Macht pro Tochter eine Ersparnis von 40 Euro jährlich.

Mutter Kerstin könnte 185 Euro im Jahr sparen

Kerstin Allstadt ist ein Wechsel der Rufnummer wichtig. Ihr Vertrag bei Talkline Spar im T-Mobile-Netz läuft noch bis Mai 2010. "Hätten Sie keine Vertragsbindung, könnten Sie jetzt zu Maxxim wechseln und würden statt 19 Euro im Monat 3,60 Euro bezahlen", sagt die Expertin. Kerstin Allstadt ist verblüfft: "So viel?" Das macht im Jahr immerhin 185 Euro. Ihre Rufnummer würde sie aber mitnehmen wollen: Das kostet rund 25 Euro extra.

Mit einem Tarifwechsel lässt sich sofort und schnell etwas tun

Trotzdem sieht Caroline Benzel beim jetzigen Vertrag Sparpotenzial: "Wenn Sie in den Tarif Vario S wechseln, sparen Sie 3,60 Euro im Monat und der Vertrag verlängert sich dadurch nicht. Das geht aber auch nur noch im Mai."

Grundsätzlich empfiehlt Caroline Benzel der Familie, keine Vertragsbindung bei den Handys einzugehen, da die Familie nur sehr selten darüber telefoniert. "Der Markt ist so schnell, man findet immer günstige Prepaid-Angebote und kann seine Rufnummer sehr oft gegen Gebühr mitnehmen. "

Der DSL-Vertrag der Familie ist allerdings schon optimal: Für Festnetz und Internet zahlt sie 29,90 Euro im Monat bei Freenet. Aktuelle Angebote wie Alice/Hansenet bieten zwar die ersten sechs Monate für 19,90 Euro, aber danach steigt der Preis auch hier aufs gleiche Niveau.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer