In Deutschland leiden 15 Prozent der Bevölkerung an der Krankheit.

Die Betroffenen leiden unter Übelkeit, Blähungen sowie Magen- und Darmkrämpfen.
Die Betroffenen leiden unter Übelkeit, Blähungen sowie Magen- und Darmkrämpfen.

Die Betroffenen leiden unter Übelkeit, Blähungen sowie Magen- und Darmkrämpfen.

dpa

Die Betroffenen leiden unter Übelkeit, Blähungen sowie Magen- und Darmkrämpfen.

Düsseldorf. Magenkrämpfe nach einem Quarkdessert oder Blähungen nach einem Eis - wer solche Symptome regelmäßig wahrnimmt, sollte sich unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Denn hinter den für viele harmlosen Beschwerden kann eine Lakto-seintoleranz (s. Kasten) stecken.

Auch die aus Korea stammende Jume Lee litt jahrelang unter starken Krämpfen. "Bei mir wurde die Krankheit erst mit 14 Jahren festgestellt, obwohl ich sie seit der Geburt habe", sagt die 29-Jährige. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund ist eine solche genetische Veranlagung bei Asiaten besonders häufig, weil auf deren Speiseplan so gut wie keine Milchprodukte stehen.

Wer von seiner Erkrankung weiß, muss sein Leben umstellen und laktosehaltige Lebensmittel aus dem Speiseplan streichen, weil das für die Verdauung von Laktose zuständige Enzym Laktase nicht ausreichend produziert wird. Doch für viele ist der Verzicht auf Schokolade, Brot, Kuchen, Käse oder Joghurt undenkbar.

Damit Betroffene ein Leben ohne viel Verzicht führen können, hat sich in den vergangenen Jahren ein Markt aufgebaut, der mit laktosefreien Produkten handelt. Und der Bedarf ist enorm. "Weltweit sind von dem Enzym-Defekt besonders Asiaten betroffen. Deren Intoleranz-Quote liegt sogar zwischen 90 und 100 Prozent", sagt Jume Lee.

Vor neun Jahren kam das erste laktosefreie Produkt in den Handel: Milch. Jetzt gibt es neben Molkereiprodukten, Brotaufstrichen und Wurstwaren sogar Backwaren und den europaweit ersten Osterhasen aus laktosefreier Schokolade.

Die Zahl der Betroffenen nimmt im Alter zu

Milchzucker-Unverträglichkeit und Laktoseintoleranz beschreiben dieselbe Krankheit. Dabei ist die Laktose ein Kohlehydrat und ein natürlicher Bestandteil der Milch. Damit sie ins Blut gelangen und dort vom Körper verwertet werden kann, wird sie im Dünndarm mit Hilfe des Enzyms Laktase in Glukose und Galaktose aufgespalten. Ist das Enzym nicht vorhanden, verbleibt die Laktose im Darm und wird von Bakterien zersetzt. Hierbei entstehen Kohlendioxid, Wasserstoff und Säuren, die Beschwerden verursachen.

Es gibt drei Formen: Die angeborene, genetisch bedingte Form ist am häufigsten. Erworbene Form: Zwar wird im Kindesalter ausreichend Laktase produziert, im Verlauf der Jahre nimmt die Produktion aber ab. Beim kongenitalen Laktasemangel handelt es sich um einen seltenen, genetisch festgelegten, angeborenen Enzymdefekt.

In der Folge kann es zu starken Blähungen, Durchfällen, Übelkeit sowie Magen-Darmkrämpfen kommen, da die Laktose aus osmotischen Gründen Wasser im Darm zurückhält.

Am einfachsten ist der Diättest, bei dem mehrere Tage auf Produkte mit Laktose verzichtet wird. Beim H2-Atemtest wird zunächst eine Laktoselösung getrunken. Wenn eine Laktoseintoleranz vorliegt, lässt sich anschließend in der Ausatemluft Wasserstoff nachweisen - ein Hinweis darauf, dass Laktose ungespalten verblieben ist.

Betroffene müssen auf laktosefreie Produkte zurückgreifen. Manchmal werden auch Medikamente verschrieben.

Diesen und andere Leckereien bietet seit Anfang März der Hildener Bäcker Roland Schüren an. In allen 14 Filialen steht zum Ende der Woche immer der "laktosefreie Freitag" auf dem Programm. Die Idee stammt von Jume Lee. Seit 2007 betreibt die Unternehmerin "laktolee", einen Online-Shop für laktosefreie Lebensmittel.

Ihre Waren liefert Jume Lee nicht nur an Privatpersonen aus - auch an Krankenhäuser und Altenheime in ganz Deutschland. Die Kunden schätzen ihr Angebot. Kein Wunder, denn die Zahl der Betroffenen ist hoch und nimmt mit dem Alter zu. "Je älter man wird, desto weniger Laktase produziert der Körper", erklärt Julia Weißkirchen, Diplom-Ökotrophologin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund. Deshalb leiden in Deutschland mehr Erwachsene als Kinder unter der Unverträglichkeit - insgesamt rund 15 Prozent der Bevölkerung.

Ein weiteres Problem der Betroffenen: "Laktose ist nicht immer deklariert. Oft steht auf der Verpackung Magermilch- oder Vollmilchpulver - darin ist aber auch Laktose enthalten", so Jume Lee.

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