Eine lebensrettende Transplantation – und dann Lungenkrebs, weil der Spender Raucher war. In seltenen Fällen kommt das vor.

Eine Transplantation ist in der Regel die letzte Hoffnung für den Patienten – aber sie ist mit Risiken verbunden.
Eine Transplantation ist in der Regel die letzte Hoffnung für den Patienten – aber sie ist mit Risiken verbunden.

Eine Transplantation ist in der Regel die letzte Hoffnung für den Patienten – aber sie ist mit Risiken verbunden.

dpa

Eine Transplantation ist in der Regel die letzte Hoffnung für den Patienten – aber sie ist mit Risiken verbunden.

Düsseldorf/London. Sie war todkrank, wurde gerettet durch eine Organspende – und starb dann ausgerechnet an einem Krebs, der wohl durch die Transplantation in ihren Körper kam: Das Schicksal der 27 Jahre alten Jennifer aus Großbritannien rührte viele.

Seit der Kindheit litt sie an Mukoviszidose, ihre Lebenserwartung war gering. Die unheilbare Stoffwechselkrankheit führt zu einer Verschleimung der Lungen. Schon auf künstliche Sauerstoffzufuhr angewiesen, wartete Jennifer anderthalb Jahre auf eine Spenderlunge, die sie im April 2011 bekam. Noch im selben Jahr heiratete sie. Doch im August 2012 starb sie an Lungenkrebs.

Von dem Tumor war bei der Transplantation nichts bekannt

Der Fall machte jetzt Schlagzeilen, als Jennifers Vater an die Öffentlichkeit ging. Der Mann, dessen Lunge Jennifer erhielt, habe 20 Zigaretten pro Tag geraucht, sagt Colin Granell. Seine Tochter sei somit den Tod eines anderen gestorben.

Das Londoner Krankenhaus, ein spezialisiertes Herz- und Lungenzentrum, entschuldigte sich. Von einem Tumor sei bei der Transplantation nichts bekanntgewesen.

Risiken zu benennen, ist Teil der Patientenaufklärung

„Es gibt immer ein Restrisiko, dass mit einem Organ Infektionen oder Tumore übertragen werden“, sagt Dr. Jens Gottlieb, Oberarzt in der Lungenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Krebs in einem Spenderorgan sei jedoch ein seltenes Problem. Jedes Organ werde „bestmöglich untersucht“. Die Risiken zu benennen, sei Teil der Patientenaufklärung.

2005 hatte ein Fall in Deutschland Schlagzeilen gemacht, als Organe einer Frau mit unbekannter Todesursache verpflanzt wurden. Als sich herausstellte, dass sie am lebensgefährlichen Tollwut-Virus litt, waren drei von sechs Empfängern schon infiziert.

Der Vater der jungen Britin sagte, seine Tochter hätte die Transplantation vermutlich abgelehnt, wenn sie das Risiko gekannt hätte. Tatsächlich aber, sagen Experten, würden sich nur wenige Organempfänger so entscheiden. Denn das Risiko, ohne ein Spenderorgan zu sterben, sei viel höher als an dem transplantierten Organ zu erkranken.

So wie 2007 ein Dialyse-Patient in Österreich eine frisch eingepflanzte Niere nicht hergeben wollte, als kurz nach der OP in der zweiten Niere des Spenders ein Knoten entdeckt wurde.

Um mehr Organe verpflanzen zu können, wurden Kriterien erweitert

Weil Organe so knapp sind, haben viele Länder die Kriterien für Spenderorgane erweitert. „Wir können heute Organe transplantieren, die vor zehn oder 20 Jahren nicht infrage gekommen wären“, sagt Jens Gottlieb. Von Älteren, von Rauchern, sogar von Drogenkonsumenten. „Wenn das Organ zum Empfänger passt, können damit gute Ergebnisse erzielt werden. Würde man Organe von Rauchern ausschließen, hätte man 30 bis 40 Prozent weniger Spenderlungen.“

Transplantationspatienten haben grundsätzlich ein erhöhtes Krebsrisiko. Denn ihr Immunsystem wird unterdrückt, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Dies könnte im Fall der 27-jährigen Jennifer das schnelle Wachstum des Tumors gefördert haben.

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