Viele Studien suggerieren, dass Vegetarier gesünder leben. Aber ist das Grund genug, auf Fleisch und Fisch zu verzichten? Vegetarier leben länger, haben weniger Übergewicht, bessere Cholesterinwerte und einen niedrigeren Blutdruck – das beweisen zahlreiche Studien. Zuletzt erst wieder die europäische Ernährungsstudie „Epic“ (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition). Ihr Ergebnis: Vegetarische Ernährung reduziert das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, um ein Drittel.

Doch oft fällt es Wissenschaftlern schwer, zu beweisen, dass die gesundheitlichen Vorteile nur durch die vegetarische Ernährung der Probanden entstehen. Denn Vegetarier leben sowieso allgemein gesünder als ihre fleischessenden Mitmenschen: Sie rauchen weniger, trinken nicht so oft Alkohol und treiben mehr Sport. Umso wichtiger ist die „Adventist Health Study“ der Loma Linda Universität in Kalifornien. In deren Rahmen untersuchten die Forscher gut 70.000 Adventisten, Anhänger einer religiösen Bewegung, die nach strengen, gesunden Regeln leben: kein Schweinefleisch, kein Alkohol und kein Tabak. Ansonsten können sie ihre Ernährung frei gestalten. Das Ergebnis: Vegetarische Adventisten leben sechs bis neun Jahre länger als die fleischessenden Gemeindemitglieder.

Abgesehen von den gerade genannten gesundheitlichen Vorteilen, die eine vegetarische Ernährung mit sich bringt, gibt es auch ökologische Gründe auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Denn Vegetarier sind wahre Klimaschützer: Bei der Produktion von Fleisch entstehen Klimagase, speziell bei der Herstellung des Futters für die Tiere. Wer kein Fleisch isst, halbiert seine persönliche Klimabilanz. Das gleiche gilt für den persönlichen Wasserverbrauch, den sogenannten Wasser-Fußabdruck. Dazu gehört nicht nur das Duschwasser oder die Wassermenge, die Ihre Waschmaschine verbraucht, sondern auch „virtuelles“ Wasser: jeder Liter, der benötigt wird, um Ihre morgendliche Tasse Kaffee (140 Liter), Ihre Lederschuhe (8000 Liter) oder Ihr Steak zum Abendbrot (4000 Liter) zu produzieren. Wer sich für eine vegetarische Ernährung entscheidet, reduziert seinen Wasser-Fußabdruck um ein Drittel, Veganer sogar um die Hälfte.

Doch kann auch jeder Vegetarier werden? „Prinzipiell schon“, sagt Prof. Dr. Claus Leitzmann, ehemaliger Professor für Ernährungswissenschaft an der Universität Gießen und Autor des Buches „Vegetarische Ernährung“. „Kinder, Schwangere, Stillende und Senioren haben zwar einen besonderen Nährstoffbedarf, doch der lässt sich auch mit einer vegetarischen Ernährung decken“, sagt der Experte. Konkret bedeutet das: Schwangere müssen ihre Folsäure und Vitamin B12-Versorgung im Auge behalten, Stillende müssen aufpassen, dass sie genug Vitamin D, Jod, Eisen und Zink aufnehmen und Senioren haben einen erhöhten Vitamin-D- und Vitamin-B12-Bedarf. Für alle anderen gilt: Essen Sie abwechslungsreich und vielseitig, trinken Sie genug und bereiten Sie Ihre Nahrungsmittel schonend zu. „Es gibt Lebensmittel, die oft vernachlässigt werden, aber gerade speziell für Vegetarier wichtig sind, weil sie viel Eiweiß, Eisen und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten“, sagt Prof. Leitzmann. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Nüsse und Beeren. Tipp: Kaufen Sie Beeren als Direktsäfte und verdünnen Sie diese anschließend mit Wasser. Fertig gemischte Säfte enthalten oft viel Zucker. Weitere Rezeptideen für eine vegetarische Ernährung finden Sie hier.

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