Trisomie 21
Es gibt immer weniger Menschen mit Trisomie 21. Foto: Marius Becker/dpa

Es gibt immer weniger Menschen mit Trisomie 21. Foto: Marius Becker/dpa

dpa

Es gibt immer weniger Menschen mit Trisomie 21. Foto: Marius Becker/dpa

Berlin (dpa) - Immer besser lässt sich schon in der Schwangerschaft erkennen, ob es im Erbgut des Fötus schwere Störungen gibt. Eine Folge: In Deutschland kommen kaum noch Babys mit Trisomie 21, auch als Down-Syndrom bekannt, zur Welt.

Babys mit der Erbgutstörung Trisomie 21 haben zwar bessere Lebenschancen als je zuvor - doch nur noch selten werden sie ihnen gewährt. Etwa neun von zehn Schwangere lassen hierzulande bei einer Trisomie einen Abbruch machen.

Im vergangenen Jahr wurde die Geburt eines Down-Syndrom-Kindes gar als Arztfehler vor Gericht verhandelt - die Klage auf Schmerzensgeld wurde abgewiesen. In den meisten Nachbarländern gibt es ähnliche Entwicklungen. Ein Überblick zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März:

SCHWEIZ: In Zürich war die Abtreibung von rund 90 Prozent der Föten mit Trisomie 21 gerade Thema auf der Theaterbühne: Der Schweizer Schock-Regisseur Milo Rau inszenierte sein Folter-Stück «Die 120 Tage von Sodom» mit Schauspielern des Hora-Theater, die fast alle mit Trisomie 21 leben. In der Schweiz werden dem Bundesamt für Statistik zufolge jährlich nur noch weniger als 90 Menschen mit diesem Gen-Defekt geboren. 2015 gab es etwa 10 000 Abtreibungen - wie viele Frauen sich aufgrund einer Fehlbildung des Fötus dazu entschieden, sagt die Statistik allerdings nicht.

«Die Schweiz ist in der Praxis noch sehr separativ unterwegs, nicht integrativ und schon gar nicht inklusiv», sagt Barbara Habegger von der Elternvereinigung Insieme21. Die Kinder hätten Anspruch auf den Besuch einer Regelschule. Aber oft lehnten Schulen sie unter fadenscheinigen Gründen ab, etwa, weil angeblich das Klassenzimmer nicht groß genug für ein Kind und seine Heilpädagogin sei. Ihr Sohn gehe in die Regelschule, «weil wir dafür kämpfen». Er koche und bediene gerne. «Mein Mann träumt davon, später mal mit ihm ein Restaurant aufzumachen.»

DÄNEMARK: In Dänemark bietet das öffentliche Gesundheitssystem allen Schwangeren seit 2004 einen Test - bestehend aus Ultraschall-Untersuchung und Blutprobe - an, der das Risiko für die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom anzeigen soll. Seitdem ist die Zahl der mit Trisomie 21 geborenen Kinder laut der landesweiten Vereinigung «Down-Syndrom» erheblich gesunken. 2015 kamen demnach in Dänemark nur noch 31 Kinder mit der Behinderung auf die Welt.

SCHWEDEN: Auch in Schweden werden immer mehr Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben. Etwa eines von 700 Kindern in dem Land wird mit dem Down-Syndrom geboren. In der Zeitung «Aftonbladet» warnte der Medizinethik-Professor Nils-Eric Sahlin im vergangenen Jahr davor, eine Richtung wie Dänemark einzuschlagen: Gebe es immer weniger Menschen, die anders seien, sinke die Akzeptanz von Vielfalt in der schwedischen Gesellschaft.

NORWEGEN: Neun von zehn Schwangerschaften in Norwegen, bei denen ein Risiko für Down-Syndrom besteht, enden laut der Gesundheitsbehörde des Landes mit einer Abtreibung. Obwohl die Zahl der Abbrüche gestiegen ist, kommen - wie auch in Deutschland - seit Jahren ähnlich viele Kinder mit der Behinderung zur Welt. Das liegt daran, dass mehr ältere Frauen Kinder bekommen, bei denen ein höheres Down-Syndrom-Risiko besteht.

POLEN: Ob das Down-Syndrom in Polen zu den Hauptgründen für eine Abtreibung zählt - wie die nationalkonservative Regierung behauptet - ist Frauenrechtlern zufolge schwer zu beurteilen. Laut Regierung werden in dem katholisch geprägten Land etwa 1000 Abtreibungen pro Jahr vorgenommen. Die Dunkelziffer wird allerdings auf rund 150 000 geschätzt. Die Regelungen sind extrem streng, Schwangerschaften dürfen nur abgebrochen werden, wenn das Leben der Mutter bedroht, das Kind schwer behindert oder die Frau vergewaltigt worden ist. Letztes Jahr trieb die der katholischen Kirche nahestehende Regierung der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ein Abtreibungsverbot voran, scheiterte jedoch am Protest Zehntausender Frauen.

Wie in anderen europäischen Ländern werden Menschen mit Down-Syndrom in Polen im Bildungsbereich an Spezial-Einrichtungen und Inklusionsschulen gefördert sowie mit Sozialleistungen unterstützt.

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