Nicht alles auf einmal erledigen
Wer Stress vorbeugen will, sollte sich auf eine Sache konzentrieren und diese abschließen, bevor er oder sie mit einer neuen beginnt. (Foto: Britta Pedersen)

Wer Stress vorbeugen will, sollte sich auf eine Sache konzentrieren und diese abschließen, bevor er oder sie mit einer neuen beginnt. (Foto: Britta Pedersen)

dpa

Wer Stress vorbeugen will, sollte sich auf eine Sache konzentrieren und diese abschließen, bevor er oder sie mit einer neuen beginnt. (Foto: Britta Pedersen)

Düsseldorf (dpa/tmn) - Stress entsteht vor allem im Kopf - durch negatives Bewerten. Wer sich bemüht, auch schlechten Situationen etwas Gutes abzugewinnen, tut viel gegen den Druck. Und zieht daraus hilfreiche Schlüsse für die nächste anstrengende Zeit.

Den Chef zurückrufen, das Familienessen planen, den Schreibtisch aufräumen, die Kinder abholen: Allein der Gedanke an die noch zu erledigenden Aufgaben lässt bei vielen Menschen den Blutdruck steigen. Wem es dagegen gelingt, in solchen Situationen gelassen zu bleiben, lebt gesünder und stressfreier. Denn Stress entsteht vor allem im Kopf - und genau dort liegt die Lösung.

Entwicklungsgeschichtlich gesehen war Stress eine sinnvolle Reaktion, um zu überleben: Bei Gefahr schüttet der Körper die Hormone Cortisol und Adrenalin aus. Das sorgte dafür, dass der Mensch nicht mehr groß nachdenken musste, ob er fliehen oder angreifen sollte. Doch darin liegt mittlerweile das Problem: «Das Wenigste ist heute lebensbedrohlich», betont der Diplom-Psychologe Lutz Hertel vom Deutschen Wellnessverband (DWV). «Viele Situationen werden aber dennoch übermäßig oder unbegründet als bedrohlich empfunden. Und genau diese Gedanken sind es, die stressen.» Wie in der Steinzeit werden Hormone ausgeschüttet, Pulsschlag, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an, die Atmung beschleunigt sich.

Dabei verengen und verkrampfen sich die Blutgefäße schlagartig, erläutert Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen. «Wenn das Problem gelöst ist, sind Sie nicht wieder sofort im alten Zustand. Es dauert noch ein bis zwei Stunden, bis Sie wieder entspannt sind.» Chronischer Stress kann zu dauerhaften Gefäßverengungen - im schlimmsten Fall folgt ein Herzinfarkt. Dass man Stress hat, merkt man dem Mediziner und Führungscoach Jörg-Peter Schröder zufolge so: Es fällt schwer, sich zu konzentrieren, die Zunge ist trocken. Auch Denkblockaden, Muskelverspannungen, Spannungskopfschmerzen, ein zuckender Lidwinkel und Zähneknirschen können Anzeichen sein.

Diese Entwicklung gilt es zu bremsen: Der Stress sollte gar nicht erst entstehen. Das heißt aber nicht, immer nur tiefenentspannt zu sein. Eine gewisse Anspannung brauche jeder Mensch, sagt Brück. «Das ist nicht schädlich, wenn es ein gewisses Maß nicht überschreitet.» Dieses Maß ist bei jedem anders und hängt stark davon ab, wie jemand Situationen bewertet. Schröder, der ein Buch über Stressmanagement geschrieben hat, gibt ein Beispiel: «Ein Perfektionist gerät womöglich bei Chaos leicht in Stress, während das einem kreativen Menschen nichts macht. Den stressen vielleicht eher Routineaufgaben.»

Noch heute sei es so, dass die meisten Negatives viel stärker wahrnehmen als Positives und sich stressen, ergänzt Brück. «Mit jedem negativen Gedanken holt das Hirn alles an Informationen und Emotionen hervor, was es dazu noch abgespeichert hat.»

Brück empfiehlt deswegen: Wenn der Vorgesetzte mal wieder eine neuen Aufgabe hat, denkt man lieber nicht, «Der will mich fertig machen», sondern besser: «Er ist offenbar zufrieden ist mit meiner bisherigen Arbeit und hat Vertrauen, dass ich auch die neue Aufgabe bewältige.» Hertel empfiehlt darüber hinaus, sich in kritischen Momenten Dinge zu sagen wie «Wer weiß, wozu das gut ist...». Für Herzpatienten sinnvoll sei die «Stopp!»-Methode, um das Gedankenkarussell zu unterbrechen.

Auch Schröder rät, aus Stress Lehren zu ziehen. Dazu gehört, Dinge so zu nehmen, wie sie sind und sich zu fragen, welchen Einfluss man selbst nehmen kann. Perfektionisten etwa sollten anerkennen, dass sie nicht immer alles selbst und richtig machen können. «Nicht zu eng mit der Aufgabe verbunden sein, Abstand zur Sache und zu sich selbst haben», sagt Schröder. Ganz praktisch heißt das: eins nach dem anderen machen, erst eine Sache abschließen, nicht viele gleichzeitig erledigen wollen - und: sich grundsätzlich nicht zu viel vornehmen.

Literatur:

Jörg-Peter Schröder/Reiner Blank: Stressmanagement. Stress-Situationen erkennen - erfolgreiche Maßnahmen einleiten, Cornelsen Scriptor, 128 Seiten, 6,99 Euro, ISBN-13: 978-3-411-86389-1

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