Isolierstation
Krankenschwestern auf der Isolierstation einer Klinik. (Archivbild)

Krankenschwestern auf der Isolierstation einer Klinik. (Archivbild)

dpa

Krankenschwestern auf der Isolierstation einer Klinik. (Archivbild)

Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Tod zweier Menschen mit Schweinegrippe-Infektion in Göttingen mahnen Fachleute zur Besonnenheit.

Das Virus sei bisher nicht gefährlicher einzustufen als andere im Land kursierende Erreger, sagte Christian Meyer vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg der «Frankfurter Rundschau» (Dienstag-Ausgabe). Die Deutschen müssten sich darauf einrichten, dass das Virus H1N1 künftig immer wieder zur Grippesaison auftauche: «So etwas verschwindet nicht wieder einfach so.»

In Niedersachsen wurden unterdessen weitere Fälle bekannt. Auf der Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden zurzeit zwei junge Frauen behandelt, bei denen der H1N1-Erreger nachgewiesen wurde. Beide werden nach Klinikangaben künstlich beatmet.

Meyer verwies darauf, dass in dem aktuellen Grippe-Impfstoff das H1N1-Virus bereits berücksichtigt sei. Der jährlich neu angemischte Impf-Cocktail sei 2010 auf Empfehlung der Weltgesundheitsbehörde (WHO) entsprechend verändert worden. Die Todesfälle in Niedersachsen sind nach Expertenangaben nicht die ersten der aktuellen Grippesaison in Deutschland. Wie viele Tote es insgesamt gibt, ist aber nicht bekannt, da die Schweinegrippe nicht mehr meldepflichtig ist.

Auch Professor Hans-Dieter Klenk vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Marburg warnte im Radiosender hr-INFO vor Panik. Das H1N1-Virus sei bisher nicht gefährlicher einzustufen als die anderen Erreger, die in Deutschland kursierten.

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) rief zur Schutzimpfung auf. In Hessen wurden nach seinen Angaben seit Oktober 2010 insgesamt 15 Fälle von Infektionen mit dem Schweinegrippe- Erreger H1N1 gemeldet, alleine im Dezember waren es 11. Grüttner erklärte, die Grippe sei eine schwerwiegende Erkrankung, die besonders Menschen ab 60 Jahren und Patienten mit schon vorhandenen Krankheiten sowie Schwangere gefährde. Für sie bestehe eine erhöhte Gefahr schwerer Komplikationen wie Lungenentzündungen. Vollständiger Impfschutz besteht erst etwa zwei Wochen nach der Spritze.

In Thüringen hat es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Erfurt in dieser Saison drei H1N1-Infektionen gegeben. Keine einzige davon sei tödlich gewesen. Grund zur Panik besteht nach Angaben des Ministeriumssprechers nicht: Eine größere Zahl von Neuinfektionen werde momentan nicht erwartet.

Rund 590 000 Dosen der Impfung gegen die Schweinegrippe im Wert von sieben Millionen Euro waren nicht gebraucht und daraufhin eingelagert worden. Die letzten Chargen werden Ende 2011 verfallen.

In Sachsen-Anhalt hat es seit einem halben Jahr keinen Fall von Schweinegrippe mehr gegeben. Auch eine «normale» Grippewelle grassiere derzeit nicht im Land, teilte am Dienstag das Sozialministerium auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

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