Isolierstation
Isolierstation eines Krankenhauses im nordrhein-westfälischen Dorsten (Symbolbild).

Isolierstation eines Krankenhauses im nordrhein-westfälischen Dorsten (Symbolbild).

dpa

Isolierstation eines Krankenhauses im nordrhein-westfälischen Dorsten (Symbolbild).

Köln/Berlin (dpa) - Die Schweinegrippe ist wieder auf dem Vormarsch: Sieben Tote meldete das Robert Koch-Institut (RKI) in Zusammenhang mit einer Schweinegrippe-Infektion von Oktober bis 7. Januar. In der ersten Januarwoche gab es 39 Infektionen mit dem H1N1-Virus - der höchste Wert seit Oktober.

Susanne Glasmacher vom RKI sagte in Berlin, Besonderheit der Grippewelle sei, dass es verstärkt schwere Verläufe und Todesfälle bei Kindern und jungen Menschen gebe. Rund drei Viertel aller Grippekranken sind mit dem Schweinegrippevirus H1N1 infiziert.

Eine Erkrankung verläuft zwar meistens problemlos. Es gibt aber immer wieder gefährliche Komplikationen und Todesfälle. Zu den sieben vom RKI genannten Toten kommen weitere Fälle aus den vergangenen Tagen hinzu. Allein am Mittwoch wurden zwei Schweinegrippe-Opfer aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeldet. Ein 36-jähriger Mann aus Ostwestfalen starb bereits am Wochenende an der Schweinegrippe, er habe keine Vorerkrankungen gehabt, sagte eine Sprecherin des Kreises. In Göttingen erlag eine 75-jährige Frau am Dienstag laut Stadtverwaltung den Folgen der Schweinegrippe.

Weniger eindeutig waren drei weitere Todesfälle - ein Mädchen in Köln, ein Mann in Essen und eine Frau in Münster. Bei allen Patienten war das H1N1-Virus festgestellt worden. Bei der Sechsjährigen soll eine Obduktion die genaue Todesursache klären. Ein Sprecher der eingeschalteten Kölner Staatsanwaltschaft sagte, es dauere einige Tage bis zu einem Ergebnis. Der in Essen gestorbene 57-Jährige mit H1N1-Diagnose war auch schwer lungenkrank. Am Uniklinikum Münster starb eine Frau an Organversagen, die Schweinegrippe und andere Erkrankungen hatte.

Für Hessen berichtete das Sozialministerium seit Jahresbeginn von 21 Infektionen mit dem Schweinegrippevirus. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel wird derzeit eine Patientin mit Schweinegrippediagnose behandelt, deren Zustand als «kritisch, aber stabil» eingestuft wird.

Jugendärzte betonten, dass Kinder besonders gefährdet seien - und zugleich auch die Hauptüberträger der Schweinegrippe, die durch Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion) und über die Hände weitergegeben wird. «Das Immunsystem der Kinder kennt dieses noch neue Virus nicht, hat damit keine Erfahrung», sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, der Nachrichtenagentur dpa in Köln. Eine Impfung - noch vor dem für Februar erwarteten Höhepunkt der Grippewelle - sei ratsam. Der aktuelle Grippeimpfstoff schützt nicht nur vor den saisonalen Grippeviren, sondern auch vor. Aus RKI-Sicht reicht die Empfehlung der Ständigen Impfkommission aus, unter den Kindern lediglich chronisch Kranke gegen Grippe impfen zu lassen.

In einer Grippesaison sterben in Deutschland im Durchschnitt 8 000 bis 11 000 Menschen in Folge der Erkrankung, schätzen Experten. Die Zahl schwankt jedoch erheblich. So kann es in einer milden Saison so gut wie keine Todesfälle geben, in einer starken Saison dagegen 30 000. In der Regel sind Ältere stärker betroffen als Jüngere. Das ist beim Schweingrippevirus jedoch umgekehrt.

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