Vorsorgeuntersuchung beim Arzt
«Jetzt wird es mal kurz kalt!» - Die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt kann unangenehm sein, aber auch Leben retten. Foto: Monique Wüstenhagen

«Jetzt wird es mal kurz kalt!» - Die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt kann unangenehm sein, aber auch Leben retten. Foto: Monique Wüstenhagen

dpa

«Jetzt wird es mal kurz kalt!» - Die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt kann unangenehm sein, aber auch Leben retten. Foto: Monique Wüstenhagen

Berlin (dpa) - Männer rauchen häufiger, trinken mehr, sterben öfter bei Unfällen. Und sie gehen seltener zum Arzt, wie der aktuelle Männergesundheitsbericht zeigt. Dabei kostet Kümmern nichts - viele Vorsorge-Checks zahlt die Kasse.

Männer sterben deutlich häufiger als Frauen bei Unfällen und durch Suizid. Das bestätigen erste Zahlen aus dem neuen Staatlichen Männergesundheitsbericht, den das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag (29. Januar) in Berlin in Auszügen vorstellte. «Drei Viertel aller Suizide werden von Männern begangen», ergänzte Elisabeth Pott von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die den 1. Männergesundheitskongress eröffnete.

In Sachen spezialisierter Prävention sei noch viel zu tun - auch wenn die Gesundheitsbranche langsam auf das Thema einsteige. Aber immer noch trinken Männer mehr Alkohol, rauchen häufiger und gehen bei Beschwerden später zum Arzt. Der Anteil vermeidbarer Sterbefälle ist hoch.

Zwar hat sich die Schere bei der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen von zeitweise sechseinhalb auf nun fünf Jahre leicht geschlossen - die 2011 geborenen Mädchen können mit einem Lebensalter von fast 83 Jahren, die Jungen mit knapp 78 rechnen. Doch auch mittelfristig wird laut Prognosen eine Lücke zwischen den Geschlechtern klaffen. «Vor allem die vorzeitige Sterblichkeit trägt dazu bei», sagte Anne Starker vom RKI. «Der große Anteil "vermeidbarer" Sterbefälle birgt ein hohes Präventionspotenzial.» So sei die vergleichsweise hohe Sterblichkeit vor allem auf einige bestimmte Todesursachen zurückzuführen, bei denen das eigene Verhalten zumindest zum Teil eine Rolle spiele - etwa unfallbedingte Verletzungen und Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch Krebsleiden.

Dabei würde Vorsorge in vielen Fällen gar nichts kosten: Alle Krankenkassen in Deutschland müssen ihren männlichen Mitgliedern regelmäßig bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zahlen. Ab dem 35. Geburtstag hat ein Mann alle zwei Jahre gesetzlichen Anspruch auf ein sogenanntes Hautkrebs-Screening, erläutert eine Sprecherin des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Bei dem Screening untersucht der Arzt den ganzen Körper visuell auf Anzeichen für Hautkrebs. Außerdem gehört eine Anamnese dazu, bei der Patient und Arzt im Gespräch klären, ob der Mann eine Vorgeschichte hat, die Hautkrebs begünstigt.

Im gleichen Rhythmus steht Männern ab 35 ein allgemeines Gesundheits-Check-up zu. Es zielt auf die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Problemen, Nierenerkrankungen und Diabetes ab. Zum Check-up gehören eine körperliche Untersuchung, ein Test der Blut- und Urin-Werte, ein Beratungsgespräch sowie die Anamnese.

Ab dem 45. Geburtstag übernimmt die Kasse eine Krebsfrüherkennung pro Jahr. Dabei tastet der Arzt die Prostata und die äußeren Genitale des Patienten ab. Männer ab 50 können auf Kosten der Kasse zur Darmkrebsfrüherkennung, wobei der Arzt den Stuhl auf verborgenes Blut untersucht. Bis zum 55. Geburtstag übernimmt die Kasse diese Untersuchung jedes Jahr, ab dann alle zwei Jahre. Eine Alternative zur Stuhlprobe ist die Darmspiegelung, die Koloskopie. Für sie zahlt die Kasse ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahre.

Einige Kassen übernehmen nach Angaben des GKV noch weitere Vorsorgeuntersuchungen. Welche das sind, ist von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich.

Vorsorge sei zwar sehr sinnvoll, sagt Christoph Kranich, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. Allerdings warnt er vor übertriebenem Argwohn. «Man muss nicht immer alle Untersuchungen machen», sagt der Experte. «Denn das kann auch Angst machen.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer