Die Naturmedizin schwört schon lange auf Abhärtung. Nun belegen auch Studien: Das Immunsystem wird gestärkt, man wird seltener krank.

Anbaden am Neujahrstag
Eisbaden ist schon ein Fall für die Profis. Für die normale Abhärtung reicht die Kalte Dusche völlig aus.

Eisbaden ist schon ein Fall für die Profis. Für die normale Abhärtung reicht die Kalte Dusche völlig aus.

Patrick Pleul

Eisbaden ist schon ein Fall für die Profis. Für die normale Abhärtung reicht die Kalte Dusche völlig aus.

Düsseldorf. Drinnen ist es kuschelig warm, die Heizung hält konstante Temperaturen. Trotzdem sind derzeit viele Menschen erkältet. „Der Körper wird verwöhnt“, erklärt Ulrich Betz, Leiter des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation an der Uniklinik Mainz. „Die fehlende Auseinandersetzung mit Naturreizen schwächt das Immunsystem.“ Wer sich aber abhärtet, kann sein Immunsystem stärken.

Doch warum macht die körperliche Reizung gesünder? „Für den Körper sind die Wärme- und Kälteeinflüsse zu allererst Stress“, erklärt Rainer Brenke, Chefarzt der Abteilung für Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik in Bad Ems. Registriert der Körper den Temperaturunterschied, versucht er sofort zu regulieren. „Und das kurbelt die Durchblutung an, der Körper wird einmal in Schwung gebracht.“ Warum dieser Effekt zu einem stärkeren Immunsystem führt, ist noch unklar. „Allerdings deuten erste wissenschaftliche Ergebnisse darauf hin, dass Kaltwasseranwendungen die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöhen“, sagt Betz.

Der Körper ist angenehm durchblutet, man ist wach und fühlt sich frisch

Erstes Prinzip einer erfolgreichen „Leibes-Stärkung“ ist Regelmäßigkeit. Als zweites Prinzip gilt: Nur in gesundem Zustand abhärten. Und als drittes Prinzip nennt Brenke: „Nicht übertreiben, sondern langsam anfangen und auch langsam steigern.“

Möglichkeiten zum Abhärten gibt es viele. Einfach und effektiv ist die kalte Dusche am Morgen. Mit der Brause wird erst über Beine und Arme, schließlich über den Rumpf Wasser gespült. Schluss ist, wenn die Kälte schmerzt. Anschließend ist der Körper angenehm durchblutet, man ist wach und fühlt sich frisch.

Schon im 18. Jahrhundert taucht der Begriff der Abhärtung in der naturheilkundlichen Literatur auf. Der Naturwissenschaftler und Arzt Johann Georg Krünitz (1728-1796) definiert die „Leibes-Abhärtung“ als „die Gewöhnung des Körpers, den Eindrücken der Witterung und andern Beschwerden widerstehen zu können, oder solche nicht zu empfinden.“

Luft- und Sonnenbaden, kalte Duschen und Güsse, Barfußgehen und Saunieren – die diversen Methoden der Stärkung entwickeln sich von England bis zur Schweiz und finden in vielfältiger Weise Zugang zur modernen Naturheilkunde.
 

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