Berlin (dpa/tmn) - Käse ist gesund - er enthält zum Beispiel Kalzium, und das ist gut für die Knochen. Estnische Milcherzeuger und Wissenschaftler haben einen Käse entwickelt, der sogar dem Herz-Kreislauf-System nutzen soll. Werben dürfen sie damit aber noch nicht.

Herzkäse aus Estland soll nicht nur schmecken, sondern gleichzeitig den Blutdruck senken und so das Herz vor Infarkten schützen. «Mit probiotischen Milchprodukten wie unserem Herzkäse wollen wir in Europa punkten», sagte Jaanus Murakas, Präsident des estnischen Molkereiverbandes. Als aktuelles Partnerland der Verbrauchermesse Grüne Woche in Berlin (17. bis 26. Januar) präsentierte sich der baltische Staat mit einer breiten Palette traditioneller landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Klinische Studien an der Universität Tartu mit mehr als 1000 Probanden hätten die Wirksamkeit des Käses erwiesen: «Der Edamer enthält probiotische Milchsäurebakterien mit dem Namen Tensia, die den Blutdruck senken und so einer Arterienverkalkung und Herzinfarkten vorbeugen können», erklärt Murakas. Noch darf das Produkt in der Europäischen Union allerdings nicht mit dem blutdrucksenkenden Effekt beworben werden.

Hintergrund ist die EU-Health-Claims-Verordnung, nach der es Lebensmittelherstellern nicht ohne weiteres erlaubt ist, mit gesundheitsbezogenen Angaben zu werben. Die Unternehmen dürfen entsprechende Slogans nur verwenden, wenn die Wirkung wissenschaftlich belegt ist.

Nach einer ersten Absage 2011 hofft der estnische Molkereiverband, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) demnächst der Vermarktung zustimmen wird. Die estnische Regierung unterstützt das probiotische Kooperationsprojekt zwischen dem Verband und der Universität Tartu bereits: 50 Prozent der Forschungskosten werden aus öffentlichen Mitteln beglichen.

«Probiotische Bakterien sind intelligente Helfer, deren Wirksamkeit schon lange für das Magen-Darm-System bekannt ist», sagt Murakas. Er ist überzeugt, dass der Durchbruch von probiotischen Herzprodukten bald folgt. Neben Herzkäse plant der Molkereiverband, Joghurt und Drinks mit Tensia zu vermarkten.

In Estland werden 40 Prozent der im Land produzierten Milch selbst verwertet, die restlichen 60 Prozent gehen in andere europäische Länder, berichtet Murakas. Damit sei die estnische Milchwirtschaft aber nur ein kleiner Lieferant. Um dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben, suchen die Esten gezielt nach Nischen wie funktionellen Milchprodukten.

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