Mit der Hyposensibilisierung wird die Abwehr wieder an Allergene wie Pollen oder Hausstaub gewöhnt.

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Pollenallergiker haben es derzeit nicht leicht. Eine Hyposensibilisierung kann die Beschwerden oft deutlich lindern.

Pollenallergiker haben es derzeit nicht leicht. Eine Hyposensibilisierung kann die Beschwerden oft deutlich lindern.

dpa

Pollenallergiker haben es derzeit nicht leicht. Eine Hyposensibilisierung kann die Beschwerden oft deutlich lindern.

Düsseldorf. Mit Husten, geschwollenen und tränenden Augen, Atemnot und einer triefenden Nase müssen sich zurzeit viele Pollenallergiker herumplagen. Eine wirkungsvolle Methode zur Bekämpfung von Allergien - auch der Pollenallergie - ist die Meidung der entsprechenden Allergene, was jedoch in vielen Fällen nicht möglich ist. Deshalb wird häufig mit Medikamenten - zum Beispiel den sogenannten Antihistaminika - behandelt, die die Grundlage einer Therapie bilden. Eine andere Möglichkeit ist die Hyposensibilisierung. Hier sind die wichtigsten Fakten zu dieser Therapieform.

Was bedeutet Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt, ist eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Therapie zur Behandlung von Allergien. Die Hyposensibilisierung bekämpft gezielt die Ursache der Allergie, indem dem Körper wiederholt ein Allergieauslöser - das Allergen - in steigender Dosierung zugeführt wird. Dabei soll das Immunsystem wieder an ein oder mehrere Allergene gewöhnt werden.

Wer kann sich behandeln lassen?

Menschen mit einer Allergie, die als sogenannter Soforttyp eingestuft wird, können sich behandeln lassen. Dazu zählen Heuschnupfen, allergisches Asthma bronchiale, Insektengift-, Tierhaar- oder Hausstaubmilbenallergien.

Ist die Therapie auch bei Kindern sinnvoll?

"Die Hyposensibilisierung ist auch bei Kindern eine sinnvolle Behandlungsmöglichkeit", sagt Dr. Torsten Zuberbier, Leiter des Allergiezentrums an der Charité Berlin und der Europäischen Stiftung für Allergieforschung. Das Abwehrsystem ist bei Kindern noch besonders lern- und damit veränderungsfähig. Zudem treten im Frühstadium einer allergischen Erkrankung noch keine chronischen Veränderungen auf, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Welche Formen gibt es?

Es gibt derzeit zwei Formen der Hyposensibilisierung: Als Injektion unter die Haut (subkutan) und als Tablette oder Tropfen (sublingual), die unter die Zunge gegeben werden. "Allerdings stehen beide Formen nicht für jedes Allergen zur Verfügung. Meistens handelt es sich um die subkutane Injektion", sagt Zuberbier. Zur Behandlung werden Extrakte verschiedener Pollen, Hausstaubmilben, Insektengifte, Schimmelpilze und Tierhaare eingesetzt.

Wie wird sie durchgeführt?

Die Therapie gliedert sich in zwei Phasen: in die Anfangs- und in die Fortsetzungsbehandlung. Während der Anfangsbehandlung wird das Immunsystem an das Allergen durch eine wöchentliche Dosissteigerung gewöhnt, bis eine individuelle Höchstdosis erreicht ist. Der Patient muss aus Sicherheitsgründen mindestens 30 Minuten nach der Behandlung beobachtet werden. Im Anschluss erfolgt etwa alle vier bis acht Wochen die Fortsetzungsbehandlung, in der das Immunsystem sich dauerhaft einprägt, nicht übermäßig auf das Allergen zu reagieren.

Wie lange dauert die Therapie?

Torsten Zuberbier: "Um ein lang anhaltend erfolgreiches Therapieergebnis zu erzielen, beträgt die Gesamtdauer der Hyposensibilisierung in Abhängigkeit vom Allergen zwischen drei und fünf Jahren."

Wann wird sie durchgeführt?

Bei Pollen wird meistens im Herbst begonnen, bei anderen Allergenen ist der Behandlungsbeginn unabhängig von der Jahreszeit.

Gibt es gesundheitliche Gegenanzeigen?

"Die Hyposensibilisierung ist nicht für alle Patienten geeignet. Liegen bestimmte Krankheiten wie Tumorerkrankungen oder schwere Autoimmunerkrankungen vor oder müssen Medikamente wie Betablocker gegen Bluthochdruck eingenommen werden, kann die Behandlung nicht durchgeführt werden", berichtet der Allergologe. Grundsätzlich muss vor Beginn einer Hyposensibilisierung die Krankengeschichte - inklusive Medikamenteneinnahme - mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nach Gabe der Injektion oder Tabletten/Tropfen können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, die der Patient als Rötung und Schwellung an der Einstichstelle oder als Kribbeln oder Brennen auf der Zunge und im Rachen wahrnimmt. Diese Symptome können Vorboten einer lebensbedrohlichen Reaktion auf das Allergen sein, sodass der behandelnde Arzt darüber informiert werden muss.

Wovon hängt der Erfolg der Behandlung ab?

"Maßgeblich von der persönlichen Mitarbeit des Patienten", sagt Torsten Zuberbier. Deshalb ist beispielsweise die Einhaltung der Behandlungstermine unbedingt notwendig. Auch wenn sich bereits kurz nach der Therapie die allergischen Symptome bessern, muss die Behandlung über den gesamten Zeitraum von drei bis fünf Jahren konsequent und regelmäßig weitergeführt werden. Außerdem hänge die Wirksamkeit von den betroffenen Allergenen und von der Stärke der Allergie ab, so Torsten Zuberbier.

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