Herzschrittmacher im Röntgenbild
Die Implantation eines Herzschrittmachers ist relativ unkompliziert - das Gerät wird unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt und über ein Kabel mit dem Herzen verbunden. Foto: Stefan Sauer

Die Implantation eines Herzschrittmachers ist relativ unkompliziert - das Gerät wird unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt und über ein Kabel mit dem Herzen verbunden. Foto: Stefan Sauer

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Die Implantation eines Herzschrittmachers ist relativ unkompliziert - das Gerät wird unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt und über ein Kabel mit dem Herzen verbunden. Foto: Stefan Sauer

Berlin (dpa/tmn) - Wenn das Herz zu langsam schlägt oder ab und an aussetzt, raten Ärzte oft zur Implantation eines Herzschrittmachers. Er unterstützt das Herz bei seiner Arbeit und kann in einer 20-minütigen Operation eingesetzt werden.

Das Herz ist der Antriebsmotor des Körper- und Lungenkreislaufs. Um diese Aufgabe optimal zu erfüllen, muss das es regelmäßig schlagen - 60 bis 80 Mal pro Minute, unter körperlicher Belastung oder emotionaler Erregung häufiger. Gerät es jedoch aus dem Takt, braucht es Unterstützung. Dann rät der behandelnde Arzt in vielen Fällen dazu, einen Herzschrittmacher implantieren zu lassen.

«Herzschrittmacher werden in erster Linie bei Patienten implantiert, deren Puls manchmal, phasenweise oder generell zu langsam ist», erläutert Stephan Götze, Facharzt für Innere Medizin in Berlin. Symptome sind Schwindel, ein Leistungsknick oder gar Bewusstlosigkeit. Solchen unspezifischen Anzeichen sollte immer auf den Grund gegangen werden. Das geschieht mit den unterschiedlichsten Formen von Elektrokardiogrammen (EKG). Mancher Patient erfährt auch im Rahmen eines Routine-EKGs von einer Herzstörung.

Ursache des verlangsamten oder auch mal aussetzenden Herzschlages sind Funktionsstörungen im Herzen. «In unserem Herz gibt es einen Impulsgeber, den Sinusknoten», erklärt Prof. Hans-Joachim Trappe von der Deutschen Herzstiftung. «Er gibt in regelmäßigen Abständen elektrische Impulse ab. Sie werden über ein Kabelsystem auf die Herzmuskeln übertragen. Daraufhin fängt das Herz an zu pumpen.»

Ein Herzschrittmacher fungiert als Ergänzung. Er besteht aus einem Aggregat mit Impulsgenerator, Elektronik und Batterie und ist durch Kabel mit dem Herzen verbunden. Über die Kabel erhält das Aggregat laufend Informationen über den Herzrhythmus. Diese vergleicht es mit zuvor gespeicherten Daten. Wird ein zu langsamer, zu schneller oder unregelmäßiger Takt registriert, sendet das Aggregat über Elektroden elektrische Impulse zum Herzen und regt es zum Schlagen an.

Die Implantation eines solchen Gerätes ist vergleichsweise unkompliziert. «Unter örtlicher Betäubung wird zunächst ein Hautschnitt von drei bis vier Zentimetern Länge vorgenommen. Dann wird unterhalb des Schlüsselbeines eine Vene punktiert und über diese ein Elektrodenkabel an die Herzkammer herangeführt», beschreibt Trappe. Am Röntgenschirm wird die Führung und Verankerung des Kabels im Muskelgewebe des Herzens überwacht. Zum Schluss wird die Elektrode mit der Batterie verbunden und der Schnitt geschlossen. «Das Ganze dauert etwa 20 Minuten.»

Mehr als 14 000 solcher Eingriffe wurden laut Herzbericht 2010 hierzulande durchgeführt, viele von ihnen ambulant. «Auch wenn eine Herzschrittmacher-Implantation ein routinemäßiger Eingriff ist - dabei können unvorhersehbare Komplikationen auftreten, manchmal erst Stunden nach der OP oder in der Nacht», sagt Götze. Was nach einer Implantation zu beachten ist, erklärt die Deutsche Herzstiftung auf ihrer Website.

Nach der Operation heißt es: Mit dem Herzschrittmacher leben lernen. «Für viele Patienten bedeutet das Leben mit einem Herzschrittmacher eine Umstellung: In den ersten Tagen treten leichte Wundschmerzen auf, für eine gewisse Zeit eventuell Fremdkörpergefühle. Auch mit dem Gefühl, dass das eigene Leben nun von diesem Gerät abhängt, müssen manche Patienten erst umgehen lernen», fasst Götze zusammen.

Allerdings sind konventionelle Herzschrittmacher in ihrer Funktion kaum spürbar. «Deshalb stellen sie im Alltag für die Patienten kaum eine emotionale oder psychische Belastung dar. Im Gegenteil: Die meisten Patienten wissen, dass das Gerät ihnen hilft», bilanziert Arno Drinkmann, Professor für Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Auch belege die Forschung: Fälle, wo nach einer Implantation Angstzustände entstehen, seien äußert selten. «In diesen Fällen empfiehlt sich eine Psychotherapie. Für eher ängstliche Patienten haben sich Selbsthilfegruppen bewährt, eventuell mit der Moderation durch einen Arzt.» Zwingend nötig sind regelmäßige, halbjährliche Kontrolluntersuchungen.

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