Glücksspielsucht Gefahr für Jugendliche
Besonders männliche Jugendliche sind gefährdet, spielsüchtig zu werden. Der Fachverband Glücksspielsucht fordert daher Kontrollen und Verbote. Foto: Holger Hollemann

Besonders männliche Jugendliche sind gefährdet, spielsüchtig zu werden. Der Fachverband Glücksspielsucht fordert daher Kontrollen und Verbote. Foto: Holger Hollemann

dpa

Besonders männliche Jugendliche sind gefährdet, spielsüchtig zu werden. Der Fachverband Glücksspielsucht fordert daher Kontrollen und Verbote. Foto: Holger Hollemann

Bremen (dpa) - Für Minderjährige ist Glücksspiel verboten - dafür sorgt der Jugendschutz. Doch besonders Jungen finden Wege zu zocken, vor allem an Automaten und zunehmend auch im Internet.

Zahlreiche Präventionsprogramme sollen das Komasaufen unter Jugendlichen eindämmen. Das Glücksspiel wird als Gefahr weniger öffentlich wahrgenommen. Dabei haben nach Studien bundesweit zwei bis drei Prozent aller Jugendlichen glücksspielbezogene Probleme.

Der Psychologe Tobias Hayer von der Universität Bremen fordert, den Jugendschutz an Geldspielautomaten in Gaststätten oder Imbissbuden mit Test-Spielern zu überprüfen.

Welche Glücksspiele sind unter Jugendlichen beliebt?

Die jugendlichen Spieler sind meist Jungen. Beliebt sind nach Untersuchungen Poker, Sportwetten, Automatenspiele und Rubbellose. Gerne wird online gezockt. Im Internet gibt es alle Glücksspiele auch mit Spielgeld. «Ich würde diese Spiele etwa in sozialen Netzwerken nicht als Einstiegsdroge bezeichnen. Aber es müsste erforscht werden, ob sie die Spieler auch zu Spielen um echtes Geld bringen», sagt der Bremer Glücksspielforscher Tobias Hayer.

Wer ist besonders gefährdet, zum problematischen Spieler zu werden?

Es gibt einen hohen Migrantenanteil unter den Spielsüchtigen. Soziale Benachteiligung und Perspektivlosigkeit erhöhen das Risiko, sich zu verzocken. «Überraschenderweise sind häufig in Sportvereinen organisierte Jugendliche problematische Spieler», berichtet Hayer. Sie interessieren sich besonders für Sportwetten. Es gibt Fußballprofis, die sich zu ihrer Spielsucht bekennen. Junge Männer, denen Erfolgserlebnisse ausbleiben und die viel Geld und Zeit zur Verfügung haben, scheinen demnach auch gefährdet zu sein.

Welche persönlichen Folgen hat die Spielsucht?

Die Jugendlichen verkaufen alles, was sie besitzen, um ihre Sucht zu finanzieren. Sie vernachlässigen Schule und Ausbildung und isolieren sich zunehmend. Langfristig kann Beschaffungskriminalität hinzukommen.

Wird die Einhaltung des Jugendschutzes ausreichend kontrolliert?

Eine zentrale Forderung aller Glücksspielexperten ist das Verbot von gewerblichen Spielautomaten in Gaststätten und Imbissbuden. Hayer plädiert für Testkäufe wie beim Alkohol, um zu kontrollieren, ob der Jugendschutz funktioniert. «Wir hinken in der Sensibilisierung der Bevölkerung hinterher», beobachtet der Psychologe. «Einem Zwölfjährigen würde zu Weihnachten niemand Bier schenken, Rubbellose aber schon.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer