München (dpa) - Beim Angurten von Patienten im Bett oder am Stuhl kommt es immer wieder zu Todesfällen durch fehlerhaftes Anlegen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Wissenschaftler haben die Obduktionen des rechtsmedizinischen Instituts in München von 1997 bis 2010 ausgewertet. In 26 von 27 000 Obduktionen hatten es die Gerichtsmediziner mit Patienten zu tun, die während einer sogenannten Gurtfixierung gestorben sind. Dabei war bei 22 «nicht unter Dauerbeobachtung stehenden Pflegebedürftigen der Todeseintritt allein auf die jeweilige Fixierung zurückzuführen», heißt es in der Studie, über die das «Deutsche Ärzteblatt» berichtet.

Die sogenannten Freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) werden oftmals bei Pflegeheimbewohnern angeordnet, wenn die Patienten beispielsweise aufgrund einer Demenz aus ihrem Bett stürzen könnten oder ohne Hilfsmittel nicht behandelt werden können. Auch bei psychisch Kranken, die als suizidgefährdet gelten, werden sie angewandt. Die Maßnahmen reichen von Bettgittern bis zu Gurten, Bandagen und Decken, mit denen die Körper der Patienten fixiert werden.

Die drei Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Medizinen Universität Wien fanden in der Studie heraus, dass von den 26 gestorbenen Patienten nur drei eines natürlichen Todes starben und ein weiterer sich selbst umbrachte. Bei 22 Betroffenen führten die Gurte selbst zum Tod, wobei jeder zweite Patient stranguliert wurde. Bei acht Angegurteten wurde der Brustkorb zusammengequetscht, bei drei Menschen trat durch die Fixierung eine sogenannte Kopftieflage ein.

In 19 Fällen stellten die Experten eine fehlerhafte Verwendung der Gurte fest, in zwei Fällen wurden zudem nur behelfsmäßig Gürtel und Bettlaken zur Fixierung verwendet. Eine Heimbewohnerin wurde trotz korrekt angelegten Bauchgurts stranguliert, weil sie ungewöhnlich gelenkig war.

«Zur Verhinderung derartiger Todesfälle wird aus gerichtsmedizinischer Sicht dringend empfohlen, alle Möglichkeiten von Alternativen zu FEM auszuschöpfen», fordern die Wissenschaftler. Falls Fixierungen dennoch benötigt würden, müssten diese nicht nur vorschriftsmäßig verlegt werden. Die Betroffenen müssten auch verstärkt vom Heimpersonal beobachtet werden.

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