Falsches Pflichtgefühl kann für den Betrieb teuer werden. Die Arbeitskraft ist vermindert, das Unfallrisiko steigt.

wza_266x353_555024.jpg
Zu viele Menschen gehen krank zur Arbeit, ohne zu ahnen, was für Folgen das haben kann.

Zu viele Menschen gehen krank zur Arbeit, ohne zu ahnen, was für Folgen das haben kann.

Uli Engers

Zu viele Menschen gehen krank zur Arbeit, ohne zu ahnen, was für Folgen das haben kann.

Gütersloh. 42 Prozent der Beschäftigten geben an, in den vergangenen zwölf Monaten zwei Mal oder öfter krank zur Arbeit gegangen zu sein. Immerhin noch sieben Prozent nahmen sich für das Auskurieren einer Krankheit Urlaub. In dem Ende Oktober erscheinenden Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung werden nicht nur diese Zahlen veröffentlicht, sondern auch die Motive. Vor allem sind dies: Pflichtgefühl und Rücksicht auf Kollegen.

Doch diese Opferbereitschaft - die Experten sprechen von Präsentismus, weil der Beschäftigte zur Arbeit geht, obwohl er eigentlich wegbleiben sollte - kommt nur scheinbar dem Arbeitgeber zugute. Die Studie zeigt die Kehrseite eines solchen Verhaltens auf, mit dem der Einzelne nicht nur sich, sondern auch seinem Arbeitgeber und der Volkswirtschaft schaden kann: durch geringere Produktivität, aber auch durch erhöhte Gefahr, bei seiner Arbeit einen Schaden oder Unfall zu verursachen.

Die mögliche Ansteckung von Kollegen ist ein weiterer Aspekt, der angesichts drohender Schweinegrippe und denkbarer Schließung ganzer Betriebsstätten eine Dimension erhält, die bei der Studie noch nicht einmal berücksichtigt wurde. Und: Durch ein Verschleppen von Krankheiten steigere der Präsentismus die Wahrscheinlichkeit für einen künftigen Absentismus - dass der Beschäftigte später krankheitsbedingt für längere Zeit ausfällt.

Die Macher der Studie geben zu, dass die Kosten falschen Pflichtgefühls nicht leicht zu kalkulieren sind. Wie soll man einen verhinderten Unfall, der einem kranken Arbeitnehmer unterlaufen könnte, beziffern? Man denke nur an den Fehler eines gehandicapten Fluglotsen.

Trotzdem wagen die Experten die These, dass die Kosten über denen des krankheitsbedingten Fernbleibens von der Arbeit liegen. Ein "gesunder" Umgang mit Krankheit liege daher im Interesse des Unternehmens und sei Führungsaufgabe.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer