Mehr Menschen stecken sich mit Geschlechtskrankheiten an. Das Benutzen von Kondomen ist die einfachste Art sich vor vielen Infektionen zu schützen. Foto: Peter Endig
Mehr Menschen stecken sich mit Geschlechtskrankheiten an. Das Benutzen von Kondomen ist die einfachste Art sich vor vielen Infektionen zu schützen. Foto: Peter Endig

Mehr Menschen stecken sich mit Geschlechtskrankheiten an. Das Benutzen von Kondomen ist die einfachste Art sich vor vielen Infektionen zu schützen. Foto: Peter Endig

dpa

Mehr Menschen stecken sich mit Geschlechtskrankheiten an. Das Benutzen von Kondomen ist die einfachste Art sich vor vielen Infektionen zu schützen. Foto: Peter Endig

Bochum (dpa) - Experten sprechen von einem Comeback der Geschlechtskrankheiten. Mögliche Restriktionen für Prostituierte - wie sie derzeit diskutiert werden - könnten das Problem noch verschärfen, warnt ein Forscher.

Chlamydien, Tripper oder Syphilis: In Europa nehmen Experten zufolge Infektionen mit Geschlechtskrankheiten zu. «Es ist immer die sexuelle Aktivität und das Fehlen von Schutzmaßnahmen, beispielsweise des Kondoms, die das Infektionsrisiko steigen lässt», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für sexuell übertragbare Krankheiten (DSTIG), Norbert H. Brockmeyer anlässlich einer Tagung am Freitag (8. November) in Köln.

In der aktuellen Debatte um Prostitution warnt der Wissenschaftler vor Restriktionen für Sexarbeiterinnen und vor Strafverfolgung von Freiern - trotz der steigenden Infektionszahlen. «Alles was gegen Liberalisierung im Bereich der Prostitution arbeitet, wird die Situation deutlich verschlechtern. Damit schicken sie die Leute in den Untergrund.» Der Professor appellierte für eine vorurteilsfreie und nicht stigmatisierende Beschäftigung mit der Sexualität und sexuell übertragbaren Infektionen. Brockmeyer ist Experte für Geschlechtskrankheiten an der Universitätshautklinik Bochum.

«Wenn wir von unserem Vorgehen bei der HIV-Infektion lernen wollen, dann sehen wir, dass alle Staaten, die versucht haben, über Zwangsmaßnahmen die HIV-Epidemiologie einzudämmen, dramatische Zuwächse an Infektionen hatten.» Ähnliche Effekte seien wahrscheinlich, wenn Sexarbeiterinnen und Freier in Deutschland Strafen oder noch stärkere Stigmatisierungen zu befürchten hätten.

In ganz Europa steige die Zahl der Neuinfektionen mit Geschlechtskrankheiten. Geschätzt werden in Deutschland laut DSTIG 80 000 Infektionen mit humanen Papillomviren pro Jahr. Diese können Gebärmutterhalskrebs verursachen. Meist junge Männer oder Frauen infizierten sich mit den Erregern. 100 000 bakterielle Infektionen durch Chlamydien, die bei Frauen und Männern Unfruchtbarkeit auslösen können, seien ebenso Anlass zur Sorge.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) kommen auch Syphilis-Erkrankungen wieder häufiger vor. So stieg bundesweit die Zahl der gemeldeten Fälle 2012 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 19 Prozent auf 4410 Erkrankungen. Allerdings werden laut RKI 4 von 5 der gemeldeten Fälle über sexuelle Kontakte zwischen Männern übertragen. Die Zahl der Infektionen, bei denen Kontakte zu Prostituierten als Quelle angegeben werden, bleibt dagegen konstant. «Auch hier müssen wir das Risikoverhalten betrachten und keine Scheindebatte über Prostitution führen», sagte Brockmeyer. So würden Syphilis-Ausbrüche auch bei Besuchern von Swingerclubs beobachtet.

Ansteigende Infektionsraten seien vor allem bei jungen Erwachsenen in der sexuellen Findungsphase zu beobachten. Brockmeyer: «Hier müssen wir in Deutschland viel mehr Aufklärungsarbeit leisten.»

Zahlreiche Prominente aus Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft hatten kürzlich einen «Appell gegen Prostitution» von Frauenrechtlerin Alice Schwarzer unterzeichnet. Die Unterstützer fordern eine Änderung des Prostitutionsgesetzes von 2002. Deutschland sei zur «europäischen Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern» verkommen, hieß es in dem Aufruf, der langfristig die Abschaffung der Prostitution verlangt.

Nach einem Rückgang der sexuell übertragbaren Krankheiten nach der HIV-Epidemie in den 1980er Jahren spricht die DSTIG inzwischen von einem Comeback der Geschlechtskrankheiten. Zwar bleiben die Neuinfektionen mit HIV bundesweit mit etwa 3000 Fällen pro Jahr seit Jahren konstant und sind die niedrigsten in der Welt. In den letzten zehn Jahren treten andere Infektionen jedoch wieder gehäuft auf.

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