Heidelberg (dpa) - Impfen gegen Krebs ist keine Zukunftsvision mehr. «Bei zwei durch Viren verursachten Krebsarten existieren bereits wirksame Impfungen - beim Leberkrebs und Gebärmutterhalskrebs», sagte Professor Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Harald zur Hausen hatte 2008 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung bekommen, dass bestimmte Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Der Krebs ist weltweit einer der häufigsten bösartigen Tumoren bei Frauen. In Deutschland erkranken jährlich 6000 Frauen daran, 1700 sterben.

Seit 2007 ist eine Impfung gegen diejenigen Viren verfügbar, die 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsfälle auslösen. Diese Impfung wird derzeit insbesondere Mädchen vor dem ersten Sexualkontakt verabreicht. In Deutschland sei die Impfquote nach Berichten über angebliche Nebenwirkungen jedoch rückläufig, bedauerte zur Hausen. Er verwies auf Studien australischer Forscher, denen zufolge auf 100 000 Impflinge lediglich eine einzige gravierende Nebenwirkung wie etwa eine Allergie gegen den Impfstoff festgestellt worden sei. «Das ist aber eine geringere Quote als bei Impfungen, die für Kinder und Jugendliche von der deutschen Ständigen Impfkommission empfohlen werden.» Die Gegner der Gebärmutterhalskrebsimpfung seien entsprechende Studien über häufige Nebenwirkungen schuldig geblieben.

In Deutschland sei derzeit nur ein Drittel aller Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren geschützt, sagte zur Hausen. In Australien seien es 84 Prozent. Der Krebsforscher empfahl, auch Jungen impfen zu lassen. Zum einen, weil sie die Viren dann nicht mehr auf ihre Sexualpartnerinnen übertragen könnten, zum anderen, weil auch Krebserkrankungen im Rachenraum und im Analbereich zu einem Drittel verhindert werden könnten, die ebenfalls von den sogenannten Papillomviren ausgelöst werden können. «Bei globaler Impfung beider Geschlechter könnten wir die Papillomvirustypen, gegen die die Impfung schützt, vollständig ausrotten.»

Neben der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs schützt eine Hepatitis-Impfung vor Leberkrebs. Das Karzinom ist häufig Folge einer Leberentzündung durch Hepatitisviren. «Nach einer Vergleichsstudie aus Taiwan führte die Impfung nach der Geburt zu einer Verminderung dieser Erkrankungen um 70 Prozent», berichtete zur Hausen. Er erwartet, dass noch mehr Impfungen gegen krebsauslösende Erreger wie etwa gegen ein Magenkrebsbakterium entwickelt werden. Der Krebsforscher ist einer der Hauptredner bei der 2. Nationalen Impfkonferenz an diesem Dienstag und Mittwoch in Stuttgart.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer