Paris/Berlin (dpa) - Einem französischen Ärzteteam ist nach eigenen Angaben die weltweit erste Transplantation einer künstlichen Bronchie gelungen. Das berichtete die Tagezeitung «Le Parisien» am Donnerstag. Operiert wurde ein 78-Jahre alter Mann, der an einem Krebstumor im rechten Lungenflügel litt.

Heute, rund 16 Monate nach dem Eingriff im Oktober 2009, sei der Patient bei bester Gesundheit, heißt es in dem Bericht. Durch die Transplantation künstlicher Bronchien könnte das Entfernen von Teilen der Lunge vermieden werden. Die Mediziner des Krankenhauses Avicenne in Bobigny nahe Paris veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal «The Annals of Thoracic Surgery».

Die künstliche Bronchie formten die Mediziner aus einem Stück Aorta aus einer Gewebebank. Die Aorta ist die größte Schlagader des menschlichen Körpers. Stabilisiert wurde das Gefäß durch ein chirurgisches Drahtgeflecht («Stent»). «Das hat wohl gut funktioniert», erklärte Bruno Meiser, Leiter des Transplantationsprogramms der Ludwig-Maximilians-Universität München, der nicht an dem Eingriff beteiligt war, auf Anfrage. Normalerweise werden die Luftröhren durch Knorpel gestützt.

«Aus Sicht eines Chirurgen ist es schön, was die Kollegen gemacht haben», sagte Gregor Warnecke, der das Lungentransplantationsprogramm an der Medizinischen Hochschule Hannover leitet. Bislang gebe es kein gutes Material, um die Luftröhre und die großen Bronchien zu ersetzen. Da die Röhren unmittelbar mit der Außenluft in Kontakt kommen, die mit Keimen belastet ist, seien etwa Kunststoffe ungeeignet - darauf würden sich die Bakterien leicht ansiedeln. «Eigentlich kommen nur biologische Transplantate infrage», sagte der Mediziner.

Warnecke zufolge könnte die neue Methode im Einzelfall Patienten mit fortgeschrittenen Lungentumoren helfen. Weltweit gibt es nach Daten der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr rund 1,6 Millionen neue Fälle von Lungenkrebs, 1,4 Millionen dieser Patienten sterben.

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