Risikoreiche Eingriffe am offenen Herzen können zukünftig unter besserer Sichtkontrolle durchgeführt werden.

Die 7.5 Millimeter dünne Sonde wird schon bei Babys in die Speiseröhre eingeführt.
Die 7.5 Millimeter dünne Sonde wird schon bei Babys in die Speiseröhre eingeführt.

Die 7.5 Millimeter dünne Sonde wird schon bei Babys in die Speiseröhre eingeführt.

Messe Düsseldorf

Die 7.5 Millimeter dünne Sonde wird schon bei Babys in die Speiseröhre eingeführt.

Düsseldorf. Bei der Behandlung von herzkranken Kindern und Neugeborenen mussten Ärzte bislang auf eine unterstützende Ultraschall-Bildgebung während eines Eingriffs verzichten. Die bisherigen Schlucksonden waren zu groß, um sie für die Herzbildgebung in die kindliche Speiseröhre einzuführen.

Doch das gehört jetzt der Vergangenheit an. Philips hat die nach eigenen Angaben "kleinste Ultraschall-Schlucksonde der Welt" entwickelt, die für die sogenannte transösophageale Echokardiographie (TEE), einem speziellen Verfahren zur Herzbildgebung bei Neugeborenen, eingesetzt wird.

Der Arzt kann den Eingriff permanent überwachen

Das Gerät mit dem Namen "microTEE" hat einen Durchmesser von nur 7,5Millimetern und ist damit nur ein Drittel so groß wie herkömmliche Schlucksonden. "Der Arzt kann den Eingriff am Herzen eines Babys während des gesamten Verlaufs mit der Ultraschall-Bildgebung überwachen, sodass risikoreiche Operationen unter besserer Sichtkontrolle durchgeführt werden können", berichtet Philips-Pressesprecherin Annette Halstrick.

Zur Behandlung führt der behandelnde Arzt die dünne, flexible Sonde in die Speiseröhre des Kindes ein und positioniert sie dort. Durch den fast dreidimensionalen Blickwinkel und durch die gute Bilddarstellung ermöglicht sie eine genauere Diagnosefindung.

Die unmittelbare Nähe zum Herzen macht den oberen Verdauungsapparat zum idealen Ausgangspunkt für den Herz-Ultraschall. Von dort aus ist die Darstellung der Herzstrukturen sowie der großen herznahen Gefäße weitgehend störungsfrei. So entstehen während einer Operation hochauflösende Bilder vom Herzen, ohne dass Luft in den Lungen oder Rippen die Bildgebung beeinträchtigt.

Da der Arzt mit den Bildern vom schlagenden Herzen die Situation im Operationssaal schneller einschätzen kann, verkürzt sich auch die Behandlungszeit.

Zudem wird die Belastung des Patienten und des OP-Personals durch Röntgenstrahlen, die bei der Durchleuchtung während der Herzkatheter-Untersuchung entstehen, deutlich reduziert - darauf weisen mehrere Studienergebnisse hin. Insgesamt wird der Patient also geschont, weil aufwändige Operationen am offenen Herzen nicht mehr unbedingt notwendig sind.

Besonderer Vorteil der Sonde ist, dass der Arzt das Herz von verschiedenen Seiten aus begutachten kann. Über einen kleinen Regler bewegt er den schmalen Schallkopf des Geräts im Inneren des Patienten und erhält sofort Bilder des Organs aus unterschiedlichen Ebenen.

Janusz Bielczynski, Marketing Manager bei Philips, erzählt stolz von bereits erfolgreich durchgeführten Eingriffen: "Der kleinste Patient, der mit der neuen Sonde beschallt wurde, wog gerade mal 1,8Kilogramm." Normalerweise werden die Sonden bei Babys ab einem Gewicht von 2,5 Kilogramm eingesetzt.

Doch das Einsatzgebiet ist nicht etwa nur auf die Kinderheilkunde beschränkt. "Sie kann auch zur Diagnostik und Therapiebegleitung bei erwachsenen Patienten eingesetzt werden, die zum Beispiel Probleme beim Schlucken herkömmlicher Sonden haben", sagt Bielczynski. Mit der kleinen Schlucksonde hat Philips seine 3D-Schlucksonden, die bereits eingesetzt werden, weiterentwickelt. Häufiges Einsatzgebiet ist dabei die Behandlung von Löchern in der Herzscheidewand.

Bei Erwachsenen wird bereits seit Mitte der 90er Jahre der Defekt durch die TEE untersucht. Doch die dabei entstandenen 2D-Schnittbilder musste der Arzt früher mithilfe seiner Erfahrung selbst im Kopf zusammensetzen, um die anatomische und räumliche Situation am Herzen einzuschätzen.

Die 3D-Technik ist eine enorme Hilfe für den Mediziner: Sie stellt das schlagende Herz nicht nur dreidimensional, sondern vor allem in Echtzeit dar. "Die Informationen aus der 3D-Bildgebung sind viel schneller und einfacher zu interpretieren. Der Operateur gewinnt so an Sicherheit während des Eingriffs", berichtet Prof. Andreas Franke, Kardiologe an der Uniklinik Aachen.

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