Seit zehn Jahren sind die kleinen Geräte in der Öffentlichkeit im Einsatz.

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Es gibt sie in vielen Varianten und mittlerweile an vielen öffentlichen Orten: „Laien-Defis“.

Es gibt sie in vielen Varianten und mittlerweile an vielen öffentlichen Orten: „Laien-Defis“.

dpa/Archiv

Es gibt sie in vielen Varianten und mittlerweile an vielen öffentlichen Orten: „Laien-Defis“.

Frankfurt. Seit zehn Jahren gibt es am Frankfurter Flughafen Geräte, mit denen auch medizinische Laien einem Patienten im Falle eines Herzkreislaufstillstands das Leben retten können. Mehr als ein Dutzend Menschen haben dank dieser sogenannten Frühdefibrillatoren einen Anfall am Airport überlebt. Doch die Technik ist nicht unumstritten. „Unnötiges Herumwursteln mit irgendwelchen Automaten“ koste nur wertvolle Zeit, sagen Kritiker und empfehlen eine Alternative, die keinen Pfennig kostet.

Früher gab es Defibrillatoren nur auf Intensivstationen und im Rettungswagen. Dann wurden sie zunehmend an öffentlichen Plätzen mit viel Publikumsverkehr installiert. Der Ersthelfer muss im Notfall nur die Elektroden ankleben, danach analysiert eine Software selbstständig den Herzrhythmus. Wann der Anwender per Knopfdruck einen Elektroschock auslösen muss, sagen ihm – je nach Baureihe des Geräts – blinkende Dioden oder Anweisungen auf einem digitalen Display.

Doch die Scheu für Laien, überhaupt zu helfen, ist groß: „Obgleich die Erfolge der Reanimation durch Ersthelfer seit vielen Jahren bekannt sind, wird eine Laien-Reanimation nur bei 15 Prozent der Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand durchgeführt“, weiß Prof. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Kardiologie am Marienhospital Herne der Ruhr-Universität Bochum und Vorstandsmitglied der Herzstiftung. Er hat auch die Einführung der öffentlichen Defibrillatoren von Beginn an wissenschaftlich begleitet.

Mancher Experte sieht die „Laien-Defis“ sehr kritisch

Eines der größten Projekte startete im Frühjahr 2003 am Frankfurter Flughafen. 44 Schockgeber wurden aufgehängt, 1500 potenzielle Ersthelfer geschult – zum Beispiel Wachpersonal, Zoll-Mitarbeiter oder Angestellte des Flughafenbetreibers Fraport. Auch an anderen öffentlichen Orten – zum Beispiel im Münchner U-Bahn-Netz, der Arena „Auf Schalke“, in der Therme „Lago“ in Herne und dem Düsseldorfer Landtag – wurden solche Geräte installiert.

Prof. Dietrich Andresen, Direktor der Klinik für Kardiologie am Vivantes-Klinikum Berlin, sieht das massenweise Verteilen der Laien-Defis kritisch. Wenn das Herz das Blut nicht mehr weitertransportiert, zählt jede Minute, sagt er. „Das Schlechteste, was Sie in so einer Situation tun können, ist Zeit zu verlieren – zum Beispiel durch unnötiges Herumwursteln mit irgendwelchen Automaten.“

Ein Defibrillator kann beim plötzlichen Herztod durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen sowie Kammerflimmern stoppen.

Laut einer Studie der Fachzeitschrift „Der Kardiologe“ aus dem Jahr 2011 kamen die „Defis“ am Frankfurter Flughafen seit ihrer Installation bei mindestens 21 Menschen zum Einsatz, 14 überlebten.

Laut Deutscher Herzstiftung sterben in Deutschland jährlich rund 80 000 Menschen am plötzlichen Herztod.

Einzige richtige Maßnahme: „Die Feuerwehr rufen und danach sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.“ Das – dank vieler Filme im kollektiven Bewusstsein verankerte – Beatmen sei falsch. „Jede Minute, die man nicht pumpt, bringt den Patienten eine Minute näher zum Tod“, sagt Andresen.

Dennoch ist auch er der Ansicht: „Frühdefibrillatoren können Leben retten“ – aber nur unter bestimmten Bedingungen – an stark frequentierten Orten, zum Beispiel. Und auch dort genügt es nicht, die Dinger an die Wand zu schrauben: Es müssten auch Laienhelfer geschult werden. „Der Aufwand ist sehr hoch.“ Im Durchschnitt komme ein Laiendefibrillator alle sechs Jahre zum Einsatz, und man müsse 1000 Leute ausbilden, damit einem Menschen das Leben gerettet wird.

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