Berlin (dpa) - Brustkrebs ist die häufigste Tumorart bei Frauen. Fachärzte empfehlen jetzt Reihenuntersuchungen mit Ultraschall - doch der Nutzen ist durchaus umstritten.

Fachärzte raten für die Brustkrebs-Früherkennung bei jüngeren Frauen zu Reihenuntersuchungen mit Ultraschall. Eine jährliche Ultraschallaufnahme der Brust sei für alle Frauen zwischen 35 und 50 Jahren sinnvoll, sagte Friedrich Degenhardt von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin am Mittwoch (24.11.) in Berlin. Die Kooperationsgemeinschaft Mammografie sieht den Vorstoß kritisch. Für Reihenuntersuchungen fehlten wissenschaftliche Belege für den Nutzen von Ultraschall als Früherkennungsmethode, sagte Sprecherin Barbara Marnach.

Brustkrebs ist mit rund 57 000 Neuerkrankungen und 18 000 Todesfällen pro Jahr die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. Eine Reihenuntersuchung mit Röntgengeräten gibt es bisher ab 50 Jahren. Dieses Mammografie-Screening ist der Versuch, mehr Frauen das Leben zu retten. Seit 2009 gibt es das Angebot in ganz Deutschland. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden regelmäßig alle zwei Jahre über die Meldeämter eingeladen. Dass es dieses Screening erst ab 50 Jahren gibt, liegt am rapide steigenden Brustkrebs-Risiko im höheren Lebensalter.

Für Frauen, die jünger sind als 50, gibt es bei der Krebsvorsorge beim Gynäkologen heute in der Regel Tastuntersuchungen der Brust. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall (DEGUM) hält das für unzureichend. Moderne Ultraschallgeräte könnten die Brust zuverlässig durchscannen, argumentiert Gynäkologe Jens-Uwe Blohmer als Leiter eines Berliner Brustzentrums für die DEGUM. Die Untersuchung sei frei von Strahlung, verursache keine Schmerzen und dauere nur wenige Minuten.

Die Kassen zahlen diese Untersuchung in der Regel jedoch nicht. Als Selbstzahler werden Patientinnen bei modernsten Geräten, die bisher nur in Kliniken oder Brustzentren stehen, mit rund 150 Euro zur Kasse gebeten. Beim üblichen Ultraschall in einer Praxis seien es 30 bis 40 Euro, berichtete Degenhardt. Er rät allerdings dazu, den Arzt vorher nach seiner Qualifikation für diese Untersuchung zu fragen. Die DEGUM hat eine Experten-Liste herausgegeben.

Alexander Mundinger, Radiologe für die DEGUM, hält Ultraschall auch ergänzend zur Mammografie ab 50 für sinnvoll. Eine Kombination der Methoden könne die Krebsentdeckungsrate laut Studien um 7 bis 40 Prozent steigern, sagte er.

Beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hält Radiologe Stefan Delorme Ultraschall für die Brustkrebs-Früherkennung bei Frauen ab 40 für eine gute Idee. «Medizinisch ist das sinnvoll und wünschenswert», sagte er. Gerade bei jüngeren Frauen werde das Brustkrebs-Risiko häufig unterschätzt. Das Brustgewebe sei in diesem Lebensalter im Ultraschall auch besonders gut zu sehen. «Die Frage ist aber, ob Reihenuntersuchungen logistisch und finanziell machbar sind», ergänzte er. Ganz unbefangen beim Thema Ultraschall ist Delorme allerdings nicht. Er ist Präsident der DEGUM.

Deutliche Kritik am geforderten Ultraschall-Screening kommt von der Kooperationsgemeinschaft Mammografie. Bisher gebe es keinen ausreichenden Beleg dafür, dass Ultraschall-Untersuchungen der Brust bei Frauen ohne Symptome einen Nutzen für die Früherkennung hätten, sagte Sprecherin Marnach. Die Frage sei auch, ob es damit vielleicht viele unklare Befunde gebe. Ein Screening müsse Tumore mit großer Sicherheit nachweisen oder ausschließen können.

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