Bio-Lebensmittel gibt es inzwischen selbst beim Discounter. Die Skandale etwa um Dioxin im Fleisch fördern den Absatz.

Buntes Gemüse
Bunte Vielfalt: Von Gemüse kann man sich eine große Portion auf den Teller laden.

Bunte Vielfalt: Von Gemüse kann man sich eine große Portion auf den Teller laden.

dpa

Bunte Vielfalt: Von Gemüse kann man sich eine große Portion auf den Teller laden.

Nürnberg/ Bonn. Noch vor ein paar Jahren konnte jeder sein Engagement für eine bessere Welt am Esstisch zum Ausdruck bringen. Bio-Milch, Eier von glücklichen Hühnern und Tofustreifen aus dem Öko-Laden signalisierten: Hier ernährt sich jemand verantwortungsbewusst.

„Inzwischen gehören Bio-Lebensmittel zum guten Ton und sind Standard jeder Kette“, berichtet Leif Erik Rehder von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) kurz vor der Weltleitmesse „Biofach“ (16. bis 19.2.) in Nürnberg. Nach rasanten Wachstumssprüngen im vergangenen Jahrzehnt hat sich Bio etabliert – 2010 wuchs der Markt in Deutschland laut AMI nur noch um zwei Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

„Geiz ist geil“ ist überwunden

Damit ist die Zeit der zweistelligen Zuwachsraten wohl endgültig vorbei. Überraschend ist das nicht: Nach konstant starkem Wachstum gab es in den Jahren 2007 und 2008 einen enormen Schub, weil Bio-Ketten ihr Filialnetz massiv ausweiteten und Supermärkte sowie zahlreiche Discounter plötzlich Bio-Artikel anboten. 2009 stagnierte der Umsatz in der Wirtschaftskrise, 2010 ging es wieder leicht aufwärts. Dennoch liegt der Marktanteil von Bio-Lebensmitteln gerade einmal bei gut drei Prozent.

Auch in den kommenden Jahren wird es nach Einschätzung von Experten keine großen Sprünge mehr geben. „Die Boomzeit ist vorbei, es geht auf kleinerem Niveau weiter“, prognostiziert Rehder.

Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwartet „vor allem vor dem Hintergrund der ständig wiederkehrenden Lebensmittelskandale, dass die Verbraucher Sicherheit suchen bei Bio“. Zudem gebe es in Deutschland seit Jahren einen Trend hin zu mehr Qualität. „Die Mentalität ,Geiz ist geil’ ist nachhaltig überwunden.“

Das zeigt sich auch daran, dass die reine Menge der verkauften Bio-Produkte 2010 zugenommen hat. Zugleich sind die Preise im Schnitt um 0,6 Prozent gefallen. Allerdings gab es Ausnahmen: Das Wetter ließ die Ernte knapp ausfallen – Getreide, Obst und viele Gemüsesorten wurden teurer. Auch Biofleisch war sehr gefragt, die Bauern kamen mit der Produktion nicht hinterher. „Der Biomarkt ist wieder von einem Angebots- zu einem Nachfragemarkt geworden“, betont Rehder.

Bio-Käufer sind tendenziell weiblich

94 Prozent der Haushalte hatten 2010 bei mindestens einem Einkauf ein Öko-Produkt im Einkaufswagen liegen. Allerdings gebe es große Unterschiede, betont Adlwarth. „Es gibt welche, die kaufen ein, zwei, drei Mal, und es gibt welche, die decken ihren Bedarf signifikant über Bio.“

Bio-Käufer haben in der Regel ein höheres Einkommen, sind besser gebildet, im mittleren Alter und tendenziell weiblich. Die meisten leben in Städten, viele haben Kinder. Diese Käufergruppe geht besonders gern in spezialisierte Geschäfte – Naturkostläden legten im vergangenen Jahr überproportional zu.

„Die überzeugten Bio-Käufer, die ihren Lebensstil danach ausrichten, sind Fachhandelskäufer“, weiß Adlwarth. „Im Lebensmitteleinzelhandel dagegen kaufen die Käufer, die eher ab und zu mal zugreifen und es oftmals vielleicht auch gar nicht merken, dass sie Bio gekauft haben.“

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